Verdichtung und Massstab

Meldungen, 17. Februar 2017
Von: Manuel Pestalozzi

Der Bebauungsplan für das Unterfeld in Baar wurde vom Stimmvolk bachab geschickt. Bild: PD

Darf Verdichtung einen Massstabssprung bewirken? Die Beispiele «Ringling» in Zürich und der am vergangenen Wochenende abgelehnte Bebauungsplan Unterfeld in Baar deuten an, dass die Meinungen geteilt sind.

Wer eine Abstimmung verliert, hat meistens die undankbare Aufgabe, unter den Augen der Öffentlichkeit die Wunden zu lecken. Im Fall des Unterfelds an der Grenze zwischen Baar und Zug hat es Werner Schaeppi erwischt: In einem Beitrag von Zentralplus übt der Leiter der Informations-Kampagne der Grundeigentümer Selbstkritik.
 
Der Wohnüberbauung «Ringling» in Zürich-Höngg und dem Unterfeld ist gemeinsam, dass sie bestehende Siedlungsgebiete nahe von urbanen Zentren ergänzen. Beide Projekte operierten mit grossen, grossstädtischen Massstäben. Im Falle des «Ringlings» hatten Rekurrenten beim Bundesgericht Erfolg, im Zugerland entschieden die Bürgerinnen und Bürger selbst direkt an der Urne gegen diese Ergänzung. An beiden Orten hätten die Vorhaben eigentlich als Weiterführung einer eingeschlagenen Besiedlungsstrategie, im Einklang mit gesetzlichen Vorgaben der Verdichtung, gesehen werden können.
 
Sowohl in Zürich als auch in Baar wurden die Befürworter offenbar vom Widerstand überrascht. «Wir hatten uns nicht auf eine Kampfgeschichte eingestellt», gab Werner Schaeppi dazu gegenüber Zentraplus zu Protokoll. Deshalb sei die Ja-Kampagne mit den pastellfarbenen Plakaten in Zug eher «dezent und fröhlich» dahergekommen, während die gegnerische Kampagne mit rot-schwarzen Plakaten «augenfällig» aufgetreten seien. Das improvisiert wirkende Design der Gegner habe authentisch gewirkt, gesteht der Kommunikations-Fachmann ein. Sorgen hätten die Hochhäuser mit dem Mehrverkehr bereitet.
 
Fazit: Das aktive Schweizer Stimmvolk liebt das Klotzen nicht, und auch der Auftritt vom Spezialistinnen und Spezialisten wird wohl nur in homöopathischen Dosen goutiert. Das ist angesichts des aktuell vorherrschenden Misstrauens gegenüber «den Eliten» folgerichtig. Der Frage der angemessenen Kommunikation müssen die Architekturwelt und die Baubranche deshalb ebensoviel Aufmerksamkeit schenken, wie der Frage des politisch durchsetzbaren Masstabssprungs.