Architektur im Film – Flotel Europa

Einführung durch Pascal Angehrn, Industriedesigner, Zürich

Als der Regisseur dieses Films noch ein Kind war, stand er vor dem «Flotel Europa» – und war begeistert, dass dieses riesige Schiff im Hafen von Kopenhagen fortan für ihn das neue Zuhause sein würde, zusammen mit etwa eintausend anderen Flüchtlingen aus Ex- jugoslawien. Dem Vater schickte die Familie «Videobriefe» in die alte Heimat. Bilder aus der Gemeinschaftsküche, von der fensterlosen Kabine, von den Ausflügen mit den coolen Kumpels und von einer Tanzdarbietung der unnahbaren Melisa. Durch die Montage des Materials gelingt es Vladimir Tomic, aus Privatdokumenten, die auch für die Bebilderung von Flüchtlingselend und eine ge- stohlene Kindheit herhalten könnten, etwas Neues, Eigenes, Anderes zu machen. Die Perspektivverschiebung von innen nach aussen macht «Flotel Europa» zu einem autobiografischen Film über ein Schicksal, das einen sonderbar berührt, weil es den Flüchtling aus der Opferrolle befreit – und einen schüchternen Jungen in einen sym- pathischen Filmstar verwandelt.

Weitere Vorführung: So 26. März, 11 Uhr
Eintritt 16.– / Mitglieder AFO 11.–

Foto © Vladimir Tomic Sales
Wann
21.03.2017, 20:00 - 22:00
Wo
Kinok
St. Gallen
Organisator
Architektur Forum Ostschweiz