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Vorbildlich

Inge Beckel | 13.09.2012

Die gleichnamige Stiftung vergibt alle drei Jahre den
ATU Prix. Es ist ein Preis, der an Projekte oder Werke im Kanton Bern geht, die grundsätzlich mehr sein wollen als «einfach» schöne Bauten. Vielmehr sollen sie in mehrfacher Hinsicht vorbildlich sein: im Bereich der Architektur [A], der Technik [T] sowie hinsichtlich ihrem Umgang mit der Umwelt [U]. Nicht alle Werke genügen den einzelnen Kriterien in gleicher Weise, doch behandeln alle 2012 prämierten Beispiele aktuelle Fragen bezüglich Architektur, Städtebau, ja Umweltgestaltung in der einen und anderen Art exemplarisch.


Aus 49 in diesem Jahr eingereichten Arbeiten wurden deren sechs ausgezeichnet. Es sind dies: ein Grimseltor genanntes Mehrzweckgebäude in Innertkirchen, die Sanierung des Hauptgebäudes BASPO der Hochschule in Magglingen, die Umnutzung einer Weichenbauhalle zu einem Hörsaalgebäude in Bern, ein Uferweg in Thun, das Tram Bern West sowie ein neues Tramdepot in Bern. ib

Ein Stück Zukunft für Innertkirchen

Grimseltor, Innertkirchen. Bild: Beat Kehrli

Als die Besitzer des alten Dorflädeli mit der Kunde an den Gemeindepräsidenten gelangten, sie würden altershalber bald aufhören, setzte ein längerer Prozesses zur Dorfentwicklung ein. Resultat ist das «Grimseltor», hervorgegangen aus einem Wettbewerb, dessen Jurierung öffentlich war, wobei insgesamt bis zu 100 Personen kamen (Innertkirchen zählt 915 Einwohner!). Es ist ein multifunktionales Gebäude mit neuem Lebensmittelgeschäft, Postagentur, Tourismus- und Informationszentrum und Saal. Der Bau ist ein hervorragendes Beispiel einer vorausblickenden Dorfplanung, die den Ort als wohl peripher gelegen wahrnimmt, ihn aber aktiv erhalten möchte. Alle Verantwortlichen haben damit am Fusse des Grimsel zusammen ein Stück Zukunft geschaffen.

Weiterbauen im Sinne des Erbauers in Magglingen

Sanierung Hochschule Hauptgebäude BASPO, Magglingen. Bild: Yves André

Umbau und Sanierung der 1970 fertig gestellten, in eine Hangsituation eingebetteten Anlage hat von der denkmalpflegerischen, bautechnischen und gestalterischen Haltung her Vorbildcharakter. Die durch den Architekten Max Schlup angestrebte Ordnung wurde durch die Sanierung erhalten, ja gestärkt und, wo verwischt, wieder sichtbar gemacht.

Haus im Haus in Bern

Hörsaalgebäude Weichenbauhalle, Bern. Bild: Walter Mair

Die Industriehalle wurde 1914 von der Firma von Roll erbaut. Mit der Wahl des Raumprinzips vom Haus im Haus und der Bildung eines Zwischenraumes mit reduzierten klimatischen Anforderungen konnten differenzierte Zonen gebildet werden. Gleichzeitig wurde dem Anspruch der Denkmalpflege auf integralen Erhalt der Hülle Genüge getan.

Würdige Bescheidenheit in Thun

Uferweg Bahnhof-Schadau, Thun. Bild: Kasimir Lohner

Ein schönes Stück Landschaft war lange Jahre «vergessen», da es der Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Nunmehr erobert der wieder allen offene Weg das Gebiet zurück und schliesst eine wichtige Lücke im Ufer- und Wanderwegnetz des Thuner Seebeckens. Der Weg bezieht sich in würdiger Bescheidenheit nicht auf sich selbst, sondern inszeniert die Brüche und Widersprüche einer Stadt im Wandel.

Mobilität über öffentlichen Verkehr abdecken

Tram Bern West, Bern. Bild: Metron

Besonders in städtischen Agglomerationen gilt es, die Mobilität der Menschen primär über öffentliche Verkehrsmittel abzudecken. Das Tram ist entsprechend eine wichtige Infrastrukturbaute. 6,8 Kilometer Gleislänge und 19 Haltestellen stehen für ein derartiges Projekt.

Konstruktiv-räumliches Meisterwerk in Bern

Tramdepot Bernmobil, Bern. Bild: Dominique Uldry

Das neue Tramdepot ist ein konstruktiv-räumliches Meisterwerk, denn den Verfassern ist es in eindrücklicher Art und Weise gelungen, aus der Logik von Tragstruktur und Konstruktion eine räumlich klar lesbare Sprache zu entwickeln.

Die Preisverleihung findet heute, 13. September, um 19h im Kornhausforum Bern statt; vorgängig um 17h ist die Tagung «Zukunftsfähig? Perspektiven für die gebaute Umwelt».
Die Ausstellung der Arbeiten dauert von Freitag, 14. September, 12h bis 17h, bis und mit Samstag & Sonntag, 15./16. September, jeweils von 11h bis 17h; sie ist zu sehen im Stadtsaal des Kornhausforums in Bern.
 
Grimseltor, Innertkirchen
Auftraggebende: Grimseltor AG, Innertkirchen / Autorenschaft: Architektur: Gschwind Architekten, Basel; Bauleitung: Beat Schäfer, Innertkirchen; Bauingenieur: ESP Ernst Samuel Pulver, Meiringen; Haustechnik: Herrmann & Partner, Basel / Fertigstellung: 2012; Adresse: Grimselstrasse 2, Innertkirchen

Sanierung Hochschule Hauptgebäude BASPO, Magglingen
Auftraggebende: Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, Bern / Autorenschaft: Architektur/Generalplanung: spaceshop Architekten und Planer GmbH, Biel; Bauingenieur: Tschopp Ingenieure GmbH, Bern; Bauleitung GmbH, Biel; Fassadenplanung: Sutter + Weidner, Biel / Fertigstellung: 2010; Adresse: Hauptstrasse 247, Magglingen

Hörsaalgebäude Weichenbauhalle, Bern
Auftraggebende: Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern, Bern / Autorenschaft: Architektur: giuliani.hönger ag, Zürich; Bauingenieur: Dr. Joseph Schwartz Consulting, Zug; Gebäudetechnik: Amstein + Walthert AG, Bern; Landschaftsarchitektur: Hager Landschaftsarchitektur, Zürich; Holzbauingenieur Walter Bieler AG, Bonaduz / Fertigstellung: 2010; Adresse: Fabrikstrasse 6, Bern

Uferweg Bahnhof-Schadau, Thun
Auftraggebende: Tiefbauamt Stadt Thun, Thun / Autorenschaft: Architektur: Lohner + Partner Planung Beratung Architektur GmbH, Thun; Ingenieur: B+S AG, Bern & Thun / Fertigstellung: 2011; Adresse: Uferweg Bahnhof-Schadau Thun, Thun

Tram Bern West, Bern
Auftraggebende: Tram Bern West AG / Autorenschaft: Gesamtprojektleitung: TBF + Partner AG, Zürich; Koordination Gestaltung: Hans Peter Liechti; Gleisbau: Basler & Hofmann, Zürich, Bernmobil, Bern / Fertigstellung: 2010; Adresse: Linie 7 Hst. Brunnmatt bis Bümpliz; Linie 8 Hst. Brunnmatt bis Brünnen

Tramdepot Bernmobil, Bern
Auftraggebende: Bernmobil, Bern; Bauherrenbegleitung: TBF + Partner, Zürich / Autorenschaft: Generalplanung, Architektur und Bauingenieur: Penzel Valier AG, Zürich; Gleisbau: Basler & Hofmann, Zürich, Bernmobil, Bern; Landschaftsarchitektur: Raymond Vogel Landschaften, Zürich / Fertigstellung: 2011; Adresse: Bolligenstrasse 62-68, Bern

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Bild: jk
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