Japanischer Garten führt zu japanisch inspiriertem Haus

Fuhrimann Hächler Architekten haben kürzlich ein Einfamilienhaus in Küsnacht fertiggestellt. Gabrielle Hächler wählt drei Zeichnungen und sieben Fotos und beantwortet unsere sieben Fragen.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Der Neubau liegt mitten in einem beliebten Wohnquartier in Küsnacht bei Zürich und wurde nach dem Abbruch eines Doppelwohnhauses in zwei Etappen erstellt. Der bestehende, japanisch inspirierte Garten (Entwurf Gartenarchitekt Walter Leder, 60er Jahre) sollte möglichst erhalten oder im gleichen Geist rekonstruiert und erweitert werden und wurde zum wichtigsten Ausgangspunkt für den architektonischen Entwurf. Das Haus sollte einen gartenpavillonartigen Charakter bekommen, also Bestandteil einer übergreifenden Gartenkonzeption werden, die die Wiederherstellung des japanischen Gartens mit japanischen Pflanzen, Wegen, Plätzen, inklusive Gartenteich mit Seerosen und typischer Brücke, beinhaltet. Der Neubau besteht aus einer unterirdischen Garage mit vier Stellplätzen, zwei Wohngeschossen und einem Dachgeschoss mit einem später geplanten Ausbau als Fitness und Spa-Bereich. Über einen innenliegenden Kern werden alle Geschosse erschlossen.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Der japanische Garten generierte ein von der traditionellen japanischen Architektur inspiriertes Haus, jedoch in zeitgenösschische Architektur übersetzt. Durch Niveauunterschiede, unterschiedliche Raumhöhen, Durchblicke und Rundläufe verschmilzt japanische Leichtigkeit mit schweizerischer Robustheit und zeitgemässem Wohnkomfort. Die projektierten Versprünge in den Raumhöhen (Erd- und Obergeschoss) erzeugen unterschiedliche Raumzonen und ein spannendes Raumerlebnis. Edel verarbeitete Sperrholzvertäfelungen und Fensterrahmen aus Lärche, sowie von der Villa Katsura (Residenz des japanischen Kaisers in Kyoto, 17. Jahrhundert) inspirierte, farbig lackierte Einbauten, führen auf zeitgemässe Weise den japanischen Garten auch in der Architetkur im Innern fort. Die reliefartige Fassade und aufgesetzte Sonnenstoren unterstreichen die horizontale Schichtung und verleihen dem Haus den pavillonartigen Charakter.
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Das Ziel war, das Haus auf zurückhaltende Weise in das ruhige Wohnquartier zu integrieren. Die sorgfältig erweiterte Bepflanzung schützt vor Einblicken und erweitert so den Wohnraum nach aussen. Zwei Terrassen erweitern auch in den oberen Geschossen den Wohnraum, was die abgestufte, skulpturale Volumetrie generierte und eine nicht monumentale Masstäblickeit ermöglichte. In den oberen Geschossen profitiert man vom Blick in den japanischen Garten, aber auch auf den Zürichsee und die umliegenden Berge.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die Bauherrschaft liess uns viel Freiheit und vertraute unseren Entscheidungen. Trotzdem ist das Haus massgeschneidert und wiederspiegelt die darin wohnenden Persönlichkeiten. Unser Ziel ist, dass sich die Bewohner in unserer Architektur wohlfühlen und sich damit identifizieren können. Der vorhandene japanische Garten war eine kultivierte Ausgangslage, die uns sehr zusagte.
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Das Projekt entwickelte sich in zwei Phasen. Das Wohnhaus war ursprünglich ein Ersatzbau der einen Hälfte eines Doppelwohnhauses. Als der Rohbau fertig war, konnte das Nachbarhaus erworben, und das zusätzliche Hallenbad und der Spabereich geplant werden. Dies erwies sich als absoluter Glücksfall, da dadurch ein stimmiges Ensemble mit angemessenem Umschwung realisiert werden konnte.
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Es ist unser erster Neubau eines Wohnhauses im gehobenen Segment. Wir konnten unsere komplexen räumlichen Architekturvorstellungen, die wir vorher in Low-Budget-Projekten entwickelt haben, mit einem hohen qualitativen Ausbaustandard umsetzen. Das Materialisierungskonzept wiederspiegelt dennoch die Vorliebe für natürliche, unprätentiöse Materialien mit Verarbeitungsspuren und Patina, was auch ein zentrales Motiv der traditionell japanischen Architetkur ist.

Die gewählten Materialien sind gängige, unveredelte Baumaterialien wie Beton, Holz und Alu. Der roh belassene Beton, in Kombiantion mit Valsergranit im Hallenbad und in den Bädern, kam dem Wunsch nach dauerhafter Materialisierung nach. Dort wo es der heutige Komfort erfordert, wurden leicht zu reinigende Oberflächen wie Corian und Naturstein eingesetzt.
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Der schön verarbeitete Ortbeton als hauptsächlich verwendetes Baumaterial, in Kombination mit den verschiedenen Holzarten, prägt die einmalige atmosphärische Stimmung des «Gartenhauses». Als Betonoberfläche wurde bewusst kein Sichtbeton Typ 4 gewünscht, sondern ein handwerklich erstellter «sichtbarer Beton» mit sauberer Schalung Typ 2 (im Untergeschoss Typ 1), Schalung Typ «Raschal», der nicht über die typischen Rundlöcher, sondern über diskretere Schlitze verfügt, die der Wand einen archaischeren Ausdruck verleihen.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Situation
Grundriss
Schnitt
Wohnhaus in Küsnacht
2012

Küsnacht ZH

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
Privat

Architektur und Bauleitung
Andreas Fuhrimann, Gabrielle Hächler Architekten ETH BSA SIA AG, Zürich
Projektleitung: Marion Clauss

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Langsdorff Kultivierte Gärten GmbH, Rüti

Fotos
Valentin Jeck, Uerikon bei Zürich