Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft

:mlzd haben kürzlich einen Museumsausbau in Rapperswil-Jona fertiggestellt. Andreas Frank wählt vier Zeichnungen und drei Fotos und beantwortet unsere fünf Fragen.
Aussenansicht
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Besondere liegt in der widersprüchlichen Anforderung ein Bauwerk maximal in den Ort zu integrieren und es gleichzeitig - auf Grund seiner Bedeutung - aus dieser Umgebung hervorzuheben. Unsere Reaktion darauf fiel dialektisch aus: Wir behielten immer einige Parameter des Bestands bei, veränderten andere aber radikal. Ein Beispiel: Der Neubau übernimmt die städtebauliche Zurückgezogenheit des Vorgängerbaus mit seiner zur Umgebung verringerten Höhe und seiner zurückversetzten Lage in der Strasse. Gleichzeitig hat er aber eine Hülle, die in ihrer Form, in ihrem Material und in ihrer Massstabslosigkeit den Bestand auf den ersten Blick maximal kontrastiert.
Das Gebäude sollte in die Vergangenheit und in die Zukunft weisen. Das Abwägen, welche Faktoren zu verändern und welche beizubehalten sind, war daher das Besondere an der Aufgabe.
Lageplan
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Der Ort ist hier alles. Bereits die Gebäudeform ergibt sich aus den Fassaden der bestehenden, zum Museum gehörenden Nachbargebäuden. Viele gestalterische Fragen wurden im Sinne eines Dialogs mit dem Bestand gelöst. Gerade der Kontrast und das gleichzeitig respektvolle Aufeinandertreffen mit der Substanz haben viele entwurfliche Entscheidungen erleichtert. Am Ende gewinnen beide, Alt und Neu. Ich bin überzeugt, dass beispielsweise die gotischen Portale, die zwischen Janus und den Bestandsgebäuden verbinden, zukünftig viel mehr beachtet werden als früher. Denn heute sind sie durch die grossflächig verglasten Brandschutztüren kostbar gefasst wie in Vitrinen. Der Kontrast lädt die Atmosphäre auf und lehrt uns Dinge neu zu sehen.
Treppenraum
Dachgeschoss
Inwiefern haben die Bauträgerschaft oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Sie haben ihn erst möglich gemacht, weil sie Vorschussvertrauen geben konnten und an uns und unseren Entwurf geglaubt haben. Die späteren Nutzer sind doch die Bürgerinnen und Bürger von Rapperswil-Jona. Mit ihrem entschlossenen Votum zum Baukredit haben sie am Ende aller Diskussionen ein Zeichen gesetzt und uns die Ausführung anvertraut. Dieses an-«VERTRAUEN» seitens der Bauträgerschaft, der Ortsgemeinde Rapperswil-Jona, war immer spürbar. Es hat die Entwicklung und Ausführung zu einem konstruktiven Dialog werden lassen - aus meiner Sicht eines der wichtigsten Kriterien für das Gelingen eines Projekts.
Erdgeschoss
Querschnitt
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Eigentlich nicht. Die Lücke für den Neubau war ja sehr klein. Da die Seitenfassaden die Geometrie unseres Entwurfs ergeben, konnte daran eigentlich nichts geändert werden. Während des Entwurfs im Wettbewerb war lange nicht klar, ob es überhaupt gelingen würde alle räumlichen Bedingungen wie Liftgrössen und Überfahrt, genügend grosse Durchgangsbreiten für ein Fluchttreppenhaus, ausreichend Kopffreiheit usw. gewährleisten zu können. In der Durchführung waren wir dann froh, dass wir im Wettbewerb genau studiert hatten.
Form-Entstehung
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Das verwendete Fassadenmaterial ist eine Verbundplatte, deren Aussenseiten mit Baubronze belegt sind. Solche Sandwichplatten sind in sich steif und eignen sich daher für das Erstellen von planen Flächen, deren Ausdruck sehr präzise sein muss. Baubronze ist eine etwas irreführende Bezeichnung für eine Kupfer-Zink-Legierung, eigentlich Messing. Sein gelb-goldener Farbton passt in die umgebenden Gelbtöne der Mauerwerke. Der anfängliche Glanz wird durch die bereits einsetzende Oxidation der Oberfläche zurückgehen, die Haut wird sich mehr und mehr den dunkelbraunen Dachflächen der Umgebung angleichen. Wir wollten eine Fassade erstellen, die würdevoll altert - und dies wiederum ist eine Qualität, die den Neubau mit den Gebäuden der Altstadt verbindet.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Aussenansicht



janus – Sanierung und Ausbau Stadtmuseum Rapperswil-Jona
2011

Rapperswil-Jona SG

Auftragsart
Wettbewerb

Bauherrschaft
Ortsgemeinde Rapperswil-Jona

Architektur
:mlzd, Biel
Pat Tanner, Andreas Frank, Monica Udrea, Daniele Di Giacinto, Carol Hutmacher, Claude Marbach, Roman Lehmann, Regina Tadorian, Réne Robeck, Julia Wurst, Beat Junker, Frederike Kluth

Fachplaner
Baumanagement: Vollenweider Baurealisationen, Zürich
Bauingenieur: Tschopp Ingenieure GmbH, Bern
HLKK-Planer: IBMM, Biel
Sanitärplaner: Inäbnit Ingenieurbüro, Bern
Elektroplaner: R + B engineering ag, Brugg
Lichtplaner: Mettler + Partner AG, Zürich
Fassadenplaner: Sutter + Weidner Fassadenplanung, Biel
Bauphysiker: Gartenmann Engineering AG, Bern
Ausstellungsgestalter: raumprodukt gmbh, Zürich
Ausstellungsberater: Andreas Fiedler, Bern
Architekturhistoriker: Christoph Schläppi, Bern

Bauleitung
Vollenweider Baurealisationen, Zürich

Gesamtkosten BKP 1-9
5'000'000.-

Gebäudekosten BKP 2
4'000'000.-

Energiestandard
Nach Energiegesetz

Fotos
Dominique Marc Wehrli, Regensdorf