huggenbergerfries haben kürzlich ein Zentrum für Alterspsychiatrie in Pfäfers fertiggestellt. Lukas Huggenberger wählt zwei Zeichnungen und zwei Fotos und beantwortet unsere vier Fragen.
Ausschnitt Fassade
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?
Die Fassade ist aus einem hellen Klinkerstein, der speziell für dieses Gebäude entwickelt und zu einer geflochtenen Struktur vermauert wurde. Das Gebäude bildet so ein Bindeglied zwischen den gemauerten Fassaden des Klosters und den Schindelverkleidungen der Holzhäuser im Dorf Pfäfers. Um die Anforderungen der Psychiatrie zu erfüllen, wurden Aussicht und Lufteinfall in zwei unterschiedlichen Elementen nebeneinander gelöst. Was normalerweise zusammen in einem Element funktioniert, ist bei diesem Gebäude konsequent getrennt, denn alle öffenbaren Fensterflügel, Loggien und Dachterrassen müssen eine raumhohe Absturzsicherung haben - diese wurde aus der Fassade heraus entwickelt, damit sie nicht als Vergitterung erscheint. Die Vorbilder dafür kommen aus der profanen Architektur von Ställen und Scheunen, wo räumlich trennende Elemente, die aber die Luft mit speziell vermauerten Backsteinen durchlassen, häufig vorkommen.
Die Fassade ist aus einem hellen Klinkerstein, der speziell für dieses Gebäude entwickelt und zu einer geflochtenen Struktur vermauert wurde. Das Gebäude bildet so ein Bindeglied zwischen den gemauerten Fassaden des Klosters und den Schindelverkleidungen der Holzhäuser im Dorf Pfäfers. Um die Anforderungen der Psychiatrie zu erfüllen, wurden Aussicht und Lufteinfall in zwei unterschiedlichen Elementen nebeneinander gelöst. Was normalerweise zusammen in einem Element funktioniert, ist bei diesem Gebäude konsequent getrennt, denn alle öffenbaren Fensterflügel, Loggien und Dachterrassen müssen eine raumhohe Absturzsicherung haben - diese wurde aus der Fassade heraus entwickelt, damit sie nicht als Vergitterung erscheint. Die Vorbilder dafür kommen aus der profanen Architektur von Ställen und Scheunen, wo räumlich trennende Elemente, die aber die Luft mit speziell vermauerten Backsteinen durchlassen, häufig vorkommen.
Situation
Wie würden Sie den durchlaufenen Entwurfsvorgang beschreiben?
Die Grundkonzeption ist aus den spezifischen Bedürfnissen der Gerontopsychiatire heraus entwickelt. Diese hat sich nach dem Wettbewerb beinahe nicht mehr verändert: Die Stationen sind um den Innenhof angeordnet, welcher Licht in die Erschliessungsbereiche bringt und zugleich Bewegungs- und Begegnungsraum bietet - ein Rundlauf mit vielfältigen räumlichen Querbezügen. Dieser Umgang bietet dementen Patienten eine unbegrenzte Bewegungsfreiheit. Dabei kann man sich - je nach Bedürfnis - entweder treffen oder einander aus dem Weg gehen. Gleichzeitig wirkt die Verwandtschaft des Umgangs mit dem Kreuzgang des Klosters identitätsstiftend. Das Stationszimmer im Zentrum - gleich neben dem Eingang - hat den diskreten Überblick über das Geschehen. Küche und Esszimmer liegen dem Stationszimmer gegenüber und richten sich zum Hof. In den Gebäudeecken befinden sich die Wohnbereiche mit den Aussenräumen. Jedes der Doppelzimmer ist konsequent längs zur Fassade orientiert. So sind die Zimmer hell und jeder Patient hat das Bett in Fensternähe. Ein grosses Aussichtsfenster in der Mitte rahmt die Landschaft. Zwei seitlich dazu angeordnete Lüftungsflügel ermöglichen den beiden im Zimmer wohnenden Patienten separat zu lüften.
Die Grundkonzeption ist aus den spezifischen Bedürfnissen der Gerontopsychiatire heraus entwickelt. Diese hat sich nach dem Wettbewerb beinahe nicht mehr verändert: Die Stationen sind um den Innenhof angeordnet, welcher Licht in die Erschliessungsbereiche bringt und zugleich Bewegungs- und Begegnungsraum bietet - ein Rundlauf mit vielfältigen räumlichen Querbezügen. Dieser Umgang bietet dementen Patienten eine unbegrenzte Bewegungsfreiheit. Dabei kann man sich - je nach Bedürfnis - entweder treffen oder einander aus dem Weg gehen. Gleichzeitig wirkt die Verwandtschaft des Umgangs mit dem Kreuzgang des Klosters identitätsstiftend. Das Stationszimmer im Zentrum - gleich neben dem Eingang - hat den diskreten Überblick über das Geschehen. Küche und Esszimmer liegen dem Stationszimmer gegenüber und richten sich zum Hof. In den Gebäudeecken befinden sich die Wohnbereiche mit den Aussenräumen. Jedes der Doppelzimmer ist konsequent längs zur Fassade orientiert. So sind die Zimmer hell und jeder Patient hat das Bett in Fensternähe. Ein grosses Aussichtsfenster in der Mitte rahmt die Landschaft. Zwei seitlich dazu angeordnete Lüftungsflügel ermöglichen den beiden im Zimmer wohnenden Patienten separat zu lüften.
Umgang um Innenhof
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Die Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers hat sich aus dem markant gelegenen Kloster St. Pirminsberg heraus entwickelt. Das Kloster mit seiner Kirche ist an der Hangkante über dem Rheintal von weit her aus der Bündner Herrschaft sichtbar. Die Klosteranlage empfängt den Besucher am Anfang des Dorfes Pfäfers nach der Anfahrt auf der gewundenen Strasse aus dem Tal. Der Neubau des Zentrums für Alterspsychiatrie ist am Ort des ehemaligen Karpfenteichs des Klosters platziert. Er schliesst das Ensemble von Kloster, Klinikneubau und Torkelgebäude ab und bildet ein räumliches vis-à-vis zum Kloster - damit wird das Areal im Sinne eines Klinik-Campus gestärkt.
Der dreigeschossige Baukörper schmiegt sich in die Topographie und bildet zusammen mit den erweiterten Stützmauern die Aussenräume. Das Gebäude ist in drei Flügel gegliedert, die sich jeweils um einen Innenhof organisieren. Vor- und Rücksprünge strukturieren die Fassade und brechen deren Länge. So kann ein kontinuierlicher Übergang von der grossmassstäblichen Bebauung des Klinikareals zur kleinteiligen Struktur des Dorfes geschaffen werden. Die Bepflanzung hilft zusätzlich das Gebäude in der Ansicht zu segmentieren.
Die Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers hat sich aus dem markant gelegenen Kloster St. Pirminsberg heraus entwickelt. Das Kloster mit seiner Kirche ist an der Hangkante über dem Rheintal von weit her aus der Bündner Herrschaft sichtbar. Die Klosteranlage empfängt den Besucher am Anfang des Dorfes Pfäfers nach der Anfahrt auf der gewundenen Strasse aus dem Tal. Der Neubau des Zentrums für Alterspsychiatrie ist am Ort des ehemaligen Karpfenteichs des Klosters platziert. Er schliesst das Ensemble von Kloster, Klinikneubau und Torkelgebäude ab und bildet ein räumliches vis-à-vis zum Kloster - damit wird das Areal im Sinne eines Klinik-Campus gestärkt.
Der dreigeschossige Baukörper schmiegt sich in die Topographie und bildet zusammen mit den erweiterten Stützmauern die Aussenräume. Das Gebäude ist in drei Flügel gegliedert, die sich jeweils um einen Innenhof organisieren. Vor- und Rücksprünge strukturieren die Fassade und brechen deren Länge. So kann ein kontinuierlicher Übergang von der grossmassstäblichen Bebauung des Klinikareals zur kleinteiligen Struktur des Dorfes geschaffen werden. Die Bepflanzung hilft zusätzlich das Gebäude in der Ansicht zu segmentieren.
Grundriss 1. Obergeschoss
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?
Wichtiger Ausgangspunkt für die Materialisierung war die Nutzung als Psychiatrie. Das Ziel war ein stimmiges Ensemble von verschiedenen Materialien zu kreieren, das über seine Sinnlichkeit auf die PatientInnen positiv wirkt. Bei der Wahl der Materialien wurde besonders darauf geachtet, dass die Materialen in ihrer Natürlichkeit eingesetzt werden - wohlbekanntes wie Backstein für die Fassade, Holzverkleidung für die allgemeinen Aufenthaltsbereiche, Steinboden im Korridorbereich – alles sinnliche Materialien, die durch Berühren, Riechen, Sehen beim Patienten behagliche Gefühle auslösen.
Wichtiger Ausgangspunkt für die Materialisierung war die Nutzung als Psychiatrie. Das Ziel war ein stimmiges Ensemble von verschiedenen Materialien zu kreieren, das über seine Sinnlichkeit auf die PatientInnen positiv wirkt. Bei der Wahl der Materialien wurde besonders darauf geachtet, dass die Materialen in ihrer Natürlichkeit eingesetzt werden - wohlbekanntes wie Backstein für die Fassade, Holzverkleidung für die allgemeinen Aufenthaltsbereiche, Steinboden im Korridorbereich – alles sinnliche Materialien, die durch Berühren, Riechen, Sehen beim Patienten behagliche Gefühle auslösen.
Querschnitt durch Hof
Wie ist das Verhältnis des Entwurfs zum vollendeten Bauwerk? Gab es bedeutende Projektänderungen oder veränderte ein Lernprozess das architektonische Ziel?
Zwei Aspekte haben die Fassadengestaltung wesentlich beeinflusst. Für den Wettbewerbsvorschlag wurde eine Fassade in Holzschindeln aus dem Kontext heraus entwickelt. Bei der weiteren Bearbeitung wurde jedoch schnell klar, dass eine Holzfassade aus feuerpolizeilichen Gründen nicht möglich ist - einerseits wurden neue Brandschutzvorschriften in Kraft gesetzt und andererseits stufte man das Gebäude entgegen früherer Annahmen nicht als Wohnbau, sondern als Spitalbau ein. Zum Zweiten wurde die Forderung nach einer raumhohen Absturzsicherung bei allen öffenbaren Elementen erst mit einer weiteren Zusammenarbeit mit den Nutzern klar. Unsere Recherche bei bestehenden Psychiatriebauten brachte keine befriedigende Lösung hervor, so wurde aus der Schindelfassade eine Fassade in Klinkerelementen, welche am Ende des Prozesses wieder die angestrebte textile Struktur der ursprünglichen Idee aufweist.
Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Mailen Sie uns bitte Bau der Woche Projektvorschläge hier.
Zwei Aspekte haben die Fassadengestaltung wesentlich beeinflusst. Für den Wettbewerbsvorschlag wurde eine Fassade in Holzschindeln aus dem Kontext heraus entwickelt. Bei der weiteren Bearbeitung wurde jedoch schnell klar, dass eine Holzfassade aus feuerpolizeilichen Gründen nicht möglich ist - einerseits wurden neue Brandschutzvorschriften in Kraft gesetzt und andererseits stufte man das Gebäude entgegen früherer Annahmen nicht als Wohnbau, sondern als Spitalbau ein. Zum Zweiten wurde die Forderung nach einer raumhohen Absturzsicherung bei allen öffenbaren Elementen erst mit einer weiteren Zusammenarbeit mit den Nutzern klar. Unsere Recherche bei bestehenden Psychiatriebauten brachte keine befriedigende Lösung hervor, so wurde aus der Schindelfassade eine Fassade in Klinkerelementen, welche am Ende des Prozesses wieder die angestrebte textile Struktur der ursprünglichen Idee aufweist.
Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Mailen Sie uns bitte Bau der Woche Projektvorschläge hier.
Zentrum für Alterspsychiatrie, Klinik St. Pirminsberg
2010
Pfäfers SG
Bauherrschaft
Amt für Hochbauten Kanton St. Gallen
Auftragserteilung
offener Wettbewerb
Architektur
huggenbergerfries, Architekten AG ETH SIA, Zürich
Carlo Zuercher (Projektleiter), Daniela Ziltener, Sabine Albrecht, Stephan Isler, Beata Kunert, Agnes Lörincz, Peter Reichenbach, Bettina Scheid, Pierre Schild
Fachplaner
Statik: Wepf Ingenieure, St. Gallen, Switzerland
HLKK: A-Z Planung AG, Diepoldsau, Switzerland
Sanitär: Kempter + Partner AG, St. Gallen
Elektro: Marquart AG, Buschs SG
Bauphysik: Stadlin Bautechnologie, Buchs SG
MSRL: Boxler MSRL, Jona SG
Landschaft: koepflipartner GmbH, Landschaftsarchitekten BSLA, Luzern
Bauleitung
Walter Dietsche Baumanagement AG, Chur, GR
Kunst-am-Bau
Jan Käser, St. Gallen
Wortinterventionen in und um Höfe
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Entwicklung und Bau Fassade: Keller AG Ziegeleien, Pfungen, ZH
Gebäudekosten BKP 2
CHF 25 Mio
Gebäudevolumen
28'740 m3 SIA 416
Kubikmeterpreis
870 CHF/m3
Energiestandard
Minergie
Fotos
Beat Bühler, Zürich
2010
Pfäfers SG
Bauherrschaft
Amt für Hochbauten Kanton St. Gallen
Auftragserteilung
offener Wettbewerb
Architektur
huggenbergerfries, Architekten AG ETH SIA, Zürich
Carlo Zuercher (Projektleiter), Daniela Ziltener, Sabine Albrecht, Stephan Isler, Beata Kunert, Agnes Lörincz, Peter Reichenbach, Bettina Scheid, Pierre Schild
Fachplaner
Statik: Wepf Ingenieure, St. Gallen, Switzerland
HLKK: A-Z Planung AG, Diepoldsau, Switzerland
Sanitär: Kempter + Partner AG, St. Gallen
Elektro: Marquart AG, Buschs SG
Bauphysik: Stadlin Bautechnologie, Buchs SG
MSRL: Boxler MSRL, Jona SG
Landschaft: koepflipartner GmbH, Landschaftsarchitekten BSLA, Luzern
Bauleitung
Walter Dietsche Baumanagement AG, Chur, GR
Kunst-am-Bau
Jan Käser, St. Gallen
Wortinterventionen in und um Höfe
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Entwicklung und Bau Fassade: Keller AG Ziegeleien, Pfungen, ZH
Gebäudekosten BKP 2
CHF 25 Mio
Gebäudevolumen
28'740 m3 SIA 416
Kubikmeterpreis
870 CHF/m3
Energiestandard
Minergie
Fotos
Beat Bühler, Zürich
Jobs
Metron Raumentwicklung AG, Brugg
i sensi
Marina Panisi, Fribourg
Marina Panisi, Fribourg
Weiss & Schmid
Architekten HTL/ETH/SIA, Winterthur
Architekten HTL/ETH/SIA, Winterthur
Cubus Architektur GmbH, Zürich
Cubus Architektur GmbH, Zürich






