Lengacher Emmenegger haben kürzlich eine Überbauung in Ballwil fertiggestellt. Hansjörg Emmenegger wählt zwei Zeichnungen und vier Fotos und beantwortet unsere fünf Fragen.
Neubauten
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?
Die komplexen Anforderungen an die Planung: Die denkmalgeschützten Bauten sollten so mit Neubauten ergänzt werden, dass wieder ein Begegnungsort entsteht, der sowohl der Öffentlichkeit dient als auch eine gewisse Privatheit für die zukünftigen BewohnerInnen hat. Die zulässige Ausnützung sollte ausgeschöpft werden, als mögliche Nutzungen waren vor allem Wohnungen, aber auch Arbeitsplätze und Kulturräume einzuplanen. Zudem mussten die beiden grossen Bäume erhalten werden, sowie kostengünstig und ökologisch gebaut werden.
Die komplexen Anforderungen an die Planung: Die denkmalgeschützten Bauten sollten so mit Neubauten ergänzt werden, dass wieder ein Begegnungsort entsteht, der sowohl der Öffentlichkeit dient als auch eine gewisse Privatheit für die zukünftigen BewohnerInnen hat. Die zulässige Ausnützung sollte ausgeschöpft werden, als mögliche Nutzungen waren vor allem Wohnungen, aber auch Arbeitsplätze und Kulturräume einzuplanen. Zudem mussten die beiden grossen Bäume erhalten werden, sowie kostengünstig und ökologisch gebaut werden.
Situation
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Der Margrethenhof ist schon lange kein Bauernhof mehr. Als wir 2004 das erste Mal hier waren, war das alte Bauernhaus unbewohnt und notdürftig vor weiterem Zerfall geschützt, der kleine Stall und der Spycher waren schon stark angegriffen. Durch den Abbruch der baufälligen grossen Scheune hatte der Margrethenplatz seine räumliche Begrenzung verloren, war halb Platz, Parkplatz, Wiese, zugig und offen bis zu den Gewerbebauten im Westen. Mit der Nähe zu Kirche, Friedhof, Aussegnungshalle, Pfarrhaus wurde er von der Bevölkerung aber nach wie vor als Ort der Begegnung wahrgenommen und für kulturelle und rituelle Veranstaltungen genutzt. Deshalb wollten wir den Margrethenplatz als Platz wieder herstellen und die Stellung des Bauernhauses Margrethenhof als wichtigstes Gebäude des neuen Ensembles stärken. Die bestehenden Gebäude auf der einen und die neuen Gebäude auf der anderen Seite sollten zusammen diesen dörflichen Aussenraum bilden und zu einem Ensemble, zu einem neuen Ganzen zusammenwachsen. Geometrisch einfache, rechteckige Volumen erwiesen sich in den Modellstudien als zu sperrig gegenüber den weichen, barocken Formen der bestehenden Gebäude. So entstanden die polygonalen Volumen, mit denen präziser auf die Situation reagiert werden konnte.
Der Margrethenhof ist schon lange kein Bauernhof mehr. Als wir 2004 das erste Mal hier waren, war das alte Bauernhaus unbewohnt und notdürftig vor weiterem Zerfall geschützt, der kleine Stall und der Spycher waren schon stark angegriffen. Durch den Abbruch der baufälligen grossen Scheune hatte der Margrethenplatz seine räumliche Begrenzung verloren, war halb Platz, Parkplatz, Wiese, zugig und offen bis zu den Gewerbebauten im Westen. Mit der Nähe zu Kirche, Friedhof, Aussegnungshalle, Pfarrhaus wurde er von der Bevölkerung aber nach wie vor als Ort der Begegnung wahrgenommen und für kulturelle und rituelle Veranstaltungen genutzt. Deshalb wollten wir den Margrethenplatz als Platz wieder herstellen und die Stellung des Bauernhauses Margrethenhof als wichtigstes Gebäude des neuen Ensembles stärken. Die bestehenden Gebäude auf der einen und die neuen Gebäude auf der anderen Seite sollten zusammen diesen dörflichen Aussenraum bilden und zu einem Ensemble, zu einem neuen Ganzen zusammenwachsen. Geometrisch einfache, rechteckige Volumen erwiesen sich in den Modellstudien als zu sperrig gegenüber den weichen, barocken Formen der bestehenden Gebäude. So entstanden die polygonalen Volumen, mit denen präziser auf die Situation reagiert werden konnte.
Loggia
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?
In diesem Projekt stellte sich eine typische auftretende Frage wie in vielen Landgemeinden: Was lässt sich mit den Resten bäuerlicher Bautradition machen, die bei Verdichtungen oder Neueinzonungen in Neubaugebiete geraten und nicht mehr dem Bild einer sich entwickelnden Gemeinde entsprechen. Oft steht der abgenutzte Zustand der Bauten dem Interesse der Investoren entgegen, die sich damit wenig auskennen und die unsicheren Kosteneinschätzungen und aufwendigen Renovationsarbeiten nicht in Kauf nehmen wollen. Beim Margrethenhof hat die Bauträgerschaft von Anfang an das Potential des Zusammenspiels von Alt und Neu erkannt. So ist nicht eine beliebige ländliche Siedlung entstanden, die den Namen eines früheren Landwirtschaftsbetriebs trägt, sondern die Anbindung an die Dorfgeschichte ist erlebbar und gibt dem neuen Ensemble seine ganz spezielle Atmosphäre.
In diesem Projekt stellte sich eine typische auftretende Frage wie in vielen Landgemeinden: Was lässt sich mit den Resten bäuerlicher Bautradition machen, die bei Verdichtungen oder Neueinzonungen in Neubaugebiete geraten und nicht mehr dem Bild einer sich entwickelnden Gemeinde entsprechen. Oft steht der abgenutzte Zustand der Bauten dem Interesse der Investoren entgegen, die sich damit wenig auskennen und die unsicheren Kosteneinschätzungen und aufwendigen Renovationsarbeiten nicht in Kauf nehmen wollen. Beim Margrethenhof hat die Bauträgerschaft von Anfang an das Potential des Zusammenspiels von Alt und Neu erkannt. So ist nicht eine beliebige ländliche Siedlung entstanden, die den Namen eines früheren Landwirtschaftsbetriebs trägt, sondern die Anbindung an die Dorfgeschichte ist erlebbar und gibt dem neuen Ensemble seine ganz spezielle Atmosphäre.
Grundriss Erdgeschoss
Wie ist das Verhältnis des Entwurfs zum vollendeten Bauwerk? Gab es bedeutende Projektänderungen oder veränderte ein Lernprozess das architektonische Ziel?
Wegen einem aufwändigen Bewilligungsverfahren - es brauchte eine Zonenplanänderung und einen neuen Bebauungsplan - und einer Einsprache bis vors Bundesgericht konnte erst über fünf Jahre nach dem Wettbewerb mit dem Bauen begonnen werden. In einem halben Jahrzehnt können sich die Möglichkeiten und Randbedingungen in Planung und Architektur stark verändern und ältere Ideen überholt aussehen lassen. Bei Wiederbeginn der Planungsarbeiten waren wir sehr gespannt, welche Planungsbestandteile sich für die Ausführungsplanung übernehmen liessen und welche grundsätzlich zu überarbeiten waren.
Das im Wettbewerb entstandene Bild des Margrethenplatzes mit den zwei neuen Volumen hat sich halten können. Die leicht geknickten Volumen mit der seriellen Anordnung der nur wenig variierten Fensteröffnungen, die Betonung der Eingänge mit Volumeneinzügen und die dunklere, in horizontale Bänder geschichtete Vertikalschalung konnten weiterentwickelt werden. Aus den raumhohen Fenstern wurden zum Beispiel im Verlauf des Planungs- und Bauprozesses geölte Eichenfenster, die mit ihrer Materialität auf das vollständig in Holz gebaute Bauernhaus reagieren. Nicht ganz unerwartet stellte sich die polygonale Grundrissform für die innere Organisation als Herausforderung dar. Es zeigte sich aber, dass mit geduldigem Suchen eine überraschend grosse Flexibilität gefunden werde konnte.
Im Gegensatz zu den Neubauten liessen sich die im Wettbewerb gemachten Vorschläge zum Bauernhaus und zum Kulturraum nicht halten. Erst durch die intensive Beschäftigung mit der Konstruktionsweise der alten Gebäude und der Unterstützung von versierten Fachpersonen konnten wir einen Vorschlag für eine zeitgemässe Nutzung ausarbeiten, mit dem die ursprüngliche Bausubstanz fast vollständig erhalten werden konnte. Im Gegensatz zu den Neubauten konnte vor allem im Bauernhaus nur ein Teil der Umbauarbeiten im Voraus geplant werden und viele Fragen liessen sich erst mit dem Baufortschritt klären.
Wegen einem aufwändigen Bewilligungsverfahren - es brauchte eine Zonenplanänderung und einen neuen Bebauungsplan - und einer Einsprache bis vors Bundesgericht konnte erst über fünf Jahre nach dem Wettbewerb mit dem Bauen begonnen werden. In einem halben Jahrzehnt können sich die Möglichkeiten und Randbedingungen in Planung und Architektur stark verändern und ältere Ideen überholt aussehen lassen. Bei Wiederbeginn der Planungsarbeiten waren wir sehr gespannt, welche Planungsbestandteile sich für die Ausführungsplanung übernehmen liessen und welche grundsätzlich zu überarbeiten waren.
Das im Wettbewerb entstandene Bild des Margrethenplatzes mit den zwei neuen Volumen hat sich halten können. Die leicht geknickten Volumen mit der seriellen Anordnung der nur wenig variierten Fensteröffnungen, die Betonung der Eingänge mit Volumeneinzügen und die dunklere, in horizontale Bänder geschichtete Vertikalschalung konnten weiterentwickelt werden. Aus den raumhohen Fenstern wurden zum Beispiel im Verlauf des Planungs- und Bauprozesses geölte Eichenfenster, die mit ihrer Materialität auf das vollständig in Holz gebaute Bauernhaus reagieren. Nicht ganz unerwartet stellte sich die polygonale Grundrissform für die innere Organisation als Herausforderung dar. Es zeigte sich aber, dass mit geduldigem Suchen eine überraschend grosse Flexibilität gefunden werde konnte.
Im Gegensatz zu den Neubauten liessen sich die im Wettbewerb gemachten Vorschläge zum Bauernhaus und zum Kulturraum nicht halten. Erst durch die intensive Beschäftigung mit der Konstruktionsweise der alten Gebäude und der Unterstützung von versierten Fachpersonen konnten wir einen Vorschlag für eine zeitgemässe Nutzung ausarbeiten, mit dem die ursprüngliche Bausubstanz fast vollständig erhalten werden konnte. Im Gegensatz zu den Neubauten konnte vor allem im Bauernhaus nur ein Teil der Umbauarbeiten im Voraus geplant werden und viele Fragen liessen sich erst mit dem Baufortschritt klären.
Bauernhaus Südfassade
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Wir haben die polygonalen Formen der neuen Gebäude ganz bewusst eingesetzt. Die Volumen liessen sich so wie grosse Skulpuren den räumlichen Anforderungen entsprechend frei formen. Die Fassadenfluchten des grösseren der beiden neuen Gebäude entstanden zum Beispiel ganz pragmatisch aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben der verschiedenen Gebäudeseiten: Zum Margrethenplatz hin dient die Fassadenflucht hauptsächlich der Platzbildung, als ruhiger Abschluss einer Raumfolge, die bei der Kirche beginnt, sich über den Platz bei der Aussegnungshalle fortsetzt und am Margrethenplatz endet. Von der Dorfstrasse her, vorbei am öffentlichen Parkplatz, betritt man den Platz beim ehemaligen Schweinestall - dem neuen Kulturraum -, und wird weitergeleitet zum Pfrundweg oder zur Margrethenstrasse. Die Fassadenflucht folgt der leichten Verdrehung der zwei bestehenden Gebäude, aber nicht parallel, sondern so, dass sich der Platz gegenüber dem Kulturraum gegen Süden leicht und gegenüber dem Bauernhaus stärker öffnet. Auch die Fassadenhöhe regiert auf die beiden bestehenden Gebäude: Während die Fassade gegenüber dem niedrigen Kulturraum viergeschossig ist, weicht sie gegenüber dem Bauernhaus Margrethenhof mit drei Geschossen zurück. Mit dieser differenzierten Form des Volumens sollte die Stellung des Bauernhauses Margrethenhof als wichtigstes Gebäude des neuen Ensembles betont werden.
Der Minergiestandard bei den Neubauten wird, wie bei den meisten unserer Projekte, erreicht und brachte keine gestalterischen Einschränkungen.
Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Wir haben die polygonalen Formen der neuen Gebäude ganz bewusst eingesetzt. Die Volumen liessen sich so wie grosse Skulpuren den räumlichen Anforderungen entsprechend frei formen. Die Fassadenfluchten des grösseren der beiden neuen Gebäude entstanden zum Beispiel ganz pragmatisch aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben der verschiedenen Gebäudeseiten: Zum Margrethenplatz hin dient die Fassadenflucht hauptsächlich der Platzbildung, als ruhiger Abschluss einer Raumfolge, die bei der Kirche beginnt, sich über den Platz bei der Aussegnungshalle fortsetzt und am Margrethenplatz endet. Von der Dorfstrasse her, vorbei am öffentlichen Parkplatz, betritt man den Platz beim ehemaligen Schweinestall - dem neuen Kulturraum -, und wird weitergeleitet zum Pfrundweg oder zur Margrethenstrasse. Die Fassadenflucht folgt der leichten Verdrehung der zwei bestehenden Gebäude, aber nicht parallel, sondern so, dass sich der Platz gegenüber dem Kulturraum gegen Süden leicht und gegenüber dem Bauernhaus stärker öffnet. Auch die Fassadenhöhe regiert auf die beiden bestehenden Gebäude: Während die Fassade gegenüber dem niedrigen Kulturraum viergeschossig ist, weicht sie gegenüber dem Bauernhaus Margrethenhof mit drei Geschossen zurück. Mit dieser differenzierten Form des Volumens sollte die Stellung des Bauernhauses Margrethenhof als wichtigstes Gebäude des neuen Ensembles betont werden.
Der Minergiestandard bei den Neubauten wird, wie bei den meisten unserer Projekte, erreicht und brachte keine gestalterischen Einschränkungen.
Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Überbauung Margrethenhof
2010
Ballwil LU
Bauherrschaft
Marcasa AG, Ballwil
Auftragserteilung
Eingeladener Wettbewerb
Architektur
Lengacher Emmenegger Partner AG
Hansjörg Emmenegger, Daniel Lengacher, Daniela Banholzer,
Annett Richter, Carolin Lehnerer, Ueli Gadient, Philipp Lustenerger, Daniel Bürgin
Fachplaner
Moos Bauingenieure AG, Zug (Neubauten)
Schubiger AG Bauingenieure, Luzern (Altbauten)
Martinelli & Menti AG Bauphysik, Luzern
Widmer, Ambrosius J. R., Restaurator, Sarnen
Bauleitung
Kaufmann & Partner, Luzern
Harry van der Meijs, Luzern
Florian Rauch, Basel (Altbauten)
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Holzbau: ARGE Tschopp Holzbau AG, Hochdorf, und Hans Herzog Holzbau AG, Eschenbach
Gebäudekosten BKP 2
CHF 14.7 Mio, ganze Überbauung
Gebäudevolumen
14'370 m3 (SIA 416), Neubauten
Kubikmeterpreis
612 CHF/m3, Neubauten
Energiestandard
Minergie
Fotos
Louis Brem
2010
Ballwil LU
Bauherrschaft
Marcasa AG, Ballwil
Auftragserteilung
Eingeladener Wettbewerb
Architektur
Lengacher Emmenegger Partner AG
Hansjörg Emmenegger, Daniel Lengacher, Daniela Banholzer,
Annett Richter, Carolin Lehnerer, Ueli Gadient, Philipp Lustenerger, Daniel Bürgin
Fachplaner
Moos Bauingenieure AG, Zug (Neubauten)
Schubiger AG Bauingenieure, Luzern (Altbauten)
Martinelli & Menti AG Bauphysik, Luzern
Widmer, Ambrosius J. R., Restaurator, Sarnen
Bauleitung
Kaufmann & Partner, Luzern
Harry van der Meijs, Luzern
Florian Rauch, Basel (Altbauten)
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Holzbau: ARGE Tschopp Holzbau AG, Hochdorf, und Hans Herzog Holzbau AG, Eschenbach
Gebäudekosten BKP 2
CHF 14.7 Mio, ganze Überbauung
Gebäudevolumen
14'370 m3 (SIA 416), Neubauten
Kubikmeterpreis
612 CHF/m3, Neubauten
Energiestandard
Minergie
Fotos
Louis Brem
Jobs
Andreas Messerli AG, Wetzikon
SHS Architekten AG, Thun
Wirz&Partner Baumanagement AG, Zürich
Fischer Visini Architekten
Dipl. Architekten ETH/SIA, Zürich
Dipl. Architekten ETH/SIA, Zürich
Hochschule Luzern - Technik & Architektur, Horw






