Gebaute Erinnerungen

Joos & Mathys Architekten und Patrik Seiler Architekten haben in einer Arbeitsgemeinschaft kürzlich eine Bade- und Campinganlage mit Restaurant in Sarnen fertiggestellt. Patrik Seiler wählt vier Zeichnungen und vier Fotos und beantwortet zusammen mit Christoph Mathys unsere acht Fragen.
Nordseite
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Ein Lido zu planen, bedeutet vorerst sich mit den eigenen Badi-Erlebnissen in der Kindheit und Jugend auseinanderzusetzen. Denn kaum ein Ort ist so stark durch das Erleben von persönlicher Freiheit und Unbekümmertheit geprägt wie eine Badi.
Spezifisch an der Aufgabe in Sarnen ist die Gegebenheit, die verschiedenen Nutzungen, Freibad, Seebad und Campinganlage unter ein «Dach» zu bringen, bzw. dafür verschiedene Bilder zu finden.
Situation
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Der architektonischen Ausformulierung des Hauptgebäudes respektive des Lidos liegen unterschiedliche Metaphern und Motive zu Grunde. Die Bilder pendeln zwischen historisch und mondän. Sie erzählen Geschichten gleichwohl aus der Landi-Architektur (z.B. die Holzfassade), wie aus dem mediterranen Strandleben (z.B. der Natursteinbodenbelag und die Restaurantverglasung).
Schwimmbecken im OG
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Die Anbindung des Projektperimeters an eine grössere, zusammenhängende, bestehende öffentliche Parkanlage und der angrenzende, die gesamte Nutzung bestimmende See haben sehr wohl die gewählte Sprache beeinflusst. Die gelungene Verflechtung zwischen dem Bestand und der neuen, sowohl Lido wie Camping umschliessenden Grünanlage ist der sehr minutiösen Feinarbeit des Planungsbüro August Künzel Landschaftsarchitekten, Basel zuzuschreiben.
EG
Inwiefern haben die Bauträgerschaft oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Der Ideenwettbewerb lief unter dem Namen «Chance Seefeld». Die Initianten mit der überwältigenden Unterstützung der Bevölkerung haben die Grundlage gegeben und die Chance genutzt, dass dieses Projekt überhaupt gestartet, getragen und in seiner heutigen Form realisiert werden konnte.
OG
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Überraschenderweise treffen die zum Zeitpunkt des Wettbewerbsprojekts erstellen Visualisierungen die nun am erstellen Objekt zu erfahrende Stimmung ziemlich präzise. Insbesondere trifft dies auf die Atmosphäre des Oberdecks mit Schwimmerbecken zu.
Restaurant
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten der Büros ein?

Das Ortsspezifische, die Funktion und die Aufgabenstellung vermischen sich mit eigenen Intuitionen und Vorstellungen, Ideen und Vorlieben. Wenn sich dann in Planergemeinschaften verschiedene Meinungen zu einem Ensemble von Gedanken verdichten, wird es spannend. Aber meist liegt darin das Neue und daher reiht sich nicht das Gebäude sondern der Ort, die Landschaft und das Haus in die Reihe der Entwürfe aller beteiligten Planer ein; Landschaftsarchitekten, Ingenieure und Architekten.


Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Aktuelle Tendenzen prägen immer, aber nicht vordergründig, nicht massgebend. Gestalterische, konstruktive oder auch energetische Fragen sind wie in vielen Bereichen des Lebens eben auch im Architektonischen nicht Fragen des Zeitgeistes.
Schnitt
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Zwei der insgesamt drei Schwimm- und Erlebnisbecken, welche ins Gebäude integriert sind respektive sich ans Gebäude anschmiegen, wurden in Chromstahl konstruiert. Unsere anfängliche Skepsis gegenüber dem haptischen und optischen Materialausdruck hat sich zum formbildenden Teil umgewandelt. Das Fragile der lang gespannten Betondecks und Dächer sowie der Kontrast der stehenden Holzverkleidungen prägen den filigranen Ausdruck des Badehauses.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Aussentreppe
Neubau Lido- und Campinganlage Sarnen
2011
Sarnen OW

Auftragsart
Projektwettbewerb

Bauherrschaft
Einwohnergemeinde Sarnen

Architektur
Architektengemeinschaft Joos & Mathys Architekten, Zürich / Patrik Seiler Architekten, Sarnen
Projektleiter: Patrik Seiler; Leitung Planung: Bea Maria Roth; Mitarbeiter: Michael Rabe, Stephan Liebscher, Corinne Lehner

Fachplaner
Landschaftsarchitekt: August Künzel Landschaftsarchitekten AG, Basel
Projektleiter: Lorenz Siegenthaler
Bauingenieur: Conzett Bronzini Gartmann AG, Chur
Planung Badewasser, Sanitär: Josef Ottiger + Partner AG, Luzern
HLK -Planung: Ingenieurbüro Peter Berchtold, Sarnen
Elektro-Planung: Elektroplanung Zemp AG, Sarnen

Bauleitung
Bauleitung Hochbau: Kaufmann & Partner, Luzern, Daniel Brunner
Bauleitung Umgebung: Fahrni Landschaftsarchitekten, Luzern, Bernd Schulze zur Verth

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeisterarbeiten: Fallegger Bau AG, Giswil
Holzbau: ARGE Burch & Küng Holzbau, Sarnen
Schwimmerbecken in Chromstahl: Mauchle Metallbau AG, Sursee
Badewassertechnik: Hydroair AG, Zürich
Gärtnerarbeiten: Niederberger & von Wyl AG, Sarnen

Gesamtkosten BKP 1-9
CHF  25 Mio.

Gebäudekosten BKP 2
CHF 12  Mio.

Gebäudevolumen
Rauminhalt SIA 416: 7‘897 m³

Fotos
Franz Rindlisbacher, Zürich