Refugium über dem Vierwaldstättersee

Lischer Partner Architekten haben kürzlich ein Einfamilienhaus in Vitznau fertiggestellt. Daniel Lischer wählt zwei Zeichnungen und fünf Fotos und beantwortet unsere fünf Fragen.
Die Betonhülle als Annäherung an die Nagelfluh
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Der Wunsch der Bauherren war es, in einem Holzhaus zu wohnen. Die anspruchsvolle Geologie, die ausgesprochene Hanglage und die Beschaffenheit der Umgebung veranlassten uns aber, einen massiven Baukörper um eine innere Holzkonstruktion zu entwerfen. Zudem sollte das Ferienhaus in jedem Zimmer eine separate Nasszelle haben, so haben wir eine Art kleines, privates Ferienhotel gebaut.
Niveau 0
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Wir versuchten mit der Wegführung typische Elemente der klassischen und modernen Villenarchitektur wie zum Beispiel den «cour d’honneur» oder die «promenade architectural» im steilen Südwesthang neu zu interpretieren. So ergab sich ein Weg durch das Haus, welcher mit mehreren Richtungsänderungen verschiedene Ausblicke in den umgebenden Landschaftsraum bietet.
Über eine Brücke gelangt man in einen atriumartigen Hof
Bei den Loggien erscheint das Holz im Aussenraum
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Einerseits ist es die unmittelbare Umgebung der steilen Nagelfluhwände, welche sich direkt auf die Materialisierung der aufgerauten Betonschale ausgewirkt hat. Andererseits ist das Archaische, Körperhafte eine passende Antwort auf die Topographie und Vegetation.
Querschnitt
Inwiefern haben die Bauträgerschaft oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?

Trotz ihren klaren Vorstellungen eines Holzhauses und den genau definierten räumlichen Bedürfnissen, welche aber nie an bestimmte Bilder gebunden waren, gewährte uns die Bauherrschaft den nötigen Spielraum für die architektonische Interpretation. Zudem konnten wir früh das Vertrauen der Auftraggeber gewinnen, welche die Umsetzung des Entwurfs in die Realität von Anfang an unterstützten.
Zwei versetzte Treppenläufe verbinden die drei Geschosse miteinander
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerk beigetragen?

Zum Erfolg beigetragen hat die veredelte Betonschale, die dank Beimischung von Wesenkies die rötliche Farbe und Körnung der nahen Felsen annimmt. Im Gegensatz zur rauhen Aussenhaut sind alle inneren Oberflächen mit fein geschliffenem Lärchen-Blockholz belegt. In der konstruktiven Umsetzung haben wir die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Baumaterialien Holz und Beton optimiert.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Alle inneren Oberflächen sind konsequent in Lärche ausgeführt
Einfamilienhaus
2011

Vitznau LU

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
Privat

Architektur
Lischer Partner Architekten Planer AG, Luzern
Nicole Frey, Projektleitung

Fachplaner
Primin Jung, Rain
Trachsel AG, Luzern
Appert & Zwahlen GmbH, Cham
SPHINX Lichttechnik AG, Luzern

Bauleitung
Tripol AG, Luzern

Gesamtkosten BKP 1-9
CHF 2.3 Mio

Gebäudekosten BKP 2
CHF 1.9 Mio

Gebäudevolumen
SIA 416: 1550 m3

Kubikmeterpreis
CHF 1225.-/m3

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Hecht Holzbau AG, Sursee

Fotos
Roger Frei, Zürich