Das Grüne Haus

Leuppi & Schafroth Architekten haben kürzlich ein Mehrfamilienhaus in Zürich fertiggestellt. Die Architekten wählen drei Zeichnungen und vier Fotos und beantworten unsere fünf Fragen.
Aussenansicht
Worin liegt das Besondere an dieser Aufgabe?

Das Wohnhaus mit sechs unterschiedlich grossen Wohnungen an der Haldenstrasse in Zürich ist ein Investitionsprojekt, das eigentlich auf einer sehr kleinen ausgezonten Parzelle der benachbarten Arealüberbauung Binz steht. Das Haus markiert aber auch das Ende einer Reihe von Einzelbauten entlang der Haldenstrasse. Generell musste sich das Gebäude also in einem bereits fertig gebauten und heterogenen Umfeld behaupten.
Wir wussten auch, dass künftig verschiedene Wohneigentümer sich dieses Haus teilen werden. Es war unser Anliegen, die Erscheinung des Hauses von den Eigentumsverhältnissen abzukoppeln und als abstrakte Architektur in den Stadtkörper zu stellen.
Situation
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Als Entwerfer der benachbarten Arealüberbauung Binz musste uns der Massstabwechsel in besonderer Weise beschäftigen. Wir interpretierten das neue Gebäude im Aussenraum der Arealüberbauung – in einer Metapher – als begrüntes «Gartenhaus». Davon übrig geblieben sind immerhin die perforierten Schiebeläden, deren florales Muster wir von Glyzinienbildern abgeleitet haben. Eine komplette Fassadenbegrünung wurde aber – wie leider so häufig – aus praktischen Gründen verworfen.
Die leicht kubistische Form des Massivbaus mit weichem offenporigem Kratzputz sowie die grossen Fenster- und Fensterbereiche führen zu einer gewollten Erscheinung mit oszillierender Wahrnehmung zwischen Struktur und Masse.
Tiefe Fensterzargen umfassen sowohl die eigentlichen Fensterbereiche wie auch die seitlichen Schiebetürtaschen, womit der reale Öffnungsgrad scheinbar erweitert wird.
Blick von aussen nach innen
Blick von innen nach aussen
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

In unserem Schaffen räumen wir generell der städtebaulichen Diskussion das Primat ein; speziell der kontextuellen Massstäblichkeit. Im konkreten Fall moderierten aber auch rekurrierende Nachbarn diesen Ort mit und erreichten eine tiefere Bauhöhe als das Baurecht erlaubte. Zumindest im Anschluss an die nördliche Nachbarschaft ist diese nicht städtbaulich motivierte Beschränkung heute etwas spürbar.
Das teilweise sehr nahe Wohnumfeld liess uns die Idee konkretisieren, mit perforierten Schiebeläden für die Bewohner Intimität zu schaffen. Diese Schiebeläden nehmen jede erdenkliche Stellung ein, die sich aus den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bewohner ergeben und «verschieben» damit auch ständig die Parameter und die Proportionen der Fassade, was dem Haus zusätzliches Leben einhaucht. Die motorisierten Schiebeläden übernehmen als «Klimamaschinen» auch gleichzeitig die Funktion des Sonnenschutzes, der Tageslichtsteuerung und die Regulierung der Ein- und Ausblicke.
Grundriss erstes Obergeschoss
Wie ist das Verhältnis des Entwurfs zum vollendeten Bauwerk? Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?

Wohnraum für Unbekannt war die Vorgabe; Architektur unser ständiger Anspruch. Mit dieser Ausgangslage war natürlich noch nichts bestimmt. In einem erheblichen Teil unserer Arbeit suchten wir nach einer tragfähigen Wohnungsmischung, die «volumenverträglich» war und sich gegenüber den Wünschen der erst später in den Prozess einbezogenen Stockwerkeigentümer als widerstandsfähig erweisen musste.
Der späte Einbezug der Bewohner mit den auf die Sondernutzungsfläche beschränkten Projektänderungen begünstigte aber auch die Ausarbeitung und Durchsetzung der architektonischen Absichten.
Querschnitt
Beeinflussen aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Dass heutige Gebäude im Minergiestandard erstellt werden und zu einem grossen Teil mit erneuerbarer Erdwärme beheizt werden, gehört gemäss unserem Verständnis eigentlich zu den allgemeinen Vorgaben. Daraus haben wir nie ein spezielles Architekturverständnis abgeleitet.
Das Wohnhaus an der Haldenstrasse zeigt aber einmal mehr, dass wir in unserem Schaffen in der Integration verschiedener Nutzungen die einheitliche Form und architektonische Aussage suchen.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Aussenansicht Nacht
Das Grüne Haus
2011

Zürich-Wiedikon ZH

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
Lateltin AG, Winterthur

Architektur
Leuppi & Schafroth Architekten, Zürich
R. Matthias Leuppi, Stephanie M. Schafroth, Caroline Bock, Heady Fortuna

Fachplaner
Ingenieur: Henauer Gugler AG, Zürich
Haustechnik, Bauphysik: Basler + Hofmann AG, Zürich
Landschaftsarchitektur: Raderschallpartner AG, Meilen

Gesamtkosten (BKP 1-9)
CHF 5.5 Mio.

Energiestandard
Minergie

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeister: Anliker AG, Zürich
Fenster: 4B Fenster AG, Adliswil
Fassadendämmung mit Kratzputz: Altwegg Systeme AG, Kloten
Schiebeläden: GAWO Gasser AG, Wolhusen
Schlosserarbeiten: Schoch Metallbau AG, Herisau
Gipserarbeiten / Malerarbeiten: Bindella Handwerksbetriebe AG, Zürich
Schreinerarbeiten / Parkettböden: Robert Fehr AG, Adelfingen
Gärtenarbeiten: Spross AG, Zürich

Fotos
Roger Frei, Zürich