Vom Schuster und seinen Leisten

Der Chefredaktor der NZZ am Sonntag schrieb am 20. Mai 2012 über langweilige Schweizer Architektur. An prominenter Stelle, nämlich auf der ersten Seite des Hintergrund-Bundes. Er beklagte die Eintönigkeit hiesiger Bauten als «Ausdruck der ökonomischen Zwänge». Zwei Spalten lang konnte man seinen Gedanken gut folgen, musste ihm teilweise Recht geben, bis er dann unvermittelt das Ornament eines jüngeren Werks aus der Fabrik Ledermann (wir haben berichtet) als «mutig» bezeichnete. Dafür erhielt er eine Woche später einen Haufen Leserbriefe, zustimmende und auch wütende.
So weit, so gut, dachte man, der Mann hat seine Meinung, er sollte sie aber vielleicht nicht so prominent platzieren, und das Werten doch lieber den Experten überlassen. Umso erstaunter war man dann, als in der Ausgabe vom 27. Mai, nur eine Woche später, sich der Wirtschaftsjournalist Haig Simonian auch zu einer Kritik an Zürichs Architektur - insbesondere der verpassten Chance des Kongresshauses von Rafael Moneo - hinreissen liess. Nun war die Zeit für einen Leserbrief gekommen, der sein Ziel leider zu spät erreichte und deshalb nie abgedruckt wurde. jk
Leserbrief


