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Stadtsiedlung

Auf dem sanft gegen Süden abfallenden Areal von 41.000 qm in Zürich-Wiedikon befand sich der Werkhof der Baufirma Hatt-Haller. Leuppi & Schafroth Architekten gewannen den eingeladenen Wettbewerb mit einem Projekt, das das städtische Wohnen neu zu definieren versucht. Sie schufen einen Zeilenbau, der keiner mehr ist. Vier Hausreihen mit vier bis sechs Geschossen stehen mit gleichmässigen Abständen im parkartigen Gelände. Erst auf den zweiten Blick wird man gewahr, dass der eine Zwischenraum eher einer Allee ähnelt, der nächste eher einem Garten. Die Autos werden gleich an der Arealgrenze in Räumen unter dem Boden versorgt. Die Stadt im Park, wie sie Le Corbusier propagierte, fand hier eine späte und neue Variante.
Blick in einen Zwischenraum desTyps ‹Strasse›. Ist es Siedlung? Oder ist es Stadt?
									
									Foto: Leuppi & Schafroth Architekten
Blick in einen Zwischenraum desTyps ‹Strasse›. Ist es Siedlung? Oder ist es Stadt?

Foto: Leuppi & Schafroth Architekten
Was auf dem Modell und den Plänen unentschieden aussah, kein klares Vorn und Hinten ablesen liess, ist in der Wirklichkeit kein Problem. Der grosse Zwischenraum von Haus zu Haus wird nicht als Strasse oder Garten erlebt, sondern als eine begrünte Zone. Die Häuser haben keine eindeutige Eingangsseite, man kann sie sowohl von ‹vorn› wie von ‹hinten› betreten. Es entstehen seltsam unbestimmte Räume. Das liegt am Ort. Am Fusse des Uetlibergs in einer Vorstadtgegend eine ‹Stadtsiedlung› bauen, ergibt aus Investorensicht immer mehr Siedlung als Stadt. Zwar wäre eine Ausnützung von 1,6 erlaubt, doch musste man sich auf 1,25 beschränken. Mehr wäre der Wohnqualität abträglich gewesen. Die richtige Dichte ist die Vermietbare. Man spürt die Einflüsse der Verkäufer an jeder Ecke und trotzdem beeindruckt die Stadtsiedlung durch ihre Grösse: In drei Etappen werden 364 Wohnungen entstehen.
Plan aller Etappen. Zwischen den vier Hauszeilen ist ein Platz ausgespart.
Plan aller Etappen. Zwischen den vier Hauszeilen ist ein Platz ausgespart.
Die Grundrisse der Wohnungen sind ein Lehrblätz im Umgang mit grossen Bautiefen.
Die Grundrisse der Wohnungen sind ein Lehrblätz im Umgang mit grossen Bautiefen.
Die Grundrisse sind ein Lehrblätz im Fach tiefe Grundrisse. Bei 18 Metern führten die Architekten ein Atrium ein. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die Bewohner mit den Problemen Einsichtmöglichkeit und Lärm umgehen werden. Am Besuchstag zeigten die Architekten eine Wohnung, inder man nicht um das Atrium herumgehen konnte, wie sie es sich vorgestellt hatten. Ein Badezimmer blockiert den Rundweg, da dies die Investoren besser fanden. Die Balkone sind zwar vom Zuschnitt her brauchbar, aber doch gar exponiert. Die west-ostorientierten Grundrisse sind grosszügig, auf urbane Aufsteiger zugeschnitten.
Die Wiediker Stadtsiedlung stellt (ohne Absicht?) ein wichtiges Problem zur Diskussion: den Umgang der Stadt. Welche Vorstellung leitete die Architekten? Sie bauten ein Stück Zwischenstadt, die heutige Form der Besiedlung in der Agglomeration. Das mulmige Gefühl des Berichterstatters teilen die Bewohnerinnen und Bewohner nicht. Sie kriegen grosszügige Wohnungen in einer angenehmen Umgebung. LR
Das Atrium ist ein Versuch, in bis zu sechsgeschossigen Häusern eine Innenbeleuchtung herzustellen.
									
									Foto: Markus Bertschi
Das Atrium ist ein Versuch, in bis zu sechsgeschossigen Häusern eine Innenbeleuchtung herzustellen.

Foto: Markus Bertschi
Stadtsiedlung
2005

Talwiesen-Binz
Zürich-Wiedikon

Architektur
Leuppi & Schafroth
Architekten

Zürich
(Projekt, Ausführung)

Dachtler Partner
Horgen
(Ausführung)

Bauherrschaften
Immobiliengesellschaft
Freienberg c/o
UBS Fund Management
(Switzerland)
Basel
(erste Etappe)

Beamtenversicherungskasse
des Kantons Zürich
Zürich
(zweite und dritte Etappe)

Landschaftsarchitektur
Raderschall
Landschaftsarchitekten

Meilen

Totalunternehmer
Zschokke GU
Dietlikon

Gesamtkosten
CHF 250 Mio.

Gebäudekosten
(BKP 2 / m)
CHF 452.–

Mieten
CHF 250.–
bis 280.– pro qm und Jahr

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