Eine rostige Blechkiste mitten in einem Juradorf – etwa ein Ableger der Expo.02? Keineswegs. Was in Courtételle bei Delsberg steht, ist das Experiment, das der Architekt Jean Chatelain an seinem Haus durchführte. Erfahrungen mit Umbauten von Bauernhäusern brachten ihn auf die Idee, dass ein Minergiehaus auch anders als üblich gebaut werden könnte. Statt die Nordseite dick zu dämmen, ordnete er Pufferräume an. Wie bei einem Bauernhaus zwischen Stall und Wohnteil gibt es auch bei Chatelains Haus unbeheizte, doch ganz nützliche Räume. So tritt man auf der Rückseite in den ungedämmten Vorraum, der zugleich Garderobe ist. Der Heizraum nebenan bleibt ebenso kalt wie der Vorratsraum hinter der Küche im Obergeschoss oder der Kleiderraum hinter dem Elternschlafzimmer. Dass dieser im Winter ziemlich kühl ist, daran muss man sich erst gewöhnen. Die Treppe über der Garderobe führt in den Estrich und liegt natürlich ebenfalls im Kaltbereich. Licht fällt durch die Glasfiberpaneele in den grossen Raum unter dem Dach. Er ist das Spielparadies der Kinder.
In die Kiste mit einer Haut aus Corten-Stahl-Streifen ist der beheizte
Wohnteil eingefügt. Seine isolierten Seitenwände haben eine
Holzverschalung.
Fotos: Agence Bist
Fotos: Agence Bist
Das Foto aus der Bauzeit zeigt die Struktur eines Industriebaus. Die
Betonplatte löst das Schallproblem zwischen den beiden Geschossen.
Foto: Jean Chatelain
Foto: Jean Chatelain
Fast die Hälfte des Hauses ist unbeheizt: Die Fachwerkkonstruktion im
Kaltbereich schafft Platz für den Estrich und die Nebenräume auf der
Rückseite.
Jean Chatelain hat sein Haus im Ober- und im Erdgeschoss grosszügig
gestaltet. Möglich wäre aber auch eine Einteilung in mehrere kleine
Zellen.
Doch es könnte alles auch ganz anders sein. Denn die nichttragenden
Zwischenwände stehen auf den durchlaufenden Parkettböden. Es sind
einfache Holzrahmen, mit billigem Holz verschalt. Mit Hammer und Säge
kann man das Haus selbst neu einteilen. Jean Chatelain zeichnete in
einem Schema alle Einteilungsmöglichkeiten auf. Vom Loft bis zum
Zehn-Zimmer-Haus ist alles möglich. Die Vielzahl der Varianten, 2 mal
31 insgesamt, ist zwar theoretisch richtig, macht in der Praxis aber
wenig Sinn. Oder wer braucht schon zehn schmale Zimmer von zwei auf
sechs Meter?
Der Architekt ging mit dem Raum verschwenderisch um, und fast die Hälfte des Hauses ist unbeheizt. Doch dank industrieller Bauweise hat das Mehrvolumen die Baukosten nicht in die Höhe getrieben und die Trockenbauweise (Stahlskelett- und Holzelementbau) verkürzte die Bauzeit. Die tragende Hülle aus Stahl ermöglichte eine stützenfreie Wohnfläche im oberen Geschoss. Dessen Decke hängt am Fachwerk, der Betonboden steht jedoch auf Stützen.
Doch Jean Chatelain tüftelte nicht nur an der Raumaufteilung und der Konstruktion, sondern auch beim Heizsystem. So erfüllt das Haus trotz Raumverschwendung den Minergie-Standard. Eine Wärmepumpe entzieht der Estrichluft die Wärme und gibt sie an Warmwasserschlangen ab. Diese liegen im Hohlboden des Erdgeschosses und erwärmen die hineingepumpte Luft. Aus dem Hohlboden gelangt die Luft durch schalldämmende Schleusen vom Erd- ins Obergeschoss. Dort wird sie in der Decke wieder abgesaugt und im Heizraum mit Frischluft erneuert. Der Zwischenboden aus Beton garantiert die thermische Trägheit des Systems und er speichert die Wärme, die durch die südliche Fensterfront ins Haus gelangt. Chatelains Konzept bestätigt sich: Alles funktioniert und das Raumklima ist angenehm. Das Haus ist eine raffinierte Kombination von Industriebau und Low Tech. Zudem ist es mit Bauernschläue gemacht und sieht erst noch gut aus. Robert Walker
Der Architekt ging mit dem Raum verschwenderisch um, und fast die Hälfte des Hauses ist unbeheizt. Doch dank industrieller Bauweise hat das Mehrvolumen die Baukosten nicht in die Höhe getrieben und die Trockenbauweise (Stahlskelett- und Holzelementbau) verkürzte die Bauzeit. Die tragende Hülle aus Stahl ermöglichte eine stützenfreie Wohnfläche im oberen Geschoss. Dessen Decke hängt am Fachwerk, der Betonboden steht jedoch auf Stützen.
Doch Jean Chatelain tüftelte nicht nur an der Raumaufteilung und der Konstruktion, sondern auch beim Heizsystem. So erfüllt das Haus trotz Raumverschwendung den Minergie-Standard. Eine Wärmepumpe entzieht der Estrichluft die Wärme und gibt sie an Warmwasserschlangen ab. Diese liegen im Hohlboden des Erdgeschosses und erwärmen die hineingepumpte Luft. Aus dem Hohlboden gelangt die Luft durch schalldämmende Schleusen vom Erd- ins Obergeschoss. Dort wird sie in der Decke wieder abgesaugt und im Heizraum mit Frischluft erneuert. Der Zwischenboden aus Beton garantiert die thermische Trägheit des Systems und er speichert die Wärme, die durch die südliche Fensterfront ins Haus gelangt. Chatelains Konzept bestätigt sich: Alles funktioniert und das Raumklima ist angenehm. Das Haus ist eine raffinierte Kombination von Industriebau und Low Tech. Zudem ist es mit Bauernschläue gemacht und sieht erst noch gut aus. Robert Walker
Experimentalhaus
2003
Rue St-Randoald 8
Courtételle
Bauherrschaft
Jean Chatelain
Architektur
Bureau d’étude
Jean Chatelain
Delémont
Statik
Voisard et Migy
Porrentruy
Gesamtkosten (BKP 1–9)
CHF 565000.–
Baukosten (BKP2/m3)
CHF 440.–
2003
Rue St-Randoald 8
Courtételle
Bauherrschaft
Jean Chatelain
Architektur
Bureau d’étude
Jean Chatelain
Delémont
Statik
Voisard et Migy
Porrentruy
Gesamtkosten (BKP 1–9)
CHF 565000.–
Baukosten (BKP2/m3)
CHF 440.–
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Marina Panisi, Fribourg
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Architekten HTL/ETH/SIA, Winterthur
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Cubus Architektur GmbH, Zürich
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