Die Arbeitsgemeinschaft Marugg, Hauser, Iseppi, Kurath hat kürztlich ein Wohnheim mit Alterswohnungen in Thusis fertiggestellt. Stefan Kurath wählt zwei Zeichnungen und zwei Fotos und beantwortet unsere vier Fragen.
Eingang mit Vorplatz an Compognastrasse
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?
Im Vordergrund stand unter anderem die Frage, inwiefern sich ein Gebäude mit Alterswohnungen von Altersheimen oder von konventionellen Wohnbauten unterscheidet. Wir suchten gewissermassen nach Eigenarten der Typologie „Alterswohnung“. Insbesondere versuchten wir die Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Gemeinschaftsräumen hin zu den privaten Wohnungen zu thematisieren. Wir haben deshalb die Erschliessungsgänge zu Begegnungszonen mit grossen Blumenfenster als Sitznischen ausgebaut, um soziale Kontakte zu verbessern, die Kommunikation untereinander zu fördern und die gegenseitige Aufmerksamkeit untereinander zu verbessern. Wir verfolgten damit das Ziel, das Sicherheitsgefühl der Bewohner zu stärken und einer allfälligen Vereinsamung der Bewohnerschaft entgegen zu wirken. Gleichzeitig sollte aber die Privatsphäre in den Wohnungen und die Unabhängigkeit der einzelnen Bewohner nicht beeinträchtigt werden.
(Photo: Beat Marugg)
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?
Im Vordergrund stand unter anderem die Frage, inwiefern sich ein Gebäude mit Alterswohnungen von Altersheimen oder von konventionellen Wohnbauten unterscheidet. Wir suchten gewissermassen nach Eigenarten der Typologie „Alterswohnung“. Insbesondere versuchten wir die Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Gemeinschaftsräumen hin zu den privaten Wohnungen zu thematisieren. Wir haben deshalb die Erschliessungsgänge zu Begegnungszonen mit grossen Blumenfenster als Sitznischen ausgebaut, um soziale Kontakte zu verbessern, die Kommunikation untereinander zu fördern und die gegenseitige Aufmerksamkeit untereinander zu verbessern. Wir verfolgten damit das Ziel, das Sicherheitsgefühl der Bewohner zu stärken und einer allfälligen Vereinsamung der Bewohnerschaft entgegen zu wirken. Gleichzeitig sollte aber die Privatsphäre in den Wohnungen und die Unabhängigkeit der einzelnen Bewohner nicht beeinträchtigt werden.
(Photo: Beat Marugg)
Situationsplan
Wie würden Sie den durchlaufenen Entwurfsvorgang beschreiben?
Am Anfang der Wettbewerbsphase befassten wir uns intensiv mit dem Ort. Dieser wird hauptsächlich durch das Erscheinungsbild der Compognastrasse geprägt. Entlang dieser Strasse lassen sich verschiedene Einzelbauten wie Wohnhäuser, Gewerbebauten, Lagerhallen, Industriebrachen und Relikte früherer Landwirtschaftsbetriebe finden. Wir versuchten den Ort zusammen mit dem bestehenden Altersheim von Valentin Scherrer und Claudia Valentin zu schärfen. Wir haben den Bau so gestellt, dass ein Strassenraum mit Vorbereich für die Alterswohnungen entsteht und dass der rückwärtige Bungert hin zum Schulhaus von Dieter Jüngling und Andreas Hagmann bestehen bleibt. So gibt es gewissermassen eine Dorfseite zum Bahnhof hin und eine ruhige Seite mit Blick in die bestehende, grüne Kulturlandschaft. Danach sind die obgenannten Überlegungen der inneren Organisation in den Entwurf eingeflossen. Die Begegnungszone mit der Haupterschliessung bildet im Grundriss und Schnitt jeweils das Rückgrad. An dieses Rückgrad sind die Wohnungen angeordnet, und zwar so, dass Wohnungen mit Ausblick auf den Bahnhof und Wohnungen mit Blick ins Grüne ausgebildet werden konnten. Mit zusätzlichen Grundrissspiegelungen der einzelnen Wohnungen, wollten wir möglichst unterschiedliche Wohnangebote schaffen, die von den zukünftigen Bewohnern angeeignet und individuell ausgestaltet werden können.
Wie würden Sie den durchlaufenen Entwurfsvorgang beschreiben?
Am Anfang der Wettbewerbsphase befassten wir uns intensiv mit dem Ort. Dieser wird hauptsächlich durch das Erscheinungsbild der Compognastrasse geprägt. Entlang dieser Strasse lassen sich verschiedene Einzelbauten wie Wohnhäuser, Gewerbebauten, Lagerhallen, Industriebrachen und Relikte früherer Landwirtschaftsbetriebe finden. Wir versuchten den Ort zusammen mit dem bestehenden Altersheim von Valentin Scherrer und Claudia Valentin zu schärfen. Wir haben den Bau so gestellt, dass ein Strassenraum mit Vorbereich für die Alterswohnungen entsteht und dass der rückwärtige Bungert hin zum Schulhaus von Dieter Jüngling und Andreas Hagmann bestehen bleibt. So gibt es gewissermassen eine Dorfseite zum Bahnhof hin und eine ruhige Seite mit Blick in die bestehende, grüne Kulturlandschaft. Danach sind die obgenannten Überlegungen der inneren Organisation in den Entwurf eingeflossen. Die Begegnungszone mit der Haupterschliessung bildet im Grundriss und Schnitt jeweils das Rückgrad. An dieses Rückgrad sind die Wohnungen angeordnet, und zwar so, dass Wohnungen mit Ausblick auf den Bahnhof und Wohnungen mit Blick ins Grüne ausgebildet werden konnten. Mit zusätzlichen Grundrissspiegelungen der einzelnen Wohnungen, wollten wir möglichst unterschiedliche Wohnangebote schaffen, die von den zukünftigen Bewohnern angeeignet und individuell ausgestaltet werden können.
Grundriss 1. Obergeschoss
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?
Wir verstehen Architektur als etwas, das immer auch von „aussen“ mitbestimmt wird. Architektur ist gewissermassen Gesellschaft und umgekehrt. So ist es beispielsweise ein Fakt, dass die demografische Veränderung eine grosse Nachfrage an Alterswohnungen schafft. Da Einheiten mit Alterswohnungen bestimmte räumliche Angebote wie die Ermöglichung gegenseitiger Unterstützung und gesellschaftlicher Interaktion, erhöhte Rollstuhlgängigkeit sowie unterschiedliche Freiraumangebote bereitstellen müssen, sind auch die Inhalte des Entwurfes nicht davon befreit. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese soziotechnischen Rahmenbedingungen aufzunehmen und in ein solides Stück Architektur zu übersetzen. Es ist unsere Aufgabe und Rolle als Architekt gewissermassen die räumliche Figuration der anfänglich nicht-physischen Inhalte zu bestimmen, die sortiert, organisiert, geschärft und in ein architektonisches Konzept übersetzt werden müssen. In dieser Übersetzungstätigkeit ist es unser Ziel den vieldiskutierten Moment der „Autonomie der Architektur“ auszureizen. Wir nutzen also die Freiheiten in unserem architektonisch/gestalterischen Schaffen, fordern diese auch ein.
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?
Wir verstehen Architektur als etwas, das immer auch von „aussen“ mitbestimmt wird. Architektur ist gewissermassen Gesellschaft und umgekehrt. So ist es beispielsweise ein Fakt, dass die demografische Veränderung eine grosse Nachfrage an Alterswohnungen schafft. Da Einheiten mit Alterswohnungen bestimmte räumliche Angebote wie die Ermöglichung gegenseitiger Unterstützung und gesellschaftlicher Interaktion, erhöhte Rollstuhlgängigkeit sowie unterschiedliche Freiraumangebote bereitstellen müssen, sind auch die Inhalte des Entwurfes nicht davon befreit. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese soziotechnischen Rahmenbedingungen aufzunehmen und in ein solides Stück Architektur zu übersetzen. Es ist unsere Aufgabe und Rolle als Architekt gewissermassen die räumliche Figuration der anfänglich nicht-physischen Inhalte zu bestimmen, die sortiert, organisiert, geschärft und in ein architektonisches Konzept übersetzt werden müssen. In dieser Übersetzungstätigkeit ist es unser Ziel den vieldiskutierten Moment der „Autonomie der Architektur“ auszureizen. Wir nutzen also die Freiheiten in unserem architektonisch/gestalterischen Schaffen, fordern diese auch ein.
Nachtaufnahme Blumenfenster der Begegnungszonen
(Photo: Beat Marugg)
(Photo: Beat Marugg)
Bezieht sich das Bauwerk zu Euren anderen Entwürfen und gliedert sich in die Reihe Eurer Werke?
Wie die meisten der heute tätigen Architekten arbeiten wir nicht an einem Stil, als vielmehr an unterschiedlichen Themen, die wir vertiefen wollen. Ein zentrales Thema unserer Arbeit stellt immer das konzeptionelle Grundgerüst des Entwurfes dar. Dieses schafft langfristig die architektonische Bestimmung des Gebäudes, schafft aber gleichzeitig die notwendigen Aushandlungsspielräume im Umgang mit Bauherrschaften, behördlicher Bestimmungen und späteren Bewohner insbesondere in der Phase der Rückübersetzung des Konzeptes in die Wirklichkeit. Wir verfolgen keine Fetische bezüglich Details, stellen aber konzeptionelle Klarheit bezüglich Struktur, Materialität, Ausblick, Bewegungsabläufe, innere und äussere Beziehungen in den Mittelpunkt unserer architektonischen Diskussionen. Gleichzeitig arbeiten wir bewusst mit Unschärfen, um räumliche und tektonische Spannungen zu schaffen. Bei der Viamala Raststätte in Thusis zeigt sich dies in den Knicken in Fassade und Grundriss. Beim Seniorenzentrum haben wir diesbezüglich intensiv an den Fassaden gearbeitet. Einerseits beabsichtigten wir die Wohnfassaden mit den Loggias von den Fassaden mit den Blumenfenstern der Begegnungszonen klar zu unterscheiden, entsprechend thematisch auszuformulieren. Gleichzeitig haben wir an der Fassadengliederung der Wohnfassade gearbeitet, welche durch Spiegelungen im Grundriss geprägt wird und die Privatheit und Individualität der einzelnen Wohnungen thematisieren sollen.
Wie die meisten der heute tätigen Architekten arbeiten wir nicht an einem Stil, als vielmehr an unterschiedlichen Themen, die wir vertiefen wollen. Ein zentrales Thema unserer Arbeit stellt immer das konzeptionelle Grundgerüst des Entwurfes dar. Dieses schafft langfristig die architektonische Bestimmung des Gebäudes, schafft aber gleichzeitig die notwendigen Aushandlungsspielräume im Umgang mit Bauherrschaften, behördlicher Bestimmungen und späteren Bewohner insbesondere in der Phase der Rückübersetzung des Konzeptes in die Wirklichkeit. Wir verfolgen keine Fetische bezüglich Details, stellen aber konzeptionelle Klarheit bezüglich Struktur, Materialität, Ausblick, Bewegungsabläufe, innere und äussere Beziehungen in den Mittelpunkt unserer architektonischen Diskussionen. Gleichzeitig arbeiten wir bewusst mit Unschärfen, um räumliche und tektonische Spannungen zu schaffen. Bei der Viamala Raststätte in Thusis zeigt sich dies in den Knicken in Fassade und Grundriss. Beim Seniorenzentrum haben wir diesbezüglich intensiv an den Fassaden gearbeitet. Einerseits beabsichtigten wir die Wohnfassaden mit den Loggias von den Fassaden mit den Blumenfenstern der Begegnungszonen klar zu unterscheiden, entsprechend thematisch auszuformulieren. Gleichzeitig haben wir an der Fassadengliederung der Wohnfassade gearbeitet, welche durch Spiegelungen im Grundriss geprägt wird und die Privatheit und Individualität der einzelnen Wohnungen thematisieren sollen.
Lieu
Thusis GR
Thusis GR
Seniorenzentrum Compogna Thusis
2010
Thusis GR
Bauherrschaft
Wohnbaugenossenschaft Compogna
Thusis GR
Auftragserteilung
eingeladener Wettbewerb
Architektur und Bauleitung
ARGE Marugg / Hauser / Iseppi-Kurath GmbH
Thusis GR
mit Stefan Kurath (Projektleitung Wettbewerb bis Baueingabe), Hans Marugg (Projektleitung Planung und Ausführung), Ferdinand Hauser, Ivano Isepp, Beat Marugg, Jana Paul
Fotos
Beat Marugg, Architekturfotograf, Schweiz/Spanien
2010
Thusis GR
Bauherrschaft
Wohnbaugenossenschaft Compogna
Thusis GR
Auftragserteilung
eingeladener Wettbewerb
Architektur und Bauleitung
ARGE Marugg / Hauser / Iseppi-Kurath GmbH
Thusis GR
mit Stefan Kurath (Projektleitung Wettbewerb bis Baueingabe), Hans Marugg (Projektleitung Planung und Ausführung), Ferdinand Hauser, Ivano Isepp, Beat Marugg, Jana Paul
Fotos
Beat Marugg, Architekturfotograf, Schweiz/Spanien
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