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Spiegelndes Volumen in denkmalgeschütztem Park

Die Planergemeinschaft IBEX haben kürzlich ein Kongresszentrum in Interlaken fertiggestellt. Renato Mösch wählt zwei Zeichnungen und zwei Fotos und beantwortet unsere vier Fragen.
Spiegelndes Volumen
Spiegelndes Volumen (Photo: Tom Bisig)
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?

Eine der wichtigsten Herausforderungen war, eine Balance zu finden zwischen selbstbewusstem Auftritt des neuen Kongresssaales einerseits und respektvollem Umgang mit dem Ensemble der bestehenden Gebäude und dem Park andererseits. Der eigenständige Neubau ist vom Hauptzugang des Parks her optisch präsent. Indem er sich von den bestehenden Gebäuden absetzt, lässt er deren zahlreiche Anbauten ausklingen und schafft gleichzeitig eine räumlich erlebbare Zwischenzone. Das monolithisch konzipierte Gebäudevolumen mit seiner schimmernden Metallhaut aus vertikalen, spiegelnden Profilblechen respektiert die sensible Silhouette des historischen Ensembles der bestehenden Anlage. Im Glanz des neuen Gebäudes und deren homogenen Gebäudehülle werden die Strukturen und Farben der gewachsenen und gebauten Umgebung aufgenommen. Die Situierung des Baukörpers gibt dem Park gegen Osten Begrenzung und Halt und begleitet dessen Erweiterung gegen das Ufer der Aare hin. Die Ausdehnung des Parks gegen Norden verstärkt zugleich die Gewichtung des zukünftigen Haupteinganges der bestehenden Gebäude. Die in das Volumen eingeschnittene Eingangszone, das leicht abgewinkelte Foyer mit dem grossen Aussichtsfenster und die ansteigende Volumetrie des Saales strukturieren den Baukörper.


Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Noch während der Wettbewerbsphase befassten wir uns intensiv mit dem Ort. Das Areal liegt östlich des historischen Ortskernes zwischen der kanalisierten Aare im Norden und der Höhematte im Süden. Die ebene Topografie, der Fernblick auf die Schneeberge, der reiche Baumbestand des Parks und die Ausstrahlung der benachbarten historischen Hotelbauten prägen den Ort. Die Silhouette des bestehenden Ensembles ist Teil der unverwechselbaren Eigenart des Ortes. Auf dem erweiterten Kongressareal entsteht eine grosszügige, öffentliche Grünanlage. Sie verbindet die für Interlaken wichtige Promenade am Höhenweg mit dem Freiraum entlang der Aare. Die Zufahrtsstrassen wurden im Bereich des Projektperimeters leicht angehoben, so dass sich die gesamte Anlage mit der bestehenden Parkanlage auf einem Niveau befindet und als zusammenhängende Ebene spürbar wird. Der neue Baukörper wird durch die Erweiterung des Grünraumes in die Gesamtanlage optimal eingebunden und bildet zusammen mit dem bestehenden Kongressgebäude und dem vorhandenen Park ein harmonisches Ensemble. Die Loslösung der Erweiterung vom Hauptbau wurde beim Wettbewerb als entwerferischer Vorsprung bewertet.
Foyer Obergeschoss
Foyer Obergeschoss
(Photo: Tom Bisig)
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?

In einem multifunktionalen Kongresssaal wechseln die Themen in rascher Kadenz. Wie die Aussenhaut des Gebäudes ist auch die Saalnutzung facettenreich. Oberstes Gebot war daher, dem Kunden eine freundliche und neutrale Plattform zu bieten. Die Räumlichkeiten des Kongresssaals wie auch des Foyers erfüllen diese Prämisse durch optimale Funktionalität und ein neutrales Farb- und Materialkonzept. Sie bilden somit einen bestmöglichen Hintergrund für künftige Präsentationen und Veranstaltungen im Saal und auf der Bühne wie auch im Foyer.
Querschnitt
Querschnitt
(Photo: Tom Bisig)
Wie ist das Verhältnis des Entwurfs zum vollendeten Bauwerk? Gab es bedeutende Projektänderungen oder veränderte ein Lernprozess das architektonische Ziel?

Im Wettbewerbsprojekt war der Hauptzugang zum Neubau südseitig angeordnet. Im Laufe des Entwurfsprozesses wurde diese Lage von uns Architekten hinterfragt. Der Eingang orientiert sich stärker zum Altbau und zum Park. Durch diese Massnahme wurde die gesamte Parkerschliessung aufgewertet, und es wurde auch ein grosszüger Platz gebildet zwischen dem bestehenden Kursaal und dem Neubau. Die Besuchenden betreten das Gebäude vom Park her und gelangen, geschützt durch das auskragende Foyer, in die Empfangszone mit den Garderoben. Über die breite Treppenanlage werden sie in das Foyer im Obergeschoss geleitet, das durch ein grosses Aussichtsfenster Richtung Jungfraumassiv charakterisiert ist.


Stehen andere Projekte in Eurem Büro an, die von diesem Projekt in irgend einer Weise beinflusst werden?

Ein grosses Bauprojekt beeinflusst ein Architekturbüro vor allem in der Arbeitsweise. Der Kongresssaal Neubau wurde von einer Generalunternehmung ausgeführt. Dies sind sicher Erfahrungen die immer wieder in neue Projekte einfliessen werden.

Grundriss Obergeschoss
Grundriss Obergeschoss
Lieu
Interlaken
 
Investement Infos
Bauherrschaft
Casino Kursaal Interlaken AG
Interlaken BE

Auftragserteilung
offener Wettbewerb

Gebäudevolumen
33'193 m3 (SIA 416)

Auszeichnung
bestarchitects 11
 
Architektur
Planergemeinschaft IBEX
Dorenbach AG Architekten ETH SIA
Kunz und Mösch Architekten ETH SIA
Renato Mösch, Philipp Kunz, Sandra Kolloge, Klaus Schuldt, Beat Jeker, Sascha Vogel

Bauingenieure Walther Mory Maierclass="pr_partner_company_name"> Prantl + Aerni Ingenieure AG,
Matten-Interlaken BE
  Gebäudetechnik IEM AG Ingenieure Bern
  Bauleitung Generalunternehmung HRS Real Estate AG Bern

Fotos
Tom Bisig

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