«Dere Aare naa»

muellerueli.architekten haben kürzlich drei Wohnhäuser in Biberstein AG fertiggestellt. Ueli Müller stellt sich unseren Fragen.
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das im Ortsteil Wissenbach der Gemeinde Biberstein gelegene Areal ist vorwiegend mit Einfamilienhäusern überbaut und heute stark unternutzt. Die Genossenschaft konnte zwei unbebaute, durch ein bestehendes Einfamilienhaus getrennte Parzellen von der Gemeinde im Baurecht übernehmen. Es galt einen Lösungsansatz zu finden, der einerseits dieser Ausgangslage gerecht wird und andererseits den bestehenden hangseitigen Bauten die Sicht zur Aare nicht verwehrt.
Lageplan
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Für das an der Aare gelegene Areal wird ein übergeordnetes Bebauungsmuster vorgeschlagen. Den schmalen privaten Parzellenstrukturen entsprechend, sollen sich längliche Baukörpern zwischen der Aare und der Kantonsstrasse senkrecht zum Hang aufspannen.
( Foto ©: Ueli Müller )
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Die drei neuen Wohnhäuser sind aus diesem ortsbaulichen Gedanken entwickelt und erstrecken sich als längliche Volumen vom Aareweg zur Strasse hin. Eine gebaute Hangkante unterteilt das Areal in zwei horizontale Bereiche, den Gartenzugang auf dem unteren Ebene und die Postadresse an der höher gelegenen Aarauerstrasse. Die neuen Baukörper thematisieren diesen Niveauunterschied mit zwei gleichwertigen Hauptgeschossen. Im Volumen integrierte Treppen verbinden die beiden Niveaus.
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die Bauherrschaft hat durch die Bereitschaft, in etwas aufwändigere dafür dauerhafte Konstruktionen zu investieren, den Entwurf und insbesondere den Ausdruck der Anlage mitgeprägt. Die gesetzlich geforderten Parkplätze sind oberirdisch angeordnet und dank gezielter Mieterauswahl nur zu zwei Dritteln ausgelastet. Dieser Aspekt wurde bereits im Umgebungskonzept mitberücksichtigt, indem die überzähligen Parkplätze anderweitig bespielt werden können. Der Bauherrschaft war es wichtig, dass durch die Gestaltung der Wohnungserschliessungen, der Aussenräume und der drei Gemeinschaftsräume die Bewohnenden zum gemeinschaftliche und solidarischen Wohnen inspiriert werden.
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Nein, im Gegenteil; die Bauten sind wohl Minergie-P-zertifiziert, auf den Einbau von sogenannten «Komfortlüftungen» mit einer Wärmerückgewinnung wurde bewusst verzichtet. Alle Wohnungen kommen mit einer einfachen, kontrollierten Abluftanlage in den Bädern und Duschen aus. Die Nachströmung der Frischluft erfolgt über Aussenluftdurchlässe in den Fassaden. Die Gebäudehülle besteht aus einem konventionellen Zweischalenmauerwerk mit einer Gesamtstärke von über 60 cm. Die tiefen Leibungen schützen vor gegenseitigen Einblicken in die Wohnungen bei den durchgehenden Balkonbereichen.
( Foto ©: Kathrin Kunz )
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Robuste naturbelassene Materialien verleihen den Gebäuden ein zeitloses Äusseres. Kratzputz und sandgestrahlter Beton lassen eine hohe Gebrauchstauglichkeit und minimale Unterhaltskosten erwarten. Das Sandstrahlen des Recycling-Mischgranulat-Betons verleiht der Betonoberfläche ein samtartiges Aussehen. Im Inneren tragen die mit Lehmputz versehenen Decken und die mit Sumpfkalk verputzten Wände zu einem behaglichen Klima bei. Massive Böden, Wände und Decken dienen der Wärmespeicherung.
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
( Foto ©: Franz Rindlisbacher )
Längsschnitt
Erdgeschoss
Obergeschoss
Dachgeschoss
Grundriss möbliert
Partner Bau der Woche
Genossenschaftswohnungen
«Dere Aare naa»
2016
Biberstein

Nutzung
3 Mehrfamilienhäuser,
23 Mietwohnungen

Auftragsart
Studienauftrag 1. Preis

Bauherrschaft
Genossenschaft Wogeno Aargau, Ennetbaden AG

Architektur
muellerueli.architekten, Basel
Ueli Müller AG Architekt BSA SIA

Beteiligte Mitarbeiter
Renato Fontana
Hans-Jörg Tschäni
Heinz Zurkirchen

Bauleitung
Eichenberger Architekten GmbH, Küttigen AG

Bauingenieur
HKP Bauingenieure AG, Baden AG

Gesamtkosten BKP 1-9 
CHF 11.5 Mio.

Gebäudekosten BKP 2 
CHF 10.2 Mio.

Gebäudevolumen  
13’551 m3 SIA 116

Kubikmeterpreis 
753 CHF/m3 SIA 116

Energiestandard
Minergie P

Fotos
Franz Rindlisbacher
Kathrin Kunz
Ueli Müller