Umbau Bauernhaus Wattenwil

Johannes Saurer und Matthias Rindisbacher haben kürzlich den Umbau eines Bauernhauses in Wattenwil fertiggestellt. Johannes Saurer stellt sich unseren Fragen.
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe? 
Das Bauernhaus von 1681 stellt typologisch eine für die Region charakteristische Variation des Berner Oberländer Bauernhauses dar. 1989 wurde in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, der Bauherrschaft und dem Architekten Matthias Rindisbacher der Wohnteil restauriert und umgebaut, gleichzeitig entstand aus dem Kuhstall ein Freilaufstall für Pferde. Unsere Aufgabe bestand darin, am Standort des Pferdestalls eine zeitgemässe Wohnung einzubauen, ohne die äussere Erscheinung des denkmalgeschützten Bauernhauses zu verändern.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Inspirationsquelle war der originale Wohnteil aus dem 17. Jahrhundert, der mit massiven Holzbalken auf gemauertem Sockel errichtet ist. Diese ursprüngliche Aufteilung von muralem Erd- und hölzernem Obergeschoss wird innen wie aussen übernommen. Die innen gedämmten Steinmauern im Sockelgeschoss sind mit Lehmplatten verkleidet und mit einem sandig eingefärbten Lehmputz abgeglättet. Das ganze Obergeschoss besteht aus Schweizer Weisstanne, in massiven Blockholzplatten vorfabriziert, montiert und roh belassen. Der originale Wohnteil erhält mit diesem Einbau eine zeitgemässe Ergänzung aus dem 21. Jahrhundert, die sich gegen aussen nur minimal artikuliert und sich innen trotz moderner Bauweise mit vorwiegend einheimischen, natürlichen Materialien an der Bauweise des ursprünglichen Hauses orientiert.
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Das Bauernhaus liegt behutsam eingebettet in die vorhandene Topografie. Dies erforderte bei allen Massnahmen im Aussenraum eine gewisse Zurückhaltung, um das landwirtschaftliche Erscheinungsbild nicht zu stören. Der Entwurf konzentriert sich auf den Einbau der Wohnung innerhalb der gegebenen Gebäudeabmessungen unter dem durchlaufenden First. Auffällige Gestaltungen im Aussenraum wurden vermieden. Wie bisher führt die Wiese bis direkt an das Haus. Der Unterstand baut auf der Konstruktion des ehemaligen Mistplatzes auf und bildet auf der Zugangsseite des Gebäudes einen gefassten Aussenraum. Wie innen, fanden auch aussen natürliche Materialien Verwendung, die sich am bestehenden Bauernhaus orientieren.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Wir stellen erfreut fest, dass es in der Schweiz eine Tendenz weg von Hightech hin zu Lowtech und einer Orientierung am Fundus historischer, bewährter Bauweisen gibt. Energetische, konstruktive und gestalterische Anforderungen müssen immer in einer Gesamtbetrachtung beurteilt werden und im besten Fall zu einer Einheit finden. Bei diesem qualitätvollen Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert würde beispielsweise eine Solaranlage auf dem Dach das baukulturelle Erbe und die Einbindung in das Landschaftsbild stark beeinträchtigen. Hier wurde für die Heizung und das Warmwasser an die bestehende Fernheizung einer Sägerei angeschlossen und dadurch lokale, nachwachsende Ressourcen genutzt. Anstelle einer kontrollierten Lüftung helfen die gesunden, speicherfähigen Materialien, ein gesundes Raumklima zu schaffen.
Erdgeschoss und Umgebung
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Der Einsatz von Blockholzplatten aus Schweizer Weisstanne und der Lehmputz prägen den Innenraum und verstärken durch die einheitliche Materialisierung die räumliche Wirkung. Die hohe Qualität der Handwerkskunst bringt das Potential des Materials voll zur Geltung.
Obergeschoss
Längsschnitt
Westfassade
Partner Bau der Woche
Umbau Bauernhaus Wattenwil
2016

Bern

Nutzung
Wohnhaus

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
Privat

Architektur
Johannes Saurer Architekt BSA,
Thun BE

Projektleiter
Bruno Stettler, in Zusammenarbeit mit Matthias Rindisbacher Architektur und Denkmalpflege, Bern BE

Fachplaner
Indermühle Bauingenieure, Thun BE

Massgeblich beteiligte Unternehmer
Holzbau: Gfeller Holzbau GmbH,
Worb BE
Lehmputz: Peter Spring AG,
Thun-Gwatt BE

Fotos
Christine Blaser, Bern BE