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Die Kita als Krönchen des Quartiers

Büro B haben kürzlich eine Kindertagesstätte in Bern fertiggestellt. Robert Braissant wählt drei Zeichnungen und drei Fotos und beantwortet unsere fünf Fragen.
Ansicht Norden
Ansicht Norden
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?

Primär interessierte uns, dem Ort durch eine spielerische Form Identität zu verleihen und zugleich den Auftakt des Siedlungsraums einzuleiten. Für Kinder zu bauen und eine Umgebung zu schaffen die Ihnen Raum lässt war eine besondere Aufgabe.
Situation
Situation
Wie würden Sie den durchlaufenen Entwurfsvorgang beschreiben?

Gleichzeitig spielerisch und aufwendig, da eine neuartige Konstruktionsweise und ein hoher Kostendruck vorausgingen.


Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das neue Stadtquartier „Schönberg-Ost“ liegt an dominierender Lage auf der höchsten Hügelkuppe der Stadt Bern. Angrenzend an den öffentlichen Quartierpark wurde das Quartierhaus mit Kindertagesstätten und Gemeinschaftsraum erstellt. Von aussen präsentiert sich der eingeschossige Bau als vielfach geknickte Holzschatulle mit reich profilierter Holzfassade. Die komplexe Geometrie gliedert das grosse Volumen, lässt es kompakter erscheinen und verleiht ihm einen leichten Ausdruck. Die Gebäudehülle besteht aus mehreren Schichten unterschiedlich tiefer und breiter Holzlamellen, deren leicht changierende Farbtöne den Fassaden eine ungewöhnliche Tiefe verleihen.
Gruppenraum
Gruppenraum
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?

Die Kindertagesstätte ist als zellulare Raumstruktur ohne Korridore konzipiert, so dass die Grenzen der Betreuungsgruppen frei definiert werden können, was neben dem Vorteil grundsätzlicher Flexibilität auch erlaubt, die im Tagesverlauf schwankende Anzahl Kinder mit weniger Personalaufwand zu betreuen. Das Innere des Kinderhauses gliedert sich in zwei stimmungsmässig sehr verschiedene Raumtypen: Zwischen vier massiven Holzschiffen mit kleinkammerigen Infrastruktur- und Ruheräumen entstehen drei amorphe Zwischenräume, deren mäandrierende Gestalt Zonen mit unterschiedlichen räumlichen Qualitäten für Essen, Spielen und Rückzug generiert. Holz als dominierendes Konstruktionsmaterial ist überall sichtbar, mit Ausnahme des Inneren der Holzschiffe, das vollständig in Limettengrün getaucht ist, was ihre Introvertiertheit verstärkt und ihnen eine märchenhafte Stimmung verleiht.
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Schnitt
Schnitt
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?

Die komplexen Geometrien wurden in dieser Form erstmalig in der Schweiz in Massivholzbauweise erstellt. Dank CNC-Vorfertigung liessen sich auch polygonale Raumbildungen exakt und kostengünstig umsetzen. Die Massivholzmauern bestehen aus unbehandeltem Holz aus der Region. Bei der Herstellung wurden Seiten-Bretter, welche beim Erzeugen von Balken anfallen, ohne Kleber und Schadstoffe mittels Metallstiften miteinander vernagelt. Dadurch weist der Bau eine besonders gute Öko- und Grauenergiebilanz auf. Die massive Holzbauweise reguliert durch ihre große Masse zudem die Luftfeuchtigkeit und gleicht Temperaturschwankungen auf natürliche Weise aus.


Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritiken!
Bewegungsraum
Bewegungsraum
Quartierhaus
2010

Bern BE

Bauherrschaft
Burgergemeinde Bern, Domänenverwaltung

Auftragserteilung
Direktauftrag

Architektur
Büro B Architekten und Planer AG, Bern
Dan Hiltbrunner, Robert Braissant, Michael Schmid, Christopher Berger, Jens Gatellier, Corina Schneider, Bernard Cormier, Uwe Baumann, Jonas Haldemann

Fachplaner
HLKSE: Roschi + Partner, Bern
Raumplanung: Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten, Bern
Bauphysik: Grolimund & Partner AG, Bern
Zeltner Ingenieure, Belp

Bauleitung
Rykart Architekten und Planer AG, Gümligen

Gebäudekosten BKP 2
CHF 1.7 Mio

Fotos
Alexander Gempeler

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