Springende Sportbälle

L3P haben kürzlich Mehrzweck-Sporthallen in Niederglatt fertiggestellt. Boris Egli wählt drei Zeichnungen und drei Fotos und beantwortet unsere fünf Fragen.
Sportplatzfassade
Was hat Sie an der Bauaufgabe am meisten interessiert?

Die Zentrumsanlage Eichi aus Oberstufenschule, Sporthalle, Gemeindehaus, Kirche und Altersheim wurde 1985 durch den Architekten Walter Schindler erbaut. Dazu kam im Jahr 2007 der Anbau des neuen Schulhaustraktes durch unser Büro, welcher städtebaulich die Hofsituation des Schulteils weiter verstärkte. Auf diesem Areal nochmals weiterbauen zu dürfen, war für uns besonders interessant.  Städtebaulich konnten wir durch unseren Erweiterungsbau den Sportplatz mit den Mehrzweck-Sporthallen stärker verbinden und gegenseitige Sicht-und Nutzungsbezüge herstellen. Die innere Struktur besteht aus einer zweigeschossigen dienenden Raumschicht an der Westseite und den nach Osten anschließenden Hallen. Auf der Längsseite des neuen Turnhallenanbaus ist eine Bühne angeordnet.
Situation
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das bestehende Zentrum Eichi besticht durch die Komposition und das schnörkellose Zusammenspiel der einfachen verputzten Kuben. Die GFK-Fassade hat im Gegensatz zum groben Verputz eine Struktur im Material selbst, beide Materialien reagieren sehr stark auf die Lichtverhältnisse.  Im Sinne einer Weiterführung sahen wir die Wiederverwendung dieses Fassadenmaterials von unserem Schulhauserweiterungsbau auch für den Mehrzweck-Sporthallenerweiterungsbau. Mit einem neuen Farbton wird das bestehende Farbkonzept mit den warmen Tönen in Richtung orange-rötlich des ganzen Zentrums Eichi weitergeführt und ergänzt.
Sporthalle innen
Haben aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die Bauträgerschaft oder die Bedürfnisse der späteren NutzerInnen den Entwurf entscheidend beeinflusst?

Das Raumprogramm mit den Bedürfnissen der späteren unterschiedlichen Nutzern hat den Entwurf entscheidend beeinflusst. Das neue, zweigeschossige Foyer ist auf den Außensportplatz ausgerichtet und großzügig verglast. Toiletten, Office und Aussengeräteraum sind im Erdgeschoss konzipiert und auch von aussen zugänglich. Die Garderoben und Duschen befinden sich im Obergeschoss und sind über einen zur Halle offenen Gang, der auch als Zuschauergalerie genutzt werden kann, erschlossen. Brandschutztechnisch werden Halle und neue Zugänge als ein Brandabschnitt konzipiert. Dies ermöglicht eine äusserst variable Nutzung – wie der Name „Mehrzweckhalle“ es auch fordert. Sämtliche Bereiche werden direkt nach aussen entfluchtet. Im 1.OG wird mit einer 2. Korridorschicht diese Entfluchtung nach Süden ermöglicht. Gleichzeitig bringt die Möglichkeit der Abtrennung einen Zusatznutzen für Künstlergarderoben bei Theaterbetrieb, welche über eine interne Treppe direkt mit der Bühne verbunden sind. Ein weiterer Vorteil der vorgelagerten Raumschicht ist die resultierende Intimität für die Nutzer der Garderoben.
Grundriss OG
Wie ist das Verhältnis des Entwurfs zum vollendeten Bauwerk? Gab es bedeutende Projektänderungen oder veränderte ein Lernprozess das architektonische Ziel?

Der Entwurf wurde ohne wesentliche Veränderungen realisiert. Ein klares Konzept hat von Beginn an geholfen, uns auf das wesentliche zu konzentrieren. Dies hat den Entwurf entscheidend mitgeprägt.
Fassaden
Stehen andere Projekte in Eurem Büro an, die von diesem Projekt in irgend einer Weise beeinflusst werden?

Der Sporthallenanbau vom Landheim in Brüttisellen, der fast zeitgleich zur Mehrzweckhalle realisiert wurde. Auch hier beschäftigte uns die Kombination Sichtbeton und Seekiefersperrholz, diesmal aber nicht im Rauminnern sondern nach Konstruktionsschicht getrennt: aussen der harte Panzer und innen der warme Kern.
Zuschauergalerie
Wir freuen uns über Ihre Anregungen, Kritiken und Kommentare

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Mehrzweck-Sporthallen
2010

Niederglatt

Bauherrschaft

Gemeindeverwaltung Niederglatt

Auftragserteilung
eingeladener Wettbewerb

Architektur und Bauleitung
L3P Architekten AG FH SIA, Regensberg ZH
Projektverantwortlich: Boris Egli dipl. Arch. FH; Martin Reusser dipl. Arch. FH; Markus Müller dipl. Arch. FH

Fachplaner
Farbgestalter: Beat Soller, Zürich

Bauingenieur: Schiavi Partner Ingenieure AG, Bülach ZH; Lucio Schiavi + Bülent Sünbül

Elektroingenieur: Schmidiger+Rosasco AG, Zürich ZH; Jean-Pierre Felder

Bauphysik: Wichser Akustik & Bauphysik AG, Zürich ZH; Stephan Huber

Gebäudekosten BKP 2
3.75 Mio

Gebäudevolumen
6250 m3

Kubikmeterpreis
600.- Fr./m3

Energiestandard
Zürcher Energiegesetz

Fotos
Vito Stallone