Ein Ladenlokal wird zum Ort für Kinder

Bischof Föhn Architekten
7. d’octubre 2023
Blick vom Eingangsbereich in den Aufenthaltsraum der neu geschaffenen Betreuungseinrichtung. Bischof Föhn Architekten haben die Räumlichkeiten mit einfachen Mitteln, aber sehr präzisen Eingriffen umgestaltet. (Foto: Simon Fässler)
Herr Bischof, Herr Föhn, worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Norbert Föhn: Für die schulergänzende Betreuung benötigt die Stadt Zürich dringend Räumlichkeiten. Dabei werden für eine begrenzte Zeit auch Einmietungen in Privatliegenschaften geprüft. Im Wohngebäude an der Witikonerstrasse 264 bestand die Möglichkeit, eine ehemalige Verkaufsfläche mit Aussenraum zu mieten und für mindestens zehn Jahre in eine Betreuungseinrichtung umzubauen. Diese umfasst einen Hauptraum für die gemeinsame Mittagsverpflegung und den Aufenthalt, kleine Lesenischen, eine Garderobe, eine Zahnputzstation, Toiletten und Lagerflächen. Die Herausforderung für uns bestand darin, die einstige Verkaufsfläche mit einfachen Mitteln und möglichst geringen Eingriffen kindgerecht und wohnlich umzugestalten. 

In diese Schrankwand wurden die Küche, ein Lagerraum und der Zugang zum Toilettenbereich integriert. (Foto: Simon Fässler)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Stephan Bischof: Die grosse zusammenhängende Raumfläche und die riesigen Schaufensterscheiben boten gute Voraussetzungen für die geplante Umnutzung. Wir haben mit dem Einbau nicht raumhoher Garderoben- und Regalelemente auf die nur einseitige natürliche Belichtung reagiert. Zudem konnten wir so eine Zonierung schaffen, ohne die Grosszügigkeit des Raumes zu mindern. Die Fensterbänke entlang der grossen Schaufensterscheiben haben wir verbreitert. So nutzen wir das Tageslicht optimal aus und laden die Kinder zum Lesen und Spielen ein.

Der Aufenthaltsbereich zeichnet sich durch freundliche Farben aus. Die verwendeten Materialien erzeugen eine behagliche Atmosphäre, und die Garderoben- und Regalelemente gliedern den Raum, ohne ihn beengt wirken zu lassen. (Foto: Simon Fässler)
Auch für den Zahnputz- und Toilettenbereich wurde eine eigene Farbpalette entwickelt. (Foto: Simon Fässler)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Norbert Föhn: Der ehemalige Verkaufsraum mit seiner grossen Raumtiefe wirkte aufgrund der dunklen Materialien düster und schwer. Für die neue Nutzung haben wir versucht, mit zarten Farbtönen, die zum Holzton der Einbauten passen, Helligkeit und Frische in den Raum zu bringen. Dass die Farbkomposition und Beleuchtung bei den Kindern allenfalls Assoziationen an eine Eisdiele oder ein Zirkuszelt hervorrufen, ist durchaus beabsichtigt. 

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Stephan Bischof: Grössere Projektänderungen gab es kaum. Dafür erlebten wir aber während des Umbaus einige Überraschungen, auf die wir uns einlassen mussten. Nebst den zahlreichen behördlichen Auflagen, die eine Umnutzung bezüglich Brandschutz, Behindertengerechtigkeit, Lüftung, Arbeitshygiene und dergleichen mit sich bringt, war der Zustand der Beton-Rippendecke, die unter der bestehenden Akustikdecke aus Gipsplatten zum Vorschein kam, sehr viel schlechter als angenommen. Durch Sondagen nicht erkennbare Abplatzungen und eine zu geringe Betonüberdeckung über den Armierungseisen führten dazu, dass die Rippendecke nicht wie geplant sichtbar belassen werden konnte. Sie musste stattdessen aufwendig reprofiliert und mit einer Brandschutzdecke ergänzt werden. Die länglich zugeschnittenen und in Feldern angeordneten Akustikplatten zeichnen heute die regelmässige Struktur der dahinter verborgenen Rippendecke nach.

Blick in die Lesenische am Fenster (Foto: Simon Fässler)
Durch den verbreiterten Fenstersims entlang des grossen Schaufensters wird der Tageslichteinfall sehr gut ausgenutzt. Zudem dient er als Lese- und Spielnische. (Foto: Simon Fässler)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten Ihres Büros ein?


Norbert Föhn: Im Laufe unseres Rahmenvertrags mit der Stadt Zürich konnten wir eine Reihe von Kleinprojekten im Bereich von Kindergärten und Betreuungseinrichtungen in bestehenden Gebäuden realisieren. 

Mit Schulbauten beschäftigen wir uns in unserem Büro in unterschiedlichen Massstäben. Neben dem Bauen im Bestand interessieren uns auch der Neubau sowie alle Mischformen. Das Spannende an diesem wie auch den anderen Kleinprojekten war sicher der limitierte zeitliche Rahmen, in dem die Projekte aufgrund des dringenden Bedarfs an Betreuungsplätzen abgewickelt werden müssen. Von der Erstbesichtigung bis zum Bezug verging in diesem Fall weniger als ein Jahr – inklusive der Klärung des Mietverhältnisses, des behördlichen Bewilligungsverfahrens und der Genehmigung des Ausführungskredits. Wir sahen das Projekt praktisch täglich wachsen, nicht zuletzt, weil wir auch für die Kostenplanung und die Bauleitung verantwortlich waren. 

Der Eingang zur wohnlich beleuchteten Betreuung «Am Guggenberg» (Foto: Simon Fässler)
Grundriss (© Bischof Föhn Architekten)
Von oben nach unten: Ansichten von Küche und Gang (© Bischof Föhn Architekten)
Bauwerk
Betreuung «Am Guggenberg» 
 
Standort
Witikonerstrasse 264, 8053 Zürich
 
Nutzung
Kinderbetreuung / Hort
 
Auftragsart
Rahmenvertrag AHB Stadt Zürich
 
Bauherrschaft
Immobilien Stadt Zürich, c/o Amt für Hochbauten Stadt Zürich
 
Architektur
Bischof Föhn Architekten, Zürich
Projektleiter: Lukas Hegglin
Mitarbeiterin: Sarah Gemoll 
Bauleitung: Stefanie Plievier 
 
Fachplaner 
Bauingenieur: Heierli AG, Zürich
HLKS: Gruenberg+Partner AG, Zürich
Bauphysik: Aik, Kurt Ritter, Zürich
 
Fertigstellung
2022
 
Gesamtkosten BKP 1–9
CHF 0.8 Mio.
 
Gebäudekosten BKP 2
CHF 0.6 Mio.
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeister: BWT Bau AG, Zürich
Heizung und Lüftung: Elsener Klima AG, Adliswil
Elektro: Züri Elektro AG, Zürich
Malermeister und Gipser: Agosti AG, Zürich
Schreiner: Bau- und Holzwerker AG, Zürich
 
Fotos
Simon Fässler, Zürich

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