Haus am Buechberg

kit
23. de setembre 2021
Foto: Ruedi Walti

Andreas Schelling berichtet, wie das Team von kit ein historisches Bauernhaus in Thal behutsam saniert und mit grossem Flair für Materialien und Handwerk umgebaut hat.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Das Haus am Buechberg in Thal lebt von seiner 300-jährigen Geschichte. All die Besitzer und Bewohner haben ihre Spuren hinterlassen. Mit viel Neugier und Entdeckungslust haben wir uns – zusammen mit der Bauherrschaft, den Behörden und den Fachplanern – dem spannenden Haus und seinen unterschiedlichen Schichten gewidmet. Unser Ziel war es, möglichst viel von der Originalsubstanz zu erhalten und sichtbar zu machen. Ausserdem sollte das alte Bauernhaus in zwei neue und den heutigen Bedürfnissen entsprechende Wohneinheiten transformiert werden.

Foto: Ruedi Walti
Foto: Ruedi Walti
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Materialisierung und Gebäudevolumetrie wurden durch das bestehende Haus und die umliegenden Gebäude des geschützten Weilers geprägt. Fassadengliederung und -bekleidung greifen den funktionalen Ausdruck der lokalen Ökonomiegebäude auf. Die neue Fassade wurde als vertikale Deckleistenschalung erstellt. Vor- und Rücksprünge unterteilen sie in wenige grossflächige Felder. Einige davon enthalten Fenster mit speziellen Schiebeläden aus Holz. Letztere dienen als Beschattung und Sichtschutz. Sie erinnern in geschlossenem Zustand an das ursprüngliche Aussehen des Bauernhauses. Die Fassade des bestehenden Wohnhauses blieb unverändert – bis auf den Einbau der Haustür an einer Stelle, wo sich früher ein Fenster befand.

Foto: Ruedi Walti
Foto: Ruedi Walti
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Es gab laufend Änderungen. Aufgrund der Kosten wurden verschiedene Bearbeitungstiefen evaluiert. Ob die Scheune sowie der Schuppen an- und ausgebaut werden sollten oder wir doch nur das bestehende Wohnhaus renovieren, musste nach dem Bauprojekt noch einmal diskutiert werden. Zudem mussten nach den Abbrucharbeiten erhaltenswerte Elemente aufgrund ihres Zustands neu beurteilt und ersetzt werden. So konnte zum Beispiel das ursprüngliche Konzept, in den beiden Anbauten jeweils eine renovierte Strick- respektive Bohlenwand des bestehenden Wohnhauses sichtbar zu machen, nicht umgesetzt werden. Die Bohlenwand musste ersetzt werden, da sie vom Holzwurm zerfressen war und für die statischen Anforderungen eigentlich ohnehin schon immer die falsche Konstruktion darstellte.

Foto: Ruedi Walti
Foto: Ruedi Walti
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Wie alle unsere Bauten zeigt das Haus am Buechberg unser Interesse an klaren Grundrisskonzepten, die sich im Schnitt zu vielseitigen Raumkompositionen entwickeln. Der respektvolle Umgang mit dem ortsbaulichen Bestand ohne Anbiederung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Auch unsere Freude an der Arbeit mit rohen Materialien, die durch Oberflächenveränderungen den Alterungsprozess sichtbar machen, ist beim Haus am Buechberg erlebbar.

Foto: Ruedi Walti
Foto: Ruedi Walti
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Sandgestrahlter Beton, Kalkputz, aber vor allem Fichtenholz standen im Zentrum. Neben den Materialien spielte auch das Handwerk eine wichtige Rolle. Durch das Fachwissen und das Detailverständnis der beteiligten Unternehmer und Planer konnten Materialen ohne die üblichen 0815-Lösungen verbaut werden. Dank dem Holzzuschnitt vor Ort und Detaillösungen, die eins zu eins in mehreren Varianten getestet wurden, konnte zum Beispiel auf die vier bis acht Millimeter breiten Standardfugen bei den Übergängen zwischen Wänden und Decken sowie den Laibungen verzichtet werden. Das Holztäfer im Innern erscheint daher als monolithischer Verbund mit präzis ausgeschnitten Öffnungen.

Bei der Renovation des aufgrund der Topografie sehr hohen Sockels der Ostfassade aus verputztem Bruchsteinmauerwerk wurde beispielhaft der ursprünglichen Materialität und dem traditionellen Handwerk Rechnung getragen. Der Restaurator, Matthias Mutter aus Bad Ragaz, hat zunächst eine Untersuchung des Untergrunds, des Zustands von Putz und Mörtel sowie der bauphysikalischen Situation der unmittelbaren Umgebung beziehungsweise der hinter der Fassade liegenden Räume vorgenommen. Schliesslich wurde eine auf dieser basierende Putzrezeptur entwickelt, die aus Sumpfkalk, natürlichem hydraulischen Kalk und einem speziellen Sand mit «richtiger» Siebkurve besteht.

Situation
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt
Bauwerk
Haus am Buechberg
 
Standort
9425 Thal
 
Nutzung
Wohnhaus mit zwei Einheiten 
 
Auftragsart
direkt
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
kit, Zürich
Verfasser: Roman Loretan, Andreas Schelling und Gianet Traxler
Projektleitung: Simone Renfer
Mitarbeit: Caroline Wachtel
 
Fachplaner
Landschaft: PR Landschaftsarchitektur, Arbon
Holzbauingenieur und Bauphysik: Josef Kolb AG, Romanshorn
Bauingenieur: Brühwiler AG, Wil
HLKSE-Ingenieur: Comoltech, Widnau
Elektroingenieur: Beratende Ingenieure Scherler AG, Winterthur
Energienachweis: IET Ingenieurbüro für Energietechnik, Rorschach
 
Baumanagement
Trunz + Wirth, Uzwil
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Energiestandard
GEAK B
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Baumeisterarbeiten: Hohl AG, Heiden 
Zimmermanns- und Schreinerarbeiten: Schmid Holzbau AG, Thal 
Holz-Metall-Fenster: Fenster Keller AG, Bütschwil 
Spengler- und Bedachungsarbeiten: Müggler & Co. Dach & Wand, Rheineck 
Äussere Verputzarbeiten: Atelier Matthias Mutter, Bad Ragaz
Innere Verputzarbeiten: Gipsergeschäft Kradolfer GmbH, Weinfelden 
Unterlags- und Hartbetonarbeiten: Walo Bertschinger AG, Wittenbach 
Gartenarbeiten: Rubin Gartenbau, Rorschach 
 
Auszeichnung
bestarchitects 21
 
Fotos
Ruedi Walti, Basel 

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