Modernisierte Postmoderne

Manuel Pestalozzi
29. d’agost 2019
Foto: Casalgrande Padana

Die Casa Baldi in Rom von Paolo Portoghesi und Vittorio Gigliotti wurde zwischen 1959 und 1961 realisiert. Sie gilt als frühes Beispiel einer postmodernen Architektur. Paolo Portoghesi hat die kleine Villa nun zu einem «Creative Centre» des Feinsteinzeug-Herstellers Casalgrande Padana umgebaut.

Die mittlerweile von dichtem Grün umgebene Villa steht auf einer Anhöhe über dem Tiber an der nördlichen Peripherie der Ewigen Stadt. Gleich unterhalb führt die antike Via Flaminia dem Ufer des Flusses entlang. Der Bauherr Gian Vittorio Baldi war ein bedeutender Regisseur, der auch die frühen Filme von Pier Paolo Pasolini produzierte. Er wünschte sich ein kleines, günstiges Wohnhaus.

Planausschnitt: Casalgrande Padana

Das polygonale Gebäude mit seiner konkaven Tuffsteinfassade und zahlreichen Stilzitaten wurde schon zu seiner Entstehungszeit als innovatives Architekturmanifest wahrgenommen. Portoghesi liess sich stark vom Bauplatz inspirieren; von einem Tuffsteinfelsen, einer unerforschten, stark verwitterten römischen Grabstätte und der Geschichte, die in der Nähe eine epische Schlacht zwischen Konstantin und Maxentius rapportiert. Eine Rolle spielte auch eine gestalterische Krise unter den Architekt*innen, nachdem die Propagierung einer Organischen Architektur durch den bekannten Historiker Bruno Zevi angestrengt worden war und keine befriedigende Resultate hervorgebracht hatte. Das Projekt sollte eine Aussage tätigen und einen neuen Aufbruch symbolisieren. Es löste ein kontroverses Echo aus. 

Foto: Casalgrande Padana

In einem kritischen Artikel zum Projekt in «L’architettura cronache e storia» wurde die Casa Baldi als «problematisches Gebäude» bezeichnet, als kleines Bauvorhaben, das Roms Architekt*innen perplex zurückliess und unter ihnen auf Ablehnung stiess. Denn einerseits schien es unter dem Einfluss von Raumgestaltungsprinzipien der Moderne zu stehen, insbesondere der räumlichen Manipulation, andererseits war es stark mit verschiedenen Stilzitaten aufgeladen, was man als «reaktionär» einstufte. Durch seine bewusste Zweideutigkeit verwickle das Haus seine Betrachter*innen in einen narrativen Prozess, in den sie miteinbezogen und selbst zu Autor*innen würden, so beschrieb es die Publikation.

Foto: Casalgrande Padana

Casalgrande Padana hat die Casa Baldi übernommen. Paolo Portoghesi (geboren 1931), der mit dem 1983 auf Deutsch erschienenen Buch «Ausklang der modernen Architektur: von der Verödung zur neuen Sensibilität» ein Schlüsselwerk zur postmodernen Architektur verfasste, wurde mit der Umgestaltung des Hauses zum «Creative Centre» des Unternehmens beauftragt. Es ist das dritte seiner Art in Italien und soll einerseits dem ungezwungenen kreativen Beisammensein dienen, andererseits auch die Produktpalette des Feinsteinzeug-Herstellers präsentieren. Die Eröffnung fand im Mai dieses Jahres statt.

Foto: Casalgrande Padana

Der betagte Architekt nahm sich der Aufgabe gerne an. «Die Idee, das Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen, hat mich begeistert», sagte Paolo Portoghesi archiportale.com. Auch an der Verwendung von Casalgrande-Produkten, die attraktiver und robuster als Natursteine seien, hatte er nichts auszusetzen. Sein Ziel war es, in dialektischer Weise die Wünsche der neuen Besitzerin und die Vergangenheit als kleines Wohnhaus zusammenzuführen.

Foto: Casalgrande Padana

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