Von der Kaserne zum Bildungszentrum

Ulf Meyer
1. de març 2023
Zürichs einstige Militärkaserne soll in ein Bildungszentrum verwandelt werden. Ein Atrium mit gläsernem Aufbau wird die Räumlichkeiten heller machen. (Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich)

Das denkmalgeschützte Kasernenareal an der Sihl befindet sich zwar an bester Lage im Zentrum Zürichs, doch es befand sich über Jahrzehnte in einem Dornröschenschlaf. Die weitläufige Anlage im Stadtkreis 4 besteht aus der einstigen Militärkaserne an der Sihl, der kleineren Polizeikaserne, dem provisorischen Polizeigefängnis (Propog) an der Zeughausstrasse und den Zeughäusern an der Kanonengasse. Der Tradition barocker Schlösser folgend, wurden Ställe, Hauptgebäude, Exerzierwiese und Zeughäuser parallel zueinander angeordnet.

Die Entwicklung des Kasernenareals, ein gemeinsames Projekt von Kanton und Stadt Zürich, war eine schwere Geburt: Schon vor rund fünfzig Jahren entschied das Zürcher Stimmvolk, seine Rekruten ins Reppischtal zu verlegen. Vor zehn Jahren wurde dann entschieden, die ehemalige Kaserne für einen gemeinnützigen Zweck umzubauen. Vor drei Jahren schliesslich liess der Kanton wissen, dass er auch das angrenzende Zeughausareal an die Stadt verkaufen wird. Damit eröffnete sich Zürich die Chance auf ein neues Stadtviertel im Zentrum.

Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich
Die Militärkaserne wird Raum für die Ausbildung von 850 Studierenden bieten. (Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich)
Aus der Kaserne wird ein Bildungszentrum

Nach dem Umzug der Kantonspolizei in das neue Polizei- und Justizzentrum, das von Theo Hotz entworfen wurde, wird die ehemalige Militärkaserne nun für 58 Millionen Franken zum Bildungszentrum für Erwachsene (BiZE) umgebaut. Künftig werden dort eine Maturitätsschule und eine Berufsschule zur Weiterbildung Platz finden. 

Die Umnutzung der 120 Meter langen Militärkaserne wurde 2016 im Masterplan «Zukunft Kasernenareal Zürich» festgelegt. Der Regierungsrat hat nun 180 Millionen Franken für die Instandsetzung des ganzen Areals bewilligt. Drei Jahre nach dem Baustart, der 2024 erfolgen soll, wird das Gebäude 2027 in seiner neuen Funktion für 850 Studierende wieder in Betrieb genommen werden. Der Entwurf für den Umbau stammt vom Büro Spillmann Echsle Architekten, das den entsprechenden Architekturwettbewerb gewonnen hat. Dessen Team ist unter anderem für den Freitag-Tower im Stadtkreis 5, den temporären Konzertsaal der Zürcher Tonhalle auf dem Maag-Areal und den neuen Hauptsitz der Sportfirma On Running bekannt.

Die architektonischen Eingriffe in die einstigen Schlafsäle der Soldaten für den Schulbetrieb sind subtil. Nur dort, wo grössere Räume erforderlich sind, werden Änderungen an der Baustruktur vorgenommen. Die Fassade des historischen Sandsteinbaus wird renoviert und besser isoliert, und die Heizungsanlage möchte man auf Fernwärme umstellen. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage errichtet. 

Aus der früheren Offizierskantine wird ein öffentliches Restaurant. (Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich)
Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich

Das Atrium im Mitteltrakt erhält nach dem Entwurf von Spillmann Echsle einen gläsernen Dachaufbau, durch den Tageslicht in alle Ebenen dringt. Das Erdgeschoss soll öffentlich genutzt werden. Vorgesehen sind Flächen für Gastronomie, Kleingewerbe, Märkte und Ausstellungen. Ausserdem ist ein Mehrzwecksaal für 300 Personen geplant. Die ehemalige Soldaten- und Offizierskantine wird instand gesetzt und als Restaurant der Öffentlichkeit und den Schülern offenstehen. 

Gewerbe und Kultur in der Polizeikaserne

In der Polizeikaserne wurden nach der Eröffnung des Polizei- und Justizzentrums Flüchtlinge untergebracht. Die Stadt möchte den Bau zukünftig für Gewerbe und Kultur nutzen. Die grosse Kasernenwiese davor steht der Bevölkerung zur Verfügung – auch als Hunde- und Zirkuswiese. Deswegen regt sich bereits Kritik, einige Anwohner befürchten sogleich, die Grünfläche könnte zur Hundewiese verkommen. Das provisorische Polizeigefängnis (Propog) indes wird im Frühling abgerissen. 

Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich
Gesucht: Konzept für die künftige Nutzung der Zeughäuser

Der nächste Schritt wird die Sanierung der Zeughäuser sein, die 1869 nach den Plänen von Johann Caspar Wolff gebaut worden waren. Für den neuen Betrieb, der 2031 beginnen soll, erstellt die Stadt Zürich derzeit ein Konzept. Bis die Bauarbeiten beginnen, können die derzeitigen Zwischenmieter bleiben. Im Haus Kasernenstrasse 25, das früher besetzt war und inzwischen geräumt wurde, sind Schulungsräume für Flüchtlinge geplant. Der Zaun, der das Gelände auf der Sihlseite zur Strasse hin begrenzt, bleibt bestehen. Er erinnert an die militärische Vergangenheit der Anlage.

So soll die Militärkaserne ab 2027 aussehen. (Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich)
Auf der Kasernenwiese sollen alle ihre Freizeit geniessen können. (Visualisierung: © Baudirektion Kanton Zürich)

Grundsätzlich sollen die Nutzungen auf dem Areal gemeinwohlorientiert und wandelbar sein. Temporäre Attraktionen, ein Pop-up-Freibad auf der Wiese etwa, sind für den Sommer 2024 geplant. Den Zeughaushof und die Kasernenwiese wollen die Projektverantwortlichen zu «Freizeitorten und Freiräumen» für alle machen.

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