Umbau eines Stadthauses Baujahr 1879, Basel, 2017

Ein Bau geschichtet

Forsberg Architekten AG
8. Juni 2017
Strassenansicht. Bild: Tom Bisig
Forsberg Architekten AG haben kürzlich den Umbau eines Stadthauses in Basel abgeschlossen. Magnus Forsberg, Malin Lindholm und Malte Beutler stellen sich unseren Fragen.
Nutzung Zweifamilienhaus
Auftragsart direkt
Bauherrschaft privat
Architektur Forsberg Architekten AG, Basel, BS
​mit Magnus Forsberg, Malin Lindholm und Malte Beutler
Fachplaner SO Bauingenieure GmbH, Basel, BS
Jahr der Fertigstellung 2017
Massgeblich beteiligte Unternehmer Abbruch und Baumeister: Morath + Crottaz AG, Allschwil, BL | Montagebau Beton: Betonfertigteile Spürgin Gmbh, Tenningen, DE | Zimmermann, Treppen, Dacheindeckung: Hürzeler Holzbau AG, Magden, BL | Bestandsfenster: Holzmanufaktur Swiss AG, Hunzenschwil, AG / Rottweil, DE | Holzfenster, Schreiner, Türen: Stich Schreinerei AG, Kleinlützel, SO | Spengler, Flachdach: Tecton Fladag AG | Gipser, Aussenputz, Maler, Fliesen: Bistra Bau GmbH, Riehen, BS | Sonnenschutz: Rolladen AG + Schenker Storen AG | Elektriker: Morisset + Partner GmbH, Basel, BS | Lüftung, Heizung: Rosenmund Haustechnik AG, Basel, BS | Sanitär: Graf GmbH, Kandern, DE | Metallbau: Weiland AG, Basel, BS | Estriche: Marrer AG | Parkettarbeiten: BBS AG, Pratteln, BL | Garten: Schneider Gartengestaltung AG, Oberwil, BL
Fotos Tom Bisig, Basel
 
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das Haus wurde 1879 am Auberg, der als Boulevard konzipiert worden ist, erbaut und diente fünf Generationen der bekannten Fotografenfamilie Höflinger als Wohn- und Arbeitsstätte. Es wurde von 1912 an sukzessive den räumlichen Bedürfnissen der Fotografen angepasst, indem hofseitig Flügel angebaut und aufgestockt wurden. Wir fanden das Haus in einem sehr ambivalenten Zustand vor: Einerseits verfügte es strassenseitig über eine recht gut erhaltene und sehr repräsentative Originalsubstanz, andererseits war es rückseitig kleinteilig und mehrfach an- und umgebaut, teils gar baufällig.
Hoffassade. Bild: Tom Bisig
Natürlich verfügen die meisten bürgerlichen Bauten des 19. Jahrhunderts gerade in der Stadt über diese zwei Seiten, die dem starken Repräsentationsbedürfnis und einer ökonomischen Pragmatik geschuldet waren. Sind Bauten unter Denkmalschutz, bleiben auch diese Unterschiede unverändert, man nimmt die damit einhergehenden gestalterischen, räumlichen und wohnhygienischen Nachteile in Kauf. Wir hatten hier die Ausgangslage, eine Konzeption ohne behördliche Einschränkungen der Denkmalpflege ausarbeiten zu können und konnten die Bauherrschaft davon überzeugen, anstatt einer Entweder-Oder-, einer Sowohl- Als-Auch-Lösung den Vorrang zu geben.
Erweiterung im Erdgeschoss. Bild: Tom Bisig
Übergang im 1. Obergeschoss. Bild: Tom Bisig
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Mit der gleichen Pragmatik, mit der sich damals die Hof- von der Strassenseite unterschied, entwickelten wir die Erweiterung. Die Hoffassade wird nicht von aussen gedacht, sondern ist mit ihrer asymmetrischen Teilung das Abbild unterschiedlich gelagerter Zimmer, die sich Treppen und Hallen anfügen. Zusammen bilden sie im gesamten Haus eine Sequenz von Räumen, die die Schnittstellen zwischen Bestand und Neu verwischt.
Schnitt
Erdgeschoss
Auch die Schnittfigur wurde aus diesem Verständnis heraus entwickelt. Sie kommt dem heutigen Bedürfnis entgegen, unterschiedlichen Funktionen unterschiedlich hohe Räume zuzuordnen und vermittelt zwischen den vorgefundenen Niveaus, zwischen Alt und Neu. Die früheren kleinteiligen Zimmer zum Hof sind neu durch ansprechend proportionierte Wohnräume ersetzt worden.
 
Es entstand ein Anbau, der trotz seiner neuen Struktur zusammen mit dem Bestand ein Ganzes bildet, bei dem keine Hälfte mehr ohne die andere gedacht werden kann. Unterstützt wird dies durch die Ausgestaltung vieler Bauteile in einer zeitlich nicht eindeutig zuordenbaren Art. Ausgangspunkt und Inspirationsquelle war somit in erster Linie das Haus selber. Je länger wir uns mit der Substanz beschäftigten, desto mehr entwickelten sich die Antworten logisch aus dem Vorgefundenen.
Der Salon im 1. Obergeschoss. Bild: Tom Bisig
Übergang im 2. Obergeschoss. Bild: Tom Bisig
Erweiterung im 2. Obergeschoss. Bild: Tom Bisig
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Der Entwurfsprozess nahm relativ viel Zeit in Anspruch, in der wir sehr unterschiedliche Ansätze zum Umgang mit dem Bestand testeten. Im Zweifelsfall haben wir uns immer für die zurückhaltendere Lösung entschieden und vorhandene Qualitäten erhalten, wo nötig rekonstruiert und mit Neuem ergänzt.
Das neue Dachgeschoss. Bild: Tom Bisig
Beispiel eines Badezimmers. Bild: Tom Bisig
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Die Auseinandersetzung mit erhaltenswerten Bauten ist ein wiederkehrendes Thema. Dabei gab es in früheren Projekten ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Gewissen, auch umfangreicheren Bauvorhaben von uns, sieht man die neuen Baumassnahmen gar nicht an. Manche Projekte inszenieren den Unterschied nur dezent, erst auf den zweiten Blick.
 
Hier am Auberg haben wir einen markanten, räumlich geprägten Ansatz zum Thema Erweiterung gewählt. Bei der Erweiterung einer Villa in Freiburg im Breisgau ist die Setzung der neuen Volumina in der Topografie entscheidend. Die Thematik der zwei Seiten bei Randbebauungen war schon beim Rotkreuzhaus in Basel Grundlage des Entwurfs.
Situationsplan

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