Auf der Mauer …

Schoch-Tavli Architekten
4. November 2021
Foto: Heinz Unger

Schoch-Tavli Architekten haben in Frauenfeld einen Kindergarten aus den 1970er-Jahren ersetzt. Florian Schoch erklärt, wie das Team dabei die Sprache des Vorgängerbaus aufgegriffen und den grösseren Neubau in die Umgebung eingebettet hat.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Der Doppelkindergarten Brotegg ersetzt einen eingeschossigen Kindergarten aus den 1970er-Jahren. Die räumlichen Bedürfnisse der Schule machten eine Vergrösserung des bestehenden Kindergartens notwendig. Aufgrund einer Machbarkeitsstudie wurde eine Erweiterung oder Aufstockung im Wettbewerb ausgeschlossen. Damit bestand die Herausforderung darin, das verdoppelte Volumen in die vorhandene Umgebungsstruktur einzufügen.

Südfassade (Foto: Heinz Unger)
Vorplatz (Foto: Schoch-Tavli Architekten)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Uns interessiert das Vorhandene. Beim Kindergarten Brotegg war es der Vorgängerbau in Verbindung mit der Umgebung. Geblieben ist der terrassierte Aussenraum mit der Durchwegung und der Materialität der Terrainwände. Daraus entwickelt sich das Sockelthema für das Erdgeschoss mit den rohen Bretterschalungen. Das Bänkli neben dem Eingang und die Leuchten im Treppenhaus stammen aus dem alten Kindergarten. Der architektonische Entscheid, die Aussenraumqualitäten mit dem Baumbestand und der Quartierverbindung zu erhalten, führte zur zweigeschossigen Typologie.

Fassadendetail (Foto: Heinz Unger)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Der Kindergarten ist nicht Teil einer Schulanlage, sondern liegt mittlerweile an einer begehrten Wohnlage mit Sicht über die Stadt Frauenfeld. Entsprechend ordnet sich das Volumen durch die vertikale Gliederung und die Staffelung im Grundriss in die Körnung der umgebenden Wohnbauten ein. Im Ausdruck vermittelt die zweigeschossige Gliederung trotz des grösseren Volumens eine vorhandene Massstäblichkeit. Uns war es ein zentrales Anliegen, für die Kinder mittels unterschiedlicher Aussenraumbezüge den Ort und die Jahreszeiten weiterhin erlebbar zu machen.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die Baukommission war fachlich gut aufgestellt und hatte bereits Erfahrungen mit Schulbauten. Entsprechend konnten wertvolle Erkenntnisse seitens der Kommission in den Wettbewerbsentwurf eingebunden werden.

Kindergarten im Erdgeschoss (Foto: Schoch-Tavli Architekten)
Garderobe im Obergeschoss (Foto: Heinz Unger)
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Ein zweigeschossiger Doppelkindergarten hat in einem Wettbewerb den strategischen Nachteil, dass sein Obergeschoss keinen direkten Zugang zum Aussenraum besitzt. Im Wettbewerbsvorschlag projektierten wir deswegen eine überdachte Laube für den oberen Kindergarten. Die Schule hat dies beim Start der Planung dann anders gewertet. Den Entwurf hat dieser Entscheid vereinfacht.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Der Bau ist unser zweiter Kindergarten. Auf Ende dieses Jahres wird unser drittes Schulgebäude fertiggestellt. In dieser Reihe interessiert uns die konzeptuelle Klarheit und eine konstruktive Stringenz.

Kindergarten im Obergeschoss (Foto: Schoch-Tavli Architekten)
Teamzimmer im Erdgeschoss (Foto: Schoch-Tavli Architekten)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Der Entscheid, das Thema der Terrassierungen weiterzuentwickeln, führten zur Verwendung von Beton als Baumaterial. Aus Rücksicht auf die Ökobilanz wurde bei sämtlichen Wänden Recyclingbeton verwendet.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Das Gebäude ist ein Beispiel für einen klassischen Hybridbau. Der ökologisch interessante Recyclingbeton trägt den modernen, vorfabrizierten Holzbau. Das macht beim Kindergarten Brotegg aufgrund der topographischen Lage Sinn und stiftet Identität.

Situation
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Längsschnitt
Bauwerk
Doppelkindergarten Brotegg
 
Standort
Weidweg 3, 8500 Frauenfeld
 
Nutzung
Kindergarten
 
Auftragsart
Studienauftrag
 
Bauherrschaft
Schulen Frauenfeld
 
Architektur
Schoch-Tavli Architekten, Frauenfeld
 
Fachplaner
Bau- und Holzbauingenieur: SJB Kempter Fitze AG, Frauenfeld
Bauphysik: zehnder & kälin ag, Winterthur 
HLKS: Amstein + Walthert AG, Frauenfeld
Elektroingenieur: Elektroplanung Beerli AG, Frauenfeld
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Gebäudekosten BKP 2
2,0 Mio.
 
Gebäudevolumen
2250 m3 (gemäss SIA 416)
 
Energiestandard
Minergie
 
Auszeichnung
best architects 2022
 
Fotos
Heinz Unger, Zürich, und Schoch-Tavli, Frauenfeld

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