Die Casa Malussi – eine alte Perle erstrahlt in neuem Glanz

Architekturbüro Iseppi
8. Juli 2021
Foto: Studio Gataric

Marco Ganzoni und sein Team durften das älteste Haus in Bondo sanieren und umbauen. Nun wird das geschichtsträchtige Bauwerk von der Stiftung Ferien im Baudenkmal genutzt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Die Casa Malussi, das älteste Wohnhaus im Bündner Dorf Bondo, hat Kriege, Dorfbrände und Bergstürze überdauert. Wir hatten das Privileg, das geschichtsträchtige Gebäude aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und ihm neues Leben einzuhauchen. Ein wesentlicher Teil der Arbeit bestand darin, die historische Bausubstanz freizulegen, zu stärken und einige Eingriffe aus den 1980er-Jahren rückzubauen. Die Herausforderung war, eine Balance zwischen historischer Bausubstanz und zeitgemässen Einbauten – der Küche und dem Bad etwa – zu finden.

Foto: Studio Gataric
Foto: Studio Gataric
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Ein grundlegender Gedanke unseres Entwurfs war, ortstypische und historische Elemente zu erhalten und neu zu interpretieren. Die dezenten Umbauten am Wohnhaus sollten die reduzierte und schlichte Materialisierung, die wir vor Ort vorgefunden haben, widerspiegeln. Alle neuen Bekleidungen wurden daher in Fichtenholz und rohem Stahl ausgeführt. Die Möblierung wurde hauptsächlich aus Kastanienholz gefertigt – in Anlehnung an die für die Gegend typischen Kastanienwälder.

Foto: Studio Gataric
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Die malerischen, gepflasterten Gassen von Bondo mit den massiven, aber schlichten Steinhäusern haben den Entwurfsprozess stark geprägt. Die ursprüngliche Pflasterung im Eingangsbereich der Casa Malussi und die zum Teil offenen Feuerstellen im Innern des Hauses entsprachen den (bau)kulturellen Gegebenheiten. Diese wurden erhalten und gestärkt. Die charakteristische Grundrissaufteilung der turmartigen Wohnbauten in der Region wurde bewahrt.

Foto: Studio Gataric
Foto: Studio Gataric
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die private Bauherrschaft wollte das Wohnhaus wiederbeleben und zugänglich machen. Durch die Zusammenarbeit mit der späteren Nutzerin, der Stiftung Ferien im Baudenkmal, konnte ein spannender Diskurs aufgebaut werden. Durch die Nutzung des Wohnhauses als vorwiegend sommerliches Ferienhaus konnten zum Beispiel die haustechnischen Anlagen stark reduziert werden, auf eine Zentralheizung wurde sogar gänzlich verzichtet. Das Gebäude wird mit den historischen Öfen und Feuerstellen durch Holzfeuerung beheizt.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Im Planerwahlverfahren wurde ein Nutzungskonzept für das leerstehende Wohnhaus verlangt. Dieses Konzept konnte im Wesentlichen beibehalten und ausgeführt werden. Dank mehrerer Sondierungen konnten im Bauprozess verschiedene historische Boden- und Wandbeläge freigelegt werden. Diese stärken das ganze Projekt und tragen zu einem einheitlichen Gefüge bei. 

Foto: Studio Gataric
Foto: Studio Gataric
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Der Umbau und die Restauration von historischen Bauten hat sich über die Jahre als wichtiger und sehr geschätzter Aufgabenbereich unseres Büro herauskristallisiert. Der Umgang mit historischer Bausubstanz birgt immer wieder schöne Überraschungen in sich, die ein Projekt bereichern können. Durch meine starke Verbundenheit zu meinem Heimatort Bondo war der Umbau des ältesten Wohnhauses im Dorf natürlich ein ganz besonderes Projekt für mich.

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Die Herausforderung bestand darin, die Materialisierung des Bestands mit zeitgemässen und bewusst neu gewählten Materialien zu ergänzen. Wir haben darauf verzichtet, historische Elemente und Verkleidungen zu rekonstruieren. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war auch die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern: Sämtliche Arbeiten wurden von Handwerkern aus dem Bergell ausgeführt.

Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Südfassade
Nordfassade
Bauwerk
Casa Malussi
 
Standort
Gassa Varlin 3, 7606 Bondo
 
Nutzung
Einfamilienhaus und Ferienunterkunft
 
Auftragsart
Planerwahl Wettbewerb
 
Bauherrschaft
Privat
 
Architektur
Iseppi AG, Thusis
Projektleitung und Planung: Marco Ganzoni
 
Jahr der Fertigstellung
2021
 
Fotos
Studio Gataric

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