Grosspeter Tower

Die Fassade als Solarkraftwerk

Burckhardt+Partner AG
15. August 2018
Bild: Adriano Biondo

Ort Grosspeterstrasse 29 und 44, 4052 Basel
Nutzung Bürogebäude mit Konferenzbereich und Hotel
Auftragsart Direktauftrag
Bauherrschaft PSP Swiss Property, Zürich
Architektur Burckhardt+Partner AG, Basel | Wolfgang Hardt, Andreas Kaufmann, Christian Zerreis, Alex Kramer, Benno Lincke
Fachplaner Tragwerksplanung ZPF Ingenieure, Basel | Elektroplanung Scherler AG, Basel | HLKKS/ GA Planung Gruner Gruneko AG, Basel | Fassadenplanung Neuschwander + Morf AG, Basel | Solarplanung energiebüro AG, Zürich
Bauleitung/Projektmanagement Dietziker Partner Baumanagement AG, Basel
Jahr der Fertigstellung 2017
März 2017 Grund- und Mieterausbau Hotel
Juli 2017 Grundausbau Büro
Juli 2017 bis Ende 2018 Mieterausbau Büro
Gesamtkosten BKP 1–9 CHF 120 Mio.
Gebäudevolumen 102'670 m3 (SIA 416)
Energiestandard Erdsondenfeld als Energiequelle und Speicher bestehend aus 52 Sonden, die 250 Meter tief in den Boden reichen. Zwei Propan Wärmepumpen als Wärme- und Kälteerzeuger.
Der Grosspeter Tower produziert mit den PV-Anlagen an der Fassade und auf dem Dach 62% seines Grundenergiebedarfs (Heizung/Kühlung, Liftanlagen, Storenanlagen, Gebäudeleitsystem, Grundbeleuchtung, Sicherheitsanlagen sowie die Warmwasserproduktion des Hotels).
Massgeblich beteiligte Unternehmer Erdsonden: Heim Bohrtechnik AG, Altstätten, SG | Baumeister: Erne AG, Laufenburg, AG | Fassade: Hevron SA, Courtételle, JU | PV-Module Fassade (Lieferung): Sto AG, Niederglatt, ZH | PV-Eletroinstallationen und Dach-PV-Anlage: Planeco GmbH, Münchenstein, BL | Flachdach- und Spenglerarbeiten: Morath AG, Allschwil, BL | Elektroanlagen: Jaisli Xamax AG, Basel, BS | Heizung- und Kälteanlagen: Häsler AG, Pratteln, BL | Lüftungsanlagen: Meier Kopp AG, Reinach, BL | Sanitäranlagen: Alltech AG, Muttenz, BL | Sprinkleranlagen: Babberger Brandschutz AG, Basel, BS | Liftanlagen: Schindler AG, Ebikon, LU
Auszeichnung Die beste Schweizer Solararchitektur 2017 - Solarpreis in der Kategorie «Neubauten» | Bayerischen Architekturpreis Gebäudeintegrierte Solartechnik 2017 | Prixforix 2018, 3. Preis | sun21 Faktor-5, Jury-Preis 2018
Fotos Adriano Biondo

Bild: Adriano Biondo

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die Aufgabe war, ein Büro-Hochhaus inklusive Hotel zu errichten. Die Vorgabe der Bauherrin – PSP Swiss Property – veranlassten Burckhardt+Partner aus einem herkömmlichen Bürogebäude ein in jeder Beziehung nachhaltiges Gebäude zu entwickeln. Diese Bestrebungen drücken sich vor allem in der Fassade aus, denn die integrierten Photovoltaik-Module produzieren einen Grossteil des Strombedarfs. Dadurch, dass die Solarzellen kaum sichtbar sind, konnten die Architekten den sonst als technoid empfundenen Ausdruck dieser Elemente zu einem gestalterischen, architektonischen Thema umdeuten.
 
Durch seine prominente Lage – direkt neben dem Autobahnzubringer – wird das erste Hochhaus der Schweiz mit Solarzellenfassade zum Landmark am Eingang zur Stadt. Der Grosspeter Tower zeigt auf, wie Solarenergie nicht nur als Materialthema behandelt werden kann, sondern zum dominierenden und gleichzeitig überzeugenden architektonischen Thema wird.

Lobby. Bild: Adriano Biondo

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Eine gute Referenz und Inspiration erhielten wir von einem Kunstwerk, dem «Permanent Modell» von Monadnok: Eine Struktur, die unten massiv und schwer ist und sich gegen oben auflöst und leicht wird. Diese Idee wurde tragend für die weitere architektonische Gestaltung der Grosspeter Tower Fassade: Die breiten, schweren opaken Fassadenelemente der Pfeiler und Riegel unten im Sockel werden gegen oben immer schmaler, die Glasflächen im Gegenzug immer grösser, das Hochhaus löst sich gegen den Himmel in eine leichte Struktur auf. Dieses Konzept ist dabei nicht lediglich Formalismus, es entspricht auch treffend der Nutzung mit dem Hotel im Sockel und den Büros im Tower.

Bild: Adriano Biondo

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Die Parzelle des Hochhauses ist eine von sechs Baufeldern auf dem Basler Grosspeter-Areal, das zwischen den Gleisfeldern und der verkehrsreichen Grosspeterstrasse aufgespannt wird. Um das Areal baulich besser zu nutzen, verfolgt die Stadt eine städtebauliche Neuausrichtung. Das Konzept für den Bebauungsplan stammt von den Architekten Miller & Maranta. Die Neubauten erweitern das Angebot an Basler Hotels und hochwertige Büroflächen. Der Grosspeter Tower liegt am südöstlichsten Rand des Areals, direkt neben dem Autobahnzubringer.Durch seine Lage und Grösse bildet das 78 Meter Hochhaus mit 18‘000 Quadratmeter Nutzfläche ein neues Wahrzeichen beim östlichen Zugang zur Stadt.

Blick aus einer Büro-Etage. Bild: Adriano Biondo
Bild: Adriano Biondo

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Mehr für den Klimaschutz zu leisten und ein energetisches Leuchtturmprojekt zu realisieren war der Bauherrschaft ein wichtiges Anliegen. Von Anfang an hat sie klare Prämissen bei der Planung gesetzt. Wichtige Vorgaben waren, die transparenten Fassadenteile auf 50% der Fassadenfläche zu begrenzen, den Sonnenschutz aussen anzubringen und PV-Elemente in die Fassade zu integrieren. Mit weniger Wärmelasten muss auch weniger Kälte produziert werden und der Komfort wird gleichzeitig verbessert. Mit dem begrenzten Glasflächenanteil entsteht zudem eine gute Balance zwischen Tageslichtnutzung und gutem Raumklima. Die PV-Elemente dienen als sichtbarer, oder in diesem Fall doch eher unsichtbarer, Beweis für die ambitionierten ökologischen Bestrebungen.

Bild: Adriano Biondo

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die Fassade ist das prägende Element eines Gebäudes; im Stadtbild gelten Fassaden als Gesichter des Hauses und vermitteln einen ersten wichtigen Eindruck für Nutzer und Passanten. Mit der Energiewende stehen die Architekten vor einer neuen gestalterischen Herausforderung: Wie können saubere Energieproduktion und Architektur zusammenfinden?
 
Die Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle. PV-Module haben sich auf dem Dach durchgesetzt. Als Fassadenelement haben die sie bis heute jedoch nicht überzeugt. Ihre technische und optische Anmutung wirkt abweisend und der Gestaltungsspielraum war bisher gering. Neben den höheren Kosten stellt der Unterhalt, die Haptik und auch die bauliche Integration die Architekten vor grosse Herausforderungen.
 
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Als 2014 der Entwurfsprozess für die Fassade im Gange war, kam dem Projekt eine wichtige Entwicklung auf dem PV-Markt sehr entgegen. Die bis anhin ausschliesslich in Standardabmessungen lieferbaren Solarmodule können nun auch kunden- und projektspezifisch gefertigt werden und erweitern damit den Gestaltungsspielraum beträchtlich.
 
Die PV-Fassade des Grosspeter Towers liefert einen Grossteil des Stroms für den Grundausbau und trägt wesentlich zu einem nahezu CO2-freien Grundbetrieb des Gebäudes bei. Die rund 10'000 Fassaden-Solarmodule generieren zusammen mit dem Dach-Solarkraftwerk eine erwartete Stromproduktion von rund 260'000 kWh/a. Innerhalb der PV-Fassade variieren die Solarmodulgrössen aufgrund des gewählten architektonischen Konzeptes stark: Zum Einsatz kamen rund 450 verschiedene, massgeschneiderte Dünnfilm-Solarmodul-Typen auf allen opaken Fassadenflächen des Hochhauses und des Sockels.

Situation
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt 1
Schnitt 2

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