Ein Gruss ins Tal

Dario Wohler Architekten ETH
5. März 2020
Foto: Lukas Murer

Dario Wohler hat für eine junge Bauherrschaft ein Einfamilienhaus in Appenzell entworfen. Es überzeugt durch die präzise Umsetzung der geometrischen Leitidee. Er beantwortet unsere Fragen.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Also eigentlich ist an der Bauaufgabe nichts Besonderes. Aber für uns als Zürcher Architekturbüro war es sehr erfrischend, im Appenzellerland zu bauen. Wir haben den Bauprozess geliebt! Das Arbeiten mit den beteiligten Unternehmern war eine grosse Freude für Michael Schrepfer und mich.

Foto: Lukas Murer
Foto: Lukas Murer
Foto: Lukas Murer
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?

Die traditionellen Bauernhäuser im Kanton Appenzell waren von Beginn an eine grosse Inspiration. Bei meinen zahlreichen Besuchen genoss ich den Anblick dieser einfachen, aber unglaublich charaktervollen Häuser sehr. Das Giebeldach, die kompakte Gebäudegestalt sowie die ausdifferenzierte Talfassade sollten dem Haus eine subtil wahrnehmbare Verwandtschaft mit den alten Bauernhäusern verleihen, die mit ihren sorgfältig für die Betrachter*innen gestalteten, talwärts blickenden Schaufassaden die Appenzeller Hänge schmücken.

Foto: Lukas Murer
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das Haus bekam seinen fünfeckigen Fussabdruck aufgrund des Wunsches, die Hauptfassade am Hangrücken, an dem es steht, und dem fernen Bodensee auszurichten. Problematisch war dabei allerdings der Verlauf der Quartierstrasse, entlang der die Parzellen aufgereiht sind und die Nachbarhäuser stehen. Die Gebäudeform, welche zu langen Verhandlungen mit der Baukommission der Gemeinde Speicher führte, kann als Ergebnis eines Aushandlungsprozesses gesehen werden. Berücksichtigt werden mussten bei diesem die Form der Parzelle, die Baugesetzgebung und der Wunsch nach einer Ausrichtung an der landschaftlichen Situation. Die Form war zwar von Anfang an da, wurde aber zu Beginn sehr kritisch betrachtet und erst allmählich von der Gemeinde gutgeheissen. Ich habe immer gehofft, dass spätestens im gebauten Zustand das Abdrehen des Hauses als freundliche Geste mit Weitwirkung aufgefasst werden wird. 

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Mit dem Entwurf für das Einfamilienhaus in Speicherschwendi startete ich unmittelbar nach dem Studium im Jahr 2013. Das Gebäude ist in diesem Sinne das älteste und gleichzeitig neueste Projekt meines Studios. Es enthält Themen, die mich stark beschäftigen – zum Beispiel die präzise Umsetzung einer starken geometrischen Leitidee im Grundriss, welche ich in früheren Umbauprojekten noch nicht umsetzen konnte.

Foto: Lukas Murer
Foto: Lukas Murer
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Da wir mit einer sehr jungen Bauherrschaft gearbeitet haben, die das Haus ohne finanzielle Hilfe der Eltern bauen wollte, waren möglichst grosse Kosteneinsparungen nötig. Wir priorisierten sehr stark. Mit der Entscheidung für ein Well-Eternit-Dach und eine einfache Bretter-Fassade konnte viel Geld gespart werden, was uns schlussendlich die Ausführung ermöglichte.

Situationsplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Schnitt
Name des Bauwerks
«Haus in Speicherschwendi»
 
Ort
Rickstrasse 48a, 9037 Speicherschwendi
 
Nutzung
Einfamilienhaus
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
Dario Wohler Architekten ETH SIA, Zürich
Dario Wohler, Michael Schrepfer (Projektleiter)
 
Jahr der Fertigstellung
2020
 
Gesamtkosten BKP 1-9
CHF 950'000
 
Gebäudekosten BKP 2
CHF 870'000
 
Gebäudevolumen
1'000 m3
 
Kubikmeterpreis 
CHF 950 
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer
Holzbau: Sutter AG Holzbau, St. Gallen
Spenglerarbeiten: Spenglerei Beat Brönnimann GmbH, St. Gallen
Baumeister: Hohl AG, Heiden
 
Fotos
Lukas Murer, Zürich

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