Ein Haus als kleine Stadt

Liechti Graf Zumsteg
16. Januar 2020
Gartenseite mit Haupteingang (Foto: Roland Bernath)

Das Büro Liechti Graf Zumsteg hat ein Generationenhaus in Bad Zurzach gestaltet. Das überzeugende Gebäude soll wie eine kleine Stadt funktionieren. Warum, das erklärt uns Architekt Andreas Graf.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Die Bauherrschaft setzte sich zum Ziel, in zentraler Lage, unmittelbar angrenzend an das historische Zentrum von Bad Zurzach, für verschiedene Generationen einen Ort der Begegnung und des Wohnens zu schaffen. So sind im Generationenhaus ein Pflegeheim, Alterswohnungen, eine Kindertagesstätte und ein Restaurant vereint. Bei der Aufgabe, ein Haus mit öffentlicher Ausstrahlung und zugleich einen Ort des Wohnens für Menschen mit einem Bedürfnis nach Intimität und Rückzug zu schaffen, galt es die richtige Balance zu finden.

Südlicher Hof (Foto: Roland Bernath)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?

Das neue Generationenhaus steht an einem Ort, wo unterschiedliche Bebauungsstrukturen zusammentreffen – so etwa die städtisch anmutenden historischen Handelshäuser entlang der Hauptstrasse mit ihren rückwärtigen Gartenhöfen, neuere Mehrfamilienhäuser und die grossmassstäblichen Bauten des Bäderquartiers. Sein Volumen ist vielfältig gestaffelt, wodurch es kleinteilig erscheint und zu jeder Seite spezifisch reagieren kann. Die mäandrierende Grundrissform verzahnt sich mit dem Aussenraum und bildet Höfe, welche mit unterschiedlichen Nutzungen bespielt sind. Nördlich des Generationenhauses ist direkt gegenüber dem Verenamünster ein baumbestandener Garten entstanden, der das historische Ortszentrum mit dem Kurpark – einem Werk des Landschaftsarchitekten Dieter Kienast – verbindet. 

Restaurant (Foto: Roland Bernath)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?

Betagte Bewohner*innen können ihr Haus oft kaum mehr verlassen. Wir stellten uns deshalb das Innere des Generationenhauses als kleine Stadt vor, wo es öffentliche Räume wie Strassen und Plätze, aber auch private Orte des Rückzuges – die Wohnungen – gibt. So bietet das Haus mit differenziert gestalteten und materialisierten Räumen seinen Bewohner*innen eine erlebnisreiche, vielfältige und wohnliche Welt. 

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?

Das Generationenhaus von Bad Zurzach fügt sich insofern in das Gesamtwerk unseres Büros ein, als wir uns bei unserer Arbeit zum Ziel setzen, für jede einzelne Bauaufgabe eine spezifische Architektur zu entwickeln. So entsteht die Ausprägung unserer Projekte innerhalb des Spannungsfeldes von Typus, Topos und Tektonik immer wieder aufs Neue. Dabei suchen wir nicht nur nach einer schlüssigen Umsetzung des Programms, sondern bauen den Ort weiter, indem wir dessen Qualitäten zu stärken und seine Geschichte fortzuschreiben versuchen.

Zimmer mit Blick in einen Hof (Foto: Roland Bernath)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?

Mit einer feingliedrig gestalteten Holzfassade suchten wir das Generationenhaus von den verputzten, städtisch wirkenden historischen Handelshäusern entlang der Hauptstrasse zu unterscheiden und als Haus im Park erscheinen zu lassen. Inspiriert wurden wir dabei auch von den Höfen dieser Häuser, welche von hölzernen Laubengängen erschlossen werden, deren Geländer mit gesägten Lochmustern ornamentiert sind. Dieses Motiv haben wir beim Generationenhaus wieder aufgegriffen. 

Gemeinschaftliche Loggia (Foto: Roland Bernath)
Situationsplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Name des Bauwerks 
Generationenhaus Bad Zurzach
 
Ort
Quellenstrasse 5, 5330 Bad Zurzach, AG
 
Nutzung
Alterszentrum mit 96 Pflegebetten, 12 Alterswohnungen, Restaurant, Kindertagesstätte und Parkhaus
 
Auftragsart
Wettbewerb, 2014
 
Bauherrschaft
Emil Burkhardt-Stiftung, Bad Zurzach
 
Architektur
Liechti Graf Zumsteg, Brugg
Mitarbeiter*innen: Tobias Bolt, Andreia Fernandes, Catherine Fischer, Céline Fust, Andreas Graf (verantwortlicher Partner), Kristina Graf-Ioveva, Daniel Grossen, Michael Huber, Raphael Haus (Projektleitung ab April 2016), Caroline Kagerbauer, João Leal, Peggy Liechti, Esther Mecksavanh (Projektleitung bis April 2016), Anke Olmes, Miriam Poch, David Sidler, Levin Türküm, Nicole Wasser, Anna Willim, Lucia Vettori, Lukas Zumsteg
 
Fachplaner 
Bauingenieur: HKP Bauingenieure, Baden
Elektroingenieur, Türengineering: R+B Engineering, Brugg
HLKS-Ingenieur: Abicht AG, Aarau
Landschaftsarchitektur: David & von Arx, Solothurn
Beleuchtungsplanung: Reflexion, Zürich
Bauphysik und Akustik: Porta, Brugg
Brandschutzplanung: Abicht AG, Zug
Holzbauingenieur: Makiol Wiederkehr, Beinwil am See
Innenarchitektur: Stefan Zwicky, Zürich
Signaletik: Neeser & Müller, Basel
Gastroplanung: GaPlan, Würenlingen
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Gebäudevolumen
52'330 m3 
 
Energiestandard
Minergie
 
Generalunternehmer 
Birchmeier Baumanagement AG, Döttingen 
 
Fotos
Roland Bernath, Zürich

Vorgestelltes Projekt

SPF:a

Wallis Annenberg Center for the Performing Arts

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