Surber-Areal, Zürich

Einschneidende Veränderung im Kreis 4

Züst Gübeli Gambetti
24. Januar 2019
Ansicht von der Verzweigung Sihlfeld-/Ernastrasse mit neuer Gasse. Bild: Roger Frei

Kürzlich haben Züst Gübeli Gambetti eine Arealüberbauung im Kreis 4 fertiggestellt. Roman Züst stellt sich unseren Fragen.

Name des Bauwerks Surber-Areal, Zürich
Ort Hohlstrasse 207/209/211 | Ernastrasse 28/30/32, 8004 Zürich
Nutzung Wohnen, Ateliers, Gewerbe, Tiefgarage
Auftragsart Konkurrenzverfahren, Projektentwicklung, Generalplanung
Bauherrschaft Surber Immobilien AG, Zürich
Architektur Züst Gübeli Gambetti Architektur und Städtebau AG, Zürich | Ute Häner, Christian Rutishauser, Ben Ramser, Debora Suter, Katrin Suter, Sven Illmer
Fachplaner
Landschaft: ASP Landschaftsarchitekten AG, Zürich
Statik: Ruggli & Partner Bauingenieure AG, Zürich
HLKS: Gruenberg + Partner AG, Zürich
Elektro: pbp ag engineering, Zürich
Bauphysik: Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen
Beleuchtung: Reflexion AG, Zürich
Verkehr: IBV Hüsler AG, Zürich
Bauleitung: befair partners ag, Zürich
Fertigstellung 11/2017
Gebäudevolumen 47'500 m3 (SIA 416)
Energiestandard Minergie
Kunst am Bau Thomas Rutherfoord, Winterthur (Farbkunst)
Fotos Roger Frei, Zürich | Damian Poffet, Bern

Die Gasse lebt… Bild: Roger Frei

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
 Wir haben ein Konglomerat von Bestandsbauten zu einem ganz neuen städtischen Muster verwoben. Die Möglichkeit, mittels Einführung einer Gasse ein echtes Stück Stadt zu entwickeln, war natürlich reizvoll und setzt eine gewisse Arealgrösse voraus. Vor allem aber bedingt es ein Verständnis der Stadt, das nicht an der Parzellengrenze endet und sich auch um Fragen wie Strassenraumquerschnitte kümmert. Wir haben in erster Linie nicht die Häuser geplant, sondern den öffentlichen Raum. Und in einem weiteren Schritt dann die Interaktion von Gebäude und Gasse.

Für alle Bewohner eine «gute» Adresse schaffen. Bild: Roger Frei

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Wir hatten das Bild eines vielfältigen, lebendigen Stadtlebens im Kopf. Wir hätten auf dem Areal auch nur eine bestimmte Form von Blockrand- und Hofbebauung realisieren können. Das wollten wir aber nicht. Es war uns wichtig, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner eine «gute Adresse» erhalten. Über den Kunstgriff mit der Gasse ist uns das gelungen.
 

Für ein vielfältiges Mit- und Nebeneinander. Bild: Roger Frei

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Der Kontext ist ein Flickenteppich aus Wohngebäuden, Büros und Handwerksbetrieben, in dem sich der Umbau nach verschiedenen Drehbüchern abspielt. Schon im Vorfeld hatte die Verkehrsbefreiung der Westtangente den Grundstein für ein langsam aufblühendes Stadtleben gelegt. Allerdings gibt es im direkten Umfeld viele Genossenschaftsbauten mit Hochparterre-Wohnungen und damit wenig attraktive Erdgeschossnutzungen. Eine Rolle spielte auch das einen Steinwurf entfernte Polizei- und Justizzentrum PJZ auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal. Unsere Gewerbegasse sollte nicht nur das Quartierleben bereichern, sondern auch den «Missing Link» zum PJZ schaffen.

Belebender Gewerbesockel. Bild: Damian Poffet

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Der Umgang mit dem Erdgeschoss ist bei den meisten unserer Bauten ein Schlüsselthema. Überhaupt bauen wir gerne Häuser, deren Räume man zum Wohnen und zum Arbeiten nutzen kann. Häuser, die nicht monofunktional sind, sondern stimulierend wirken und Raum für Veränderung oder einen Neustart bieten.

Split-Level-Ateliers zum Arbeiten, Verkaufen oder Wohnen. Bild: Damian Poffet

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Der eigentliche «Stoff», der den Reiz des Surber-Areals ausmacht, ist der nicht gebaute Raum. Er ist wichtig für die Nachbarschaft und gibt dem öffentlichen Raum sein charakteristisches Gesicht. Auch bei der Gestaltung der Fassaden haben wir unser Augenmerk auf die Körperlichkeit der drei Aussenräume gelegt. Je nachdem greifen Ausformungen wie Erker, Balkone, Gesimse und Fensterlaibungen in den Stadtraum ein. Ebenso beeinflussen natürlich die daraus resultierenden Licht- und Schattenspiele die Stimmungen.

Von der Gasse zugänglicher Atelierhof mit Gemeinschaftstisch. Bild: Roger Frei
Haus- und Stadtraum als körperhafte «Gegenstücke». Bild: Roger Frei
Schwarzplan. Bild: Züst Gübeli Gambetti
Variantenstudie. Bild: Züst Gübeli Gambetti
Erdgeschoss. Bild: Züst Gübeli Gambetti
Regelgeschoss. Bild: Züst Gübeli Gambetti

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