Wohn- und Geschäftshaus Theaterplatz 2, Baden 2017

Ersatzneubau im Altstadtkontext von Baden

KLP Architekten SIA
1. Juni 2017
Ansicht vom Theaterplatz. Bild: Silvano Pedrett Photography

Der Ersatzneubau von KLP Architekten am Theaterplatz 2 in Baden wurde kürzlich abgeschlossen. Stefan Lüthi und Frederik Brun stellen sich unseren Fragen.

Nutzung Wohn- und Geschäftshaus
Auftragsart Direktauftrag
Bauherrschaft Wetter Immobilien AG
Architektur KLP Architekten SIA | Mitarbeit: Stefan Lüthi (Projektleitung), Frederik Brun,
​Christoph Mayer (PL Stv.), Katrina Matter
Fachplaner Bauingenieur: MWV Bauingenieure AG, Baden AG | Elektroingenieur: Pfister + Gloor Engineering AG, Dättwil AG | HLKS-Ingenieur: Mettauer AG, Mellingen AG | Bauphysiker:
Kopitsis Bauphysik AG, Wohlen AG
Bauleitung Wetter Generalbau, Busslingen AG
Jahr der Fertigstellung 2017
Gebäudevolumen 5’620 m³ (SIA 416)
Energiestandard Minergie (zertifiziert)
Betonelemente Müller-Steinag Element AG, Stansstad NW
Fotos Silvano Pedrett Photography

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Das Besondere der Bauaufgabe liegt darin, eine architektonische Antwort darauf zu finden, inwiefern sich ein Ersatzneubau im sensiblen Umfeld der Altstadt von Baden angemessen einfügen lässt. Dies unter dem Aspekt der städtebaulichen Betrachtung hinsichtlich volumetrischer Erscheinung sowie äusserer Gestaltung. Unser Hauptziel war es, ein Bauwerk zu schaffen, welches sich selbstbewusst und selbstverständlich in die vorhandene geschichtsträchtige Bausubstanz einordnet.

Gassenraum. Bild: Silvano Pedrett Photography

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Bei der von uns gewünschten Ausstrahlung des Hauses hatten wir und die Bauherrschaft eine vornehme Eleganz im Hinterkopf: Eine klassische Fassadengliederung, wie man sie beispielsweise von Bauten in Städten Norditaliens kennt.
 
Aufgrund der Nutzung des Hauses als Wohn- und Geschäftshaus, haben wir versucht, ein gültiges Fassadenöffnungskonzept zu etablieren, welches auf die entsprechenden Bedürfnisse der Nutzer zu reagieren vermag. Dafür hat sich ein additiver Fassadenrhythmus angeboten. Mit Hilfe der Kunststeinelemente aus Kalkbeton war es uns möglich, dieses Thema auch formal zu vereinheitlichen und beispielsweise die drei Geschosse über dem Sockelgeschoss in Form von stehenden Rechtecken miteinander zu verbinden.

Geschichtsträchtige Nachbarschaften. Bild: Silvano Pedrett Photography

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Unser Bauplatz befindet sich direkt an der ehemaligen Stadtmauer an der Grenze zwischen der mittelalterlichen Altstadt und der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts. Da sind einerseits die mittelalterlichen Häuser mit ihren eingefassten Lochfassadenöffnungen und den Kalkputzfassaden. Andererseits gibt es die angrenzenden Bauten des 19. und 20. Jahrhunderts mit ihren additiven und relativ streng rhythmisierten Fassadengliederungen. In der äusseren Gestalt unseres Projektes haben wir uns hinsichtlich Materialität, Farbe und Form, stark am bestehenden Kontext orientiert und uns davon inspirieren lassen.
 
In diesem geschichtlich sensiblen Umfeld galt es, die aus denkmalpflegerischer Sicht wertvollen Nachbarhäuser wie das Bölsterli-Haus aus den frühen 1950er-Jahren und das spätklassizistische Wohnhaus am Schlossbergplatz 2 zu beachten. Auch der Stadtturm in seiner Erscheinung mit dem dahinterliegenden Burghügel als Wahrzeichen Badens durfte nicht beeinträchtigt werden.

Gefasster Ausblick aus Loggia. Bild: Silvano Pedrett Photography

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Es war uns ein Anliegen, ein Haus zu bauen, welches der nötigen Widerstandsfähigkeit im städtischen Umfeld gerecht wird. Als Fassadenmaterial haben sich Kunststeinelemente mit Kalksteinzuschlag angeboten. Der vorgehängte «Kalkbeton» wird in Anlehnung an den in der Region häufig verwendeten Kalkstein gewählt und kann über dem Sockelgeschoss mit verputzten Oberflächen kombiniert werden. Das Material des massiven Kunststeinelementes verfügt über eine Wertigkeit, welche besonders in der sandgestrahlten Ausführung eine besondere Oberflächentiefe erreicht. In Zusammenarbeit mit dem Betonelement-Hersteller waren der individuellen 3D-Gestaltung sowie dem Wunsch nach Plastizität der Elemente, keine Grenzen gesetzt. Die Fassadentektonik konnte ganz nach unseren Wünschen ausgebildet werden.

Detail Treppenhaus. Bild: Silvano Pedrett Photography
Grundriss Wohngeschoss
Schnitt
Plan

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