Gestapelt: Mehrfamilienhaus in Modulbauweise

moos. giuliani. herrmann. architekten.
30. April 2020
Foto: Silvano Pedrett

In anderen Teilen der Welt, insbesondere in China, ist das Bauen mit Modulen heute üblich, in der Schweiz aber finden sich (noch) wenige derlei Projekte. In Wald im Zürcher Oberland haben moos. giuliani. herrmann. architekten. ein Mehrfamilienhaus als Modulbau gestaltet. Christoph Schneider erklärt uns das Projekt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Bei dem Haus handelt es sich um einen Bau aus Betonmodulen, was hierzulande aktuell unkonventionell ist. Die vorfabrizierten Einheiten wurden komplett ausgebaut angeliefert; die Küchen, die Oberflächen, die Platten, Waschbecken und WCs – alles war bereits montiert. Nach dem Erstellen der Tragstruktur aus Stahlbeton wurden die 18 Einheiten mit einem Pneukran aufeinander gestapelt. 

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Wir wollten eine Verbindung zur Geschichte des Industrieareals von Wald mit Baumwollspinnerei und Weberei herstellen, auf dem sich der Neubau befindet. Es sollte ein Haus entstehen, das industriell produziert ist, vom Fliessband stammt. So haben wir uns schliesslich für einen Modulbau entschieden.

Transport der Module; sie stammen von der spanischen Firma Compact Habit. (Foto: Compact Habit)
Produktion der Module am Fliessband (Foto: Compact Habit)
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?


Wo sich heute der Neubau befindet, stand vormals eine eingeschossige Remise, die als Unterstand für Pferdefuhrwerke und später für Autos diente. Die aufgeständerte Bauweise adaptiert diese Funktion des gedeckten Parkplatzes und verleiht dem Wohnhaus eine Leichtigkeit, die gleichzeitig die Privatsphäre der Bewohner*innen stärkt.

Montage der Module auf der Baustelle (Foto: mgh)
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Oliver Hagen als Bauherrenberater, Peter Baumgartner von der kantonalen Denkmalpflege sowie der Bauherr Andreas Honegger selbst haben gemeinsam mit uns den Entwurf als Team beeinflusst. Jeder der Beteiligten hatte seinen Anteil an Idee und Präzisierung.

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Ursprünglich wurden recht konventionelle Reihenhäuser entworfen. Das Budget und die aktuelle Mietwohnungssituation vor Ort haben uns aber dazu bewogen, den Entwurf und das Bauvolumen zu überarbeiten. Sie waren, neben den geschilderten historischen Bezügen, ein weiterer Grund, auf einen Modulbau zu setzen

In einem der Bäder, die bereits ab Werk montiert wurden. (Foto: Silvano Pedrett)
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Das Projekt reiht sich zwischen Bauten und Arealumnutzungen unseres Büros ein, die man unter dem Überthema «Weiterbauen» zusammenfassen könnte. In diesen Fällen analysieren wir stets den Ort, dessen Geschichte und die Bedürfnisse der Bauherrschaft. Wir berücksichtigen dann in unseren Gestaltungen architektonische Erwägungen, die Vorgaben der Denkmalpflege sowie bauliche und soziokulturelle Entwicklungen.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Durch die Stahlbetonkonstruktion der Module haben wir viel Masse, die den sommerlichen Wärmeschutz gewährleistet. Zudem löst die Konstruktion durch ihre Materialität Fragen des Brand- und Schallschutzes. So schafften wir es, ohne viel Haustechnik (wie zum Beispiel KWL) auszukommen. Es ist ein Low-Tech-Gebäude entstanden.

Im Bild gut zu erkennen ist die Rippenstruktur der Betondecke des Moduls. Sie hilft, Gewicht zu sparen, was bei der Bauweise von grosser Wichtigkeit ist. (Foto: Silvano Pedrett)
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Das sind vor allem die in der Fabrik mit einem speziellen Verfahren monolithisch gegossenen Betonmodule, deren Wände, Decken und Böden aus einer ausgeklügelten Rippenstruktur bestehen, um unnötiges Gewicht einzusparen. Das patentierte System ist weltweit einzigartig, derzeit wird es nur in Spanien hergestellt.

Situation
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Grundriss Dachgeschoss
Name des Bauwerks
Beton-Modulbau «Lindenhof»
 
Standort
Lindenhofstrasse 4, 8636 Wald
 
Nutzung
Mehrfamilienhaus
 
Auftragsart
Direktauftrag
 
Bauherrschaft
Otto & Joh. Honegger AG, Andreas Honegger, Wald
 
Bauherrenberater
Oliver Hagen, Odinga Picenoni Hagen AG
 
Architektur
moos. giuliani. herrmann. architekten., Uster
Christoph Schneider, Roger Moos, Corinne Keller, Sandrine Grossenbacher, Dominic Bosshard
 
Fachplaner
Landschaftsarchitektur: Studio Karst, Alice Foxley, Basel
Bauingenieur: Forster&Linsi, Pfäffikon, 
Betonmodule: Compact Habit, Cardona, Spanien
 
Jahr der Fertigstellung
2019
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer 
Modulbauer, Innenausbau, Fassade und Dach: Compact Habit, Cardona, Spanien
Tragstruktur: Stalder AG Bauunternehmen, Wald
Dachdeckung: Werner Schoch Bedachungen AG, Wald
Spenglerarbeiten: Schoch Spenglerei, Wald
Heizung: Müller Heizung-Service AG, Rüti
 
Fotos
Silvano Pedrett, Zürich

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