Schule Port

Inspirationshaus

Skop, Port, 2017
9. Mai 2018
Gesamtansicht mit Pausenplatz. Bild: Simon von Gunten
Das junge Büro Skop hat letztes Jahr in Port ein Schulhaus fertiggestellt. Basil Spiess, Silvia Weibel Hendriksen und Martin Zimmerli beantworten unsere Fragen.
Ort Schulweg 12, 2562 Port, BE
Nutzung Primarschule und Kindergarten
Auftragsart Offener Wettbewerb 2013, 1. Preis
Bauherrschaft Einwohnergemeinde Port
Architektur Skop – Architektur und Städtebau, Zürich, ZH | Basil Spiess (Projektleitung), Silvia Weibel Hendriksen, Martin Zimmerli | Mitarbeit: David Brunner, Angelika Marxer
Fachplaner Landschaftsarchitektur: Grand Paysage, Basel, BS | Holzbauingenieur: Indermühle Bauingenieure, Thun, BE | Bauingenieur: Tschopp Ingenieure, Bern, BE | Gebäudetechnik HLS: tp, Biel, BE | Elektroplanung: A. Schlosser, Biel, BE | Bauphysik: Pirmin Jung Ingenieure, Rain, LU | Signaletik: superbüro, Barbara Ehrbar, Biel, BE
Baumanagement Spörri Graf Partner I APP, Bern, BE
Jahr der Fertigstellung 2017
Gesamtkosten BKP 1–9 CHF 18,3 Mio.
Gebäudekosten BKP 2 CHF 13,0 Mio.
Gebäudevolumen 16’976 m3
Kubikmeterpreis 767 CHF/m3
Energiestandard MINERGIE-A
Massgeblich beteiligte Unternehmer Holzbau: Häring, Eiken, Schweiz / Kappeler Ernst, Ins, BE | Baumeister: Ritter Bauunternehmung, Biel, BE | Fenster, Aussentüren: Huber Fenster, Herisau, AR | Photovoltaik: EnergyOptimizer, Pieterlen, BE | Böden: Repoxit, Illnau-Effretikon, ZH | Innentüren: 3A Schreinerei, Aegerten, BE | Schreiner Innenausbau: Bard, Münchenstein, BL | Schulausstattung: Schule & Raum, Mühlethurnen, BE
Fotos Simon von Gunten, Julien Lanoo
Fassade gegen Grünraum im Süden. Bild: Simon von Gunten
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die Schulzeit gehört sicherlich zu den prägendsten Erinnerungen eines jeden Kindes. Hierfür ein inspirierendes Haus bauen zu dürfen, das zur Entwicklung und Entfaltung der Schülerinnen und Schüler beiträgt, ist ein grosses Privileg. Gerade in kleineren Gemeinden zählen Schulhäuser zudem zu den wenigen öffentlichen Bauten, mit denen Orte nachhaltig verändert und damit neue Identifikationspunkte für die Bevölkerung geschaffen werden können. So auch in Port, wo das neue Schulhaus als Jahrhundertprojekt bezeichnet wird.
Haupteingang Ost. Bild: Simon von Gunten
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Wir arbeiten kaum mit Referenzen, sondern entwickeln Architektur aus der Gesamtheit der Parameter, welche der jeweiligen Aufgabe zugrunde liegen. Somit sind für uns projektspezifische Eigenheiten relevantere Taktgeber als bereits bestehende Bauten. Bei der Schule Port könnten aber vielleicht Herman Hertzbergers Montessori Schule in Delft, Arne Jacobsens Munkegaard Schule in Gentofte oder Hans Scharouns Geschwister-Scholl-Schule in Lünen als Inspirationsquellen in Bezug auf Struktur, Licht, Lern- und Spielraum genannt werden.
Zentrale Erschliessungszone als Lernlandschaft. Bild: Simon von Gunten
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Sehr stark. Die Parzelle liegt mitten in einem Einfamilienhausquartier. Mit seiner gestaffelten Fassade und dem charakteristischen, mehrmals gefalteten Dach nimmt der Baukörper Bezug auf die Körnigkeit der giebeldachgekrönten Nachbarhäuser, die ländliche Vergangenheit des Ortes und die sanfte Hügelkette des Jurasüdfusses. In die gegen Norden abfallende Hangkante eingebettet, verknüpft das Schulhaus die beiden Ankunftsrichtungen der Schulkinder von Osten und Westen sowohl mit einer aussen- als auch mit einer innenräumlichen Verbindungsachse. Durch die damit einhergehende Nord-Süd-Ausrichtung des Baukörpers ist das Raumlayout gegenüber den Dachfirsten diagonal organisiert, womit die versetzt angeordneten Klassenzimmer zweiseitig über Eck natürlich belichtet werden.
Klassenzimmer mit diagonaler Dachfaltung. Bild: Julien Lanoo
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Nein, die Raumstruktur entspricht weitgehend dem Wettbewerbsentwurf. Aufgrund seiner geometrischen Abhängigkeiten bedingen sich viele Themen gegenseitig und lassen sich nicht isoliert voneinander betrachten. Ein kohärentes Konzept hilft bestimmt in der Kommunikation mit der Bauherrschaft. In der Konstruktion, Materialisierung und den technischen Gewerken konnten wir aber stark optimieren und Synergien schaffen.
Robust materialisierter Treppenraum. Bild: Simon von Gunten
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Die Schule Port ist unser erster Neubau. Sie verkörpert damit auch den Aufbruch unserer eigenen Identitätsfindung als selbständige Architekten im Spannungsfeld von subtiler Einbettung und selbstbewusstem Auftritt, von Konsistenz und Widerspruch, von Komplexität und Einfachheit, von Universellem und Spezifischem, von Zeitgemässem und Zeitlosem, von Leidenschaft und Gelassenheit.
Örtliche Einbettung mit Blick auf Jurakette und Dach mit Photovoltaikpaneelen. Bild: Julien Lanoo
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Für unsere Generation bedeutet nachhaltiges Bauen eine Selbstverständlichkeit und keine Einschränkung. Als integraler Bestandteil des Entwurf- und Planungsprozesses bergen energetische Aspekte architektonisches Potenzial. Die Schule Port mit ihrer grossen Dach- und Fassadenabwicklung widerlegt das einseitige Paradigma des kompakten Baukörpers als einzig gangbaren Weg. Als MINERGIE-A zertifiziertes Gebäude produzieren die 1'100 Photovoltaikpaneele auf dem Dach genügend Strom für den Eigenbedarf und für rund 40 zusätzliche Haushalte. Das Schulhaus ist weitgehend als vorgefertigter Holzelementbau erstellt, welcher teilweise jedoch undogmatisch mit einer Massivbauweise gepaart wird. So sind die Treppenhäuser und alle erdberührenden Bauteile betoniert, was sowohl statische als auch bauphysikalische Vorteile hat. Als Besonderheit wurde die Betonbodenplatte im zweigeschossigen Bereich der Fassade auf Holzstützen aufgelagert, um einen einheitlichen Gesamtausdruck zu gewährleisten.
Situation
Grundriss Hauptgeschoss
Nordfassade
Querschnitt

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