Kinderträume an der Sihl

Reichel Architekten
7. April 2022
Der Haupteingang zum Kindergarten (Foto: Andreas Buschmann)

Reichel Architekten haben in Adliswil einen Doppelkindergarten verwirklicht. Christiane Reichel erläutert die architektonischen Überlegungen hinter dem eleganten Holzbau.

 

Frau Reichel, wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt? 

Am Standort des neuen Doppelkindergartens befand sich vorher ein kaum noch genutztes Pfadiheim in einer etwas verwilderten und unattraktiven Ecke des Schulareals. Wir haben in der Wettbewerbsphase diesen Standort bewusst gewählt, um mit dem Neubau des Kindergartens dort auch die Umgebung neu zu gestalten und aufzuwerten. Denn eigentlich handelt es sich um einen sehr schönen, fast idyllisch gelegenen Platz neben der Sihl.

 

Seitenansicht des Kindergartens mit Abenteuer-Spielbereich (Foto: Andreas Buschmann)
Welche Inspiration liegt diesem Projekt zugrunde?


Sehr früh im Entwurf entstand die Idee für die Fassadengestaltung mit vertikalen Holzlamellen und Flechtstrukturen. Die Fassade soll mit der Zeit je nach Sonnenexposition unterschiedlich verwittern und so in Bewegung wirken. Dies sehen wir als Referenz an das Wasser der Sihl und ihr Treibholz sowie an das einstige Flechten von Reusen zum Fischfang an solchen Wasserläufen.

 

Garderobe (Foto: Andreas Buschmann)
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Das Besondere an diesem Neubau sehen wir neben der Fassade auch in den Inneneinbauten. Es war uns ein sehr wichtiges Anliegen, Garderoben und Schränke bis hin zum Waschtisch in die Architektur zu integrieren und nicht additiv zu betrachten. Es sollten ansprechend gestaltete Räume entstehen, mit selbstverständlich wirkender Möblierung.

 

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Die Bauherrschaft hat sich in Bezug auf die Dachform sehr engagiert. Wir haben auf ihre Anregung hin viele Varianten im Modell untersucht und diskutiert. Am Ende sind wir dann gemeinsam zu dem Dach gelangt, das gebaut wurde.

 

Klassenraum mit Innenfenster zum Gruppenraum (Foto: Andreas Buschmann)
Waschtisch und Durchblick zur Garderobe (Foto: Andreas Buschmann)
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Der konstruktive Holzbau besteht aus vorfabrizierten Fassaden- und Dachelementen, dadurch hatten wir eine sehr kurze Bauzeit im Rohbau und die Gebäudehülle konnte schnell aufgerichtet werden. Dabei waren die Dachelemente des Pultdachs über den Klassenräumen für den Unternehmer eine grosse Herausforderung: Die rund 12 Meter langen Elemente mussten über enge Quartierstrassen zum Bauplatz gebracht werden.

 

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Holz als Baumaterial hat wesentlich zum Erfolg des Projekts beigetragen. Im Inneren und von aussen ist das Haus klar als Holzbau erkennbar und hat eine sehr einladende, helle und freundliche Atmosphäre. Es wurden nachhaltige Materialien und schadstofffreie Produkte verwendet. Die Zertifizierung für das Minergie-ECO-Label läuft derzeit.

 

Situation
Grundriss
Schnitt
Bauwerk
Doppelkindergarten Werd 
 
Standort
Schönauweg 12, 8134 Adliswil
 
Nutzung
Kindergarten
 
Auftragsart
Planung Architektur, Kostenplanung, Bauleitung und Ausführung Holzbau mit Generalunternehmer
 
Bauherrschaft
Abteilung Liegenschaften der Stadt Adliswil
 
Architektur
Reichel Architekten, Zürich
Projektleiterin: Christiane Reichel
Mitarbeiter: Hannes Reichel, Benjamin Graber und Jan Pelcik
 
Fachplaner
Ingenieur- und Planungsbüro für Holzbau: Markus Brunner, Glarus
HLS-Ingenieur: Abicht Zürich AG, Zürich
Elektroingenieur: Boess+Partner AG, Zürich
Landschaftsarchitekt: Rosenmayr Landschaftsarchitektur, Zürich
 
Jahr der Fertigstellung
2021
 
Gesamtkosten BKP 1–9
CHF 2,5 Mio. exkl. Mehrwertsteuer
 
Gebäudekosten BKP 2 
CHF 1,6 Mio. exkl. Mehrwertsteuer
 
Gebäudevolumen
1830 m3 (gemäss SIA 416)
 
Kubikmeterpreis 
1365 CHF/m3
 
Energiestandard
Minergie ECO
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer 
Holzbau: Häring AG, Eiken
 
Fotos
Andreas Buschmann, Zürich

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