Kontrast und Verbindung

Nicola Baviera Architekten
2. April 2020
Foto: Claudia Breitschmid und Johanna Muther

Nicola Baviera hat ein Einfamilienhaus aus den 1940er-Jahren umgebaut und erweitert. Die CO2-Bilanz wurde bezüglich der Betriebskosten enorm verbessert, ästhetisch überzeugt das Projekt unter anderem mit der aufwendigen Fassade des Anbaus aus scharriertem Beton. Der Architekt erklärt uns seine Gestaltung.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Da während der ganzen Bauphase das Gebäude bewohnt blieb, wurden Um- und Anbau in vier Bauetappen ausgeführt. Zunächst wurde das Bad im Dachgeschoss umgestaltet und mit einer neuen Lukarne versehen. Im Erdgeschoss wurde zudem die neue Küche eingebaut. In einem zweiten Schritt wurde der Anbau realisiert und anschliessend auf dem Dach die Photovoltaik- und Solarthermieanlage versetzt. Als letzter Schritt wurde schliesslich die Westfassade im Sockelbereich saniert und der Swimmingpool gebaut. 

Foto: Claudia Breitschmid und Johanna Muther
Foto: Claudia Breitschmid und Johanna Muther
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Das grosszügige Erdgeschoss des Altbaus lässt eine neue Disposition der Räume und deren Sichtbezüge zu. Die Küche hat eine neue Ausrichtung erhalten. Die Funktionen wurden konsequent getrennt und klarer angeordnet. Damit rückt das Kochen in den Vordergrund und ist durch Sichtachsen einerseits mit dem Wohn- und Essraum sowie dem Pavillon eng verbunden, andererseits ermöglichen diese Bezüge diverse Ausblicke auf den See, die Stadt Zürich sowie die Glarner Bergketten. 

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Das Einfamilienhaus im Landhausstil aus dem Jahr 1948 liegt am nordwestlichen Rand des alten Dorfkernes in der Nähe der reformierten Kirche Kilchberg. Das Gebäude ist parallel zum See ausgerichtet und befindet sich auf dem auf dem Scheitel des Zimmerbergs. 

Ähnlich wie bei unserem ersten Kilchberger Projekt «Freie Sicht aufs Mittelmeer» sowie bei dem Umbau einer alten Schule aus dem Jahr 1781 in Zürich, «Zusammenspiel von Alt und Neu», durften wir uns mit alter Bausubstanz auseinandersetzten. Die Arbeit mit dem Bestand ist für uns ein wichtiges und wiederkehrendes Thema. Die neuen Baumassnahmen müssen nicht zwingend erkennbar sein, wichtiger scheint uns je länger, je mehr der bauliche Kontext. 

Foto: Claudia Breitschmid und Johanna Muther
Foto: Claudia Breitschmid und Johanna Muther
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Im Rahmen des Umbaus wurden punktuell Verbesserungen an der Gebäudehülle vorgenommen. Der wichtigste Schritt aber war die Ablösung der bestehenden Wärmeerzeugung mit einer Gasheizung durch eine Wärmepumpenlösung mit Erdsonden und PVT-Kollektoren, welche zur Regeneration des Sondenfeldes ebenfalls in den Sondenkreislauf eingebunden sind.

Bei der Wahl des Energiekonzepts war die Frage der Verbesserung der Treibhausgasemissionsbilanz entscheidend. Die CO2-Emissionen für die Heizwärme- und Warmwassererzeugung konnten durch die baulichen und systemtechnischen Massnahmen von ursprünglich jährlich 25 kg/m2 EBF auf unter 1,0 kg gesenkt werden – eine Verbesserung um den Faktor 30 bei Einsatz des eigenproduzierten PV-Stroms und CH-Verbrauchermix-Stroms – oder sogar auf nur 0,2 kg bei Einsatz von eingekauftem erneuerbaren Strom. 

Foto: Claudia Breitschmid und Johanna Muther
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Sicherlich der scharrierte Beton des Anbaus, welcher mit viel Liebe und grosser Sorgfalt von den beiden Steinmetzen in stundenlanger Arbeit realisiert wurde. Der Anbau wird äusserlich durch seine Materialisierung klar vom Altbau im Landhausstil mit Kellenwurf unterschieden. Der alte Verputz steht zum scharrierten Sichtbeton im Kontrast. Die neuen Hebeschiebetüren aus Lärchenholz und Lärchen- sowie Stoffstoren führen diesen materiellen Unterschied folgerichtig weiter. Im Innern sollen jedoch der neu verlegte Botticino-Marmorboden sowie die Weissputzdecke das alte mit dem neuen Volumen vereinen und somit verbinden. 

Grundriss Untergeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Name des Bauwerks
Um- und Erweiterung eines Wohnhauses 
 
Ort
Kilchberg
 
Nutzung
Einfamilienhaus
 
Bauherrschaft
privat
 
Architektur
Nicola Baviera Architekten GmbH, Zürich
 
Fachplaner 
Statik: Theo Weber, Uetikon am See
Bauphysik: aik Kurt Ritter, Zürich
Elektroplanung: Wyder Elektro, Zürich
Heizung: Neaf Energietechnik, Zürich
 
Jahr der Fertigstellung
2019 
 
Massgeblich beteiligte Unternehmer 
Baumeister: Koradi, Stallikon
Betonarbeiten: Awag Wurster, Thal
Montagebau in Holz: Büttler, Fällanden
Fenster: Huber Fenster, Herisau
Äussere Abschlüsse: Morandi, Erlenbach
Schreinerarbeiten: Meienberger Egger, Münchwilen
Pooltechnik: Vivell, Wolfhausen
Plattenarbeiten: Bolliger, Zürich
 
Fotos
Claudia Breitschmid und Johanna Muther, Zürich 

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