Sicherheitszentrum Weinfelden, Weinfelden 2017

«Kultivierter» Industriebau

10. August 2017
Sicherheitszentrum Weinfelden Fahrzeughalle Dämmerung. Bild: Ruedi Walti

Das Architekturbüro kit hat kürzlich das Sicherheitszentrum in Weinfelden fertiggestellt. Der Projektleiter Gianet Traxler stellt sich unseren Fragen.

Nutzung Feuerwehr
Auftragsart Einstufiger Wettbewerb im offenen Verfahren
Bauherrschaft Politische Gemeinde Weinfelden TG
Architektur kit | architects eth sia gmbh, Zürich | Projektleiter: Gianet Traxler | beteiligte Mitarbeiterinnen: Caroline Wachtel, Janina Wagner
Fachplaner Kostenplaner: Trunz + Wirth AG, 9240 Uzwil SG | Bauingenieur: Schnetzer Puskas Ingenieure AG. 8003 Zürich ZH | HLKSE: 3-Plan Haustechnik AG, 8280 Kreuzlingen TG | Landschaftsarchitekt: PR Landschaftsarchitektur, 9320 Arbon TG | Bauphysik: 3-Plan Haustechnik AG, 8404 Winterthur ZH | Fassadenplaner: gkp fassadentechnik ag, 8355 Aadorf TG
Jahr der Fertigstellung 2017
Gebäudevolumen SIA 416 GV: 12’410 m³, GF: 2’260 m²
Energiestandard Minergie®
Massgeblich beteiligte Unternehmer Generalunternehmer: Implenia Schweiz AG, 8500 Frauenfeld TG
Fotos Ruedi Walti

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Der Kontext, die Nutzung selbst und das Tragwerk sind für uns das Besondere an dieser Bauaufgabe. Die Parzelle für das neue Sicherheitszentrum ist ein spitz zulaufendes Dreieck am Ortseingang von Weinfelden. Sie liegt zwischen Industrie- und Wohngebiet. Aus Tragwerk und Grundriss entstand ein Gesamtsystem, das trotz seinem modulartigen Aufbau schlüssig auf die ungewöhnliche Geometrie der Parzelle reagiert. Die Präzision der städtebaulichen Setzung wird in der Klarheit und Logik der inneren Organisation weitergeführt.

Sicherheitszentrum Weinfelden Lagerstrasse. Bild: Ruedi Walti

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Das neue Sicherheitszentrum Weinfelden ist ein «kultivierter» Industriebau, der in seiner plastischen Konzeption und architektonischen Präzision die Ortseinfahrt von Weinfelden prägt. Der Hallenbau bezieht sich in seiner Flächigkeit und Dimension auf die benachbarten Gewerbebauten. Die langen, geraden Torfassaden, die sich zu diesen Gebäuden orientieren, sind in ihrer Funktionalität und in ihrem architektonischen Ausdruck industrielle Fassaden. Zur Lagerstrasse jedoch schaffen die ablesbaren Einheiten, aus denen die Halle gefügt ist, eine gestaffelte Rhythmisierung des Baukörpers. Zusammen mit den leicht geneigten Dachelementen entsteht so eine identitätsstiftende Fassadenabwicklung. Diese nimmt in ihrer Gliederung Bezug zum gegenüberliegenden Wohnquartier und erhält mit dem Eingang, den Fenstern und der Treppe einen innerstädtischen Massstab.

Sicherheitszentrum Weinfelden Gaswerkstrasse. Bild: Ruedi Walti

Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Nein, das Wettbewerbsprojekt wurde in seiner architektonischen und konzeptuellen Ausformulierung nie in Frage gestellt. Die funktionalen Abläufe während und nach dem Einsatz wurden zusammen mit dem Nutzer diskutiert und optimiert. Die Nutzerbedürfnisse konnten aber ohne das Entwurfskonzept zu verändern, integriert werden. Der Entscheid, eine Photovoltaikanlage zu erstellen, wurde von der Baukommission während der Projektierungsphase gefällt. Er hatte jedoch keinen Einfluss auf den Gebäudeausdruck, da die geplante Dachlandschaft für ein solches Vorhaben gut geeignet war.

Sicherheitszentrum Weinfelden Fahrzeughalle. Bild: Ruedi Walti

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Unsere Projekte sind sehr stark mit der jeweiligen Aufgabe verknüpft. Je nach Ausgangslage entsteht eine andere Architektur. Die Methodik folgt jedoch stets ähnlichen Mustern. Im Spannungsfeld zwischen Ort, Nutzung, Raum, Material und Konstruktion suchen wir gemeinsame Nenner, die in der Komposition ein harmonisches Ganzes ergeben. Dabei liegt der Fokus darin, komplexe Zusammenhänge in einer klaren, schlüssigen Form zu organisieren ohne in die Banalität zu verfallen. Unser Entwurfsprozess ist eine Gratwanderung zwischen logisch abgeleiteten und irrational komponierten Strukturen. In diesem Sinne ist das Sicherheitszentrum Weinfelden eine Weiterführung von unserem ersten Bau, dem «Haus in der March».

Sicherheitszentrum Weinfelden Foyer. Bild: Ruedi Walti

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die Vorgabe aus dem Wettbewerbsprogramm, als energetische Zielsetzung mindestens den Minergie®-Standard einzuhalten, hatte unter anderem Einfluss auf die Gebäudeorganisation. Als beheiztes Volumen wurde der kompakt gehaltene Garderoben- und Theorieraumtrakt definiert. Die unbeheizte Fahrzeughalle wurde als Pufferzone zwischen Aussen- und Innenklima integraler Teil des Haustechniksystems. Mit der konsequenten Schliessung der thermischen Hülle generiert der beheizte Gebäudekörper nur sehr wenige Verluste und weist dadurch einen sehr wirtschaftlichen Heizenergieeinsatz auf. Für die Beheizung wird auf den bestehenden Holzwärmeverbund zurückgegriffen. Die Maximierung der solaren Gewinne durch die Fenster garantieren eine minimale Wärmebezugsmenge und damit tiefe Betriebskosten. Das grossflächige Dach ist mit einer Photovoltaikanlage ausgerüstet, welche auch bei diffuser Sonneneinstrahlung Strom produziert und diesen vollständig ins Stromnetz einspeist. Mit der durchdachten Konzeption der Gebäudehülle und einer sehr effizienten Gebäudetechnik ist das Gebäude nach dem Minergie®- Standard für energieeffiziente Bauten zertifiziert.

Sicherheitszentrum Weinfelden Theorieraum. Bild: Ruedi Walti
Sicherheitszentrum Weinfelden Gipsmodell
Sicherheitszentrum Weinfelden Grundriss Erdgeschoss
Sicherheitszentrum Weinfelden Längsschnitt
Sicherheitszentrum Weinfelden Querschnitt
Sicherheitszentrum Weinfelden Situation

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