Lernen ist überall erlaubt

Brandenberger Kloter und André Campos
28. Oktober 2021
Foto: Basile Bornand

Brandenberger Kloter und André Campos haben den Schulcampus von Aarwangen um einen Neubau erweitert. Die Architekten haben versucht, sich in die Kinder hineinzuversetzen und deren Perspektive einzunehmen, wie Adrian Kloter erklärt.

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?


Das Programm umfasst ein Primarschulhaus mit einem Kindergarten. Gemeinsam mit den vorhandenen Bauten bildet unser Neubau «Sonnhalde» ein Ensemble; damit wird das Gelände klar eingefasst. Ein Schulcampus und ein neues Zentrum im Dorf wurden geschaffen. Besonders an dem Projekt sind die zwei gegenläufigen Treppen im zweiseitig orientierten Erschliessungsraum, der nach Bedarf in ein Klassenzimmer verwandelt oder als Lernort genutzt werden kann. Möglich ist dies durch ein separates Fluchttreppenhaus.

Foto: Basile Bornand
Foto: Basile Bornand
Foto: Basile Bornand
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?


Der vorhandene Kontext mit gut erhaltenen, orthogonal zueinander stehenden Sichtbetonbauten aus den 1960er-Jahren stand beim Wettbewerbsentwurf wie auch bei der Ausführung Pate. In der aus dem Kontext übernommenen harten Schale erwartet die Schülerinnen und Schüler eine warme Innenwelt mit viel Holz und attraktiven Sichtbezügen.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer*innen den Entwurf beeinflusst?


Während der gesamten Planungs- und Ausführungszeit wurde in über 40 Meetings das gesamte Projekt mit der Bauherrschaft phasengerecht eingehend diskutiert und abgestimmt.

Damit sich die Kinder in ihren Klassenzimmern wohlfühlen und mit dem Schulhaus identifizieren, haben wir viele Details kindgerecht entwickelt; etwa die Punktraster der bedruckten Gläser, auf denen erst auf den zweiten Blick Tierbilder wie Eichhörnchen, Rotfuchs und Feldhase zu entdecken sind; oder die Garderobenwand mit den gelochten Holzpaneelen mit passenden Holzhaken, die die Kinder nach ihrer Körpergrösse und ihren Vorstellungen einteilen können.

Foto: Basile Bornand
Foto: Basile Bornand
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?


Im Rahmen des Bauprojekts wurde durch die Bauherrschaft der Wunsch geäussert, das gesamte Gebäude zu unterkellern. Dies war anfänglich nicht vorgesehen.

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?


Wie bei anderen Bauten für Kinder nahmen wir auch hier die Perspektive des Kindes als Grundlage für den Entwurf. Zuvor realisierten wir das mit dem best architects award 21 ausgezeichnete Schulhaus Pfeffingen, dessen kubischer Baukörper ein leicht verständliches Raumkonzept bietet. Der Doppelkindergarten in Winkel, eine einfache Schottenstruktur am Hang, ist durch den Einsatz von Klinkerstein und Eiche sinnlich erfahrbar. Und in Birrwil arbeiten wir gerade an einem Schulneubau, der voraussichtlich im Frühjahr 2022 fertig wird. Dort nutzen wir den Garderobenbereich für eine tiefergelegte Aula mit Sitzstufen. Allen Bauten sind eine robuste Materialisierung und sichtbares Handwerk gemeinsam. Konstruktiv sauber gefügt ist dies für die Schülerinnen und Schüler erfahr- und erlebbar, im konkreten wie auch im atmosphärischen Sinne.

Foto: Basile Bornand
Foto: Basile Bornand
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?


Dieses Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass die Betondecken in den Schulzimmern sichtbar belassen wurden. So kann im Sommer das Haus über Nacht gekühlt werden. Durch die Bauteilaktivierung leisten die Decken einen grossen Beitrag zur Behaglichkeit in den Sommermonaten. Die Schallabsorption in den Zimmern erfolgt über die Mikroperforierung in den Holzpaneelen, die als Wandverkleidung dienen. Die in enger Zusammenarbeit mit der Bauphysikerin entwickelte Wandverkleidung ermöglicht eine Schallabsorptionszeit von 0,8 Sekunden – das ist optimal.

Foto: Basile Bornand
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?


Eingesetzt wurden Beton, Eschen- und Eichenfurnier sowie massive Eiche aus dem Wald der Gemeinde. Das Industrieparkett aus Eiche verleiht den Klassenräumen im Obergeschoss einen Werkstattcharakter. Neben den mobilen Schuhablagen, welche als Sitzbänke genutzt werden können, ist auch die Bank vor dem Eingang aus massivem Eichenholz.

Foto: Basile Bornand
Situation
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Grundriss 2. Obergeschoss
Längsschnitt
Bauwerk
Primarschulhaus «Sonnhalde Ost»
 
Standort
Turnhallestrasse 22, 4912 Aarwangen
 
Nutzung
Primarschule und Kindergarten
 
Auftragsart
Offener Wettbewerb, 2014
 
Bauherrschaft
Gemeinde Aarwangen
 
Architektur
Brandenberger Kloter Architekten AG, Basel
Oliver Brandenberger und Adrian Kloter
mit André Campos
 
Fachplaner
Tragwerksplaner: PlusStatik GmbH, Emmen
Landschaftsarchitektur: Stauffer Rösch Landschaftsarchitekten, Basel
Heizungs- Lüftungsplaner: Häusler Ingenieuere AG, Langenthal
Bauphysik (HLKKS / GA Planung): Buri Bauphysik & Akustik AG, Volketswil
Elektroplaner: Bering AG, Langenthal
Sanitärplaner: Häusler Ingenieuere AG, Langenthal
Brandschutzplaner: Buri Bauphysik & Akustik AG, Volketswil
Akkustikplaner: Buri Bauphysik & Akustik AG, Volketswil
Geologe: Wanner AG, Solothurn
Geometer: Grunder Ingenieure AG, Langenthal
Signaletik: Riederer Gestaltet GmbH, Langenthal
Lichtplanung: Hübscher Gestaltet GmbH, Basel
 
Bauleitung 
Daniel Kieliger Bauleitung, Zofingen
 
Jahr der Fertigstellung
2021
 
Gesamtkosten BKP 1–9
CHF 7,9 Mio.
 
Gebäudekosten BKP 2
CHF 6,5 Mio. 
 
Kubikmeterpreis
767,50 CHF/m3 inkl. Mwst.
 
Fotos
Basile Bornand, Basel

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