Wohn- und Gewerbehaus Zentralstrasse

Stadthaus in Zürich-Wiedikon

Demuth Hagenmüller & Lamprecht, Zürich, 2017
21. Februar 2018
Blick in den Strassenzug mit reich gestalteten Gründerzeithäusern. Bild: Andreas Buschmann
Demuth Hagenmüller & Lamprecht Architekten verwandeln ein pragmatisches Bürohaus aus den 1970er-Jahren in ein ausdrucksstarkes Stadthaus. Sandra Hagenmüller stellt sich unseren Fragen.
Name des Bauwerks Wohn- und Gewerbehaus Zentralstrasse
Ort Zentralstrasse 37, Bremgartnerstrasse 31, 8003 Zürich
Nutzung 40 Eigentumswohnungen mit Gewerbe im Erdgeschoss
Auftragsart Eingeladener Wettbewerb, 1. Preis
Bauherrschaft moser bau immobilien ag, Zug
Architektur Demuth Hagenmüller & Lamprecht Architekten GmbH, Zürich | Jutta Romberg, Tanja Hustinx, Alessia Agosti, Michael Grunitz
Fachplaner Dr. J. Grob & Partner AG, Bauingenieure, Winterthur | Buri Bauphysik & Akustik AG, Volketswil | Getec AG, HLKS, Zürich | R+B Engineering AG, Baar, ZG
Bauleitung Implenia AG, Zürich
Jahr der Fertigstellung 2017
Gesamtkosten BKP 1–9 CHF 20 Mio.
Gebäudekosten BKP 2 CHF 16 Mio.
Gebäudevolumen 15’000 m3
Energiestandard Minergie
Fotos Andreas Buschmann
Blick aus einer Seitenstrasse. Bild: Andreas Buschmann
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die Umnutzung eines unspektakulären Bürogebäudes aus den 1970er-Jahren zu einem städtischen Wohn- und Gewerbehaus brachte zwei Herausforderungen mit sich: Wie geht man mit der für Wohnungen vermeintlich unbrauchbaren Tiefe des Bestandes von bis zu 26 Metern um und wie findet man einen adäquaten Ausdruck für eine Fassade in einem Strassenzug des 19. Jahrhunderts? Der ersten Frage begegneten wir mit einem Lichtkörper, den wir vertikal aus dem Bestand herausschnitten. Er gibt den Wohnungen als überhoher Raum eine zusätzliche Dimension und belichtet die dunkle Mitte. In der Fassade strebten wir nach einem starken, eigenständigen Ausdruck, der Bezüge zur Nachbarschaft herstellt und gleichzeitig etwas von seiner Vergangenheit als gerasterter Bürobau erzählt.
Feine Kanneluren verleihen den Betonelementen eine elegante Textur. Bild: Andreas Buschmann
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Auf die Frage, wie man einer monochromen Fassade plastische Spannung verleihen kann, fanden wir bei den Bauten von Francesco Borromini, z.B. der Fassade der Kirche San Carlo alle Quattro Fontane in Rom, Anschauungsmaterial. Im Umgang mit dem starren, obsolet gewordenen Bestand haben uns die radikalen Arbeiten von Gordon Matta-Clark inspiriert.
In der Aufstockung wird die polygonale Form der Innenräume gegen aussen hin sichtbar. Bild: Andreas Buschmann
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Das Gebäude steht in einem Geviert mit Blockrandbauten aus der Gründerzeit, deren Fassaden gegliedert und reich gestaltet sind. Als plastische Motive wirken Gesimse, Balkone, Erker und Dächer, zudem verbindet die Gebäude eine Palette aus Pastellfarben. Wir haben diese Merkmale aufgenommen – zum Beispiel bei den Erkern oder den fein gerillten und eingefärbten Betonelementen. Trotzdem wollten wir die DNA des Bestandes, des gerasterten Bürobaus, nach aussen tragen. Das nackte Grid von Fassadenstützen und Deckenplatten war der Ausgangspunkt für den Fassadenentwurf. Dem Gebäude wurde gewissermassen ein neues Kleid verpasst, das besser in den Kreis der Nachbarn passt aber trotzdem seine Identität und Herkunft bewahrt.
In den Korridorräumen wird die Gebäudetiefe erlebbar. Bild: Andreas Buschmann
Gab es bedeutende Projektänderungen vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk?
Die Idee eines netzartigen Grundrisses, der das starre Stützenraster zu seinen Gunsten umwebt, war schon im Wettbewerb eine Kernidee. Sie hat den Entwurf bis zur Realisierung getragen. Die Räume beginnen zu atmen, sie dehnen und spannen sich und erhalten einen kontinuierlichen, fast barockartigen Fluss.
Der Lichtkörper tritt unterschiedlich in Erscheinung – als Ober- oder Seitenlicht. Bild: Andreas Buschmann
Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Eine grosse Frage war die Materialisierung der Fassadenhaut. Das Gebäude stand bereits auf der Baulinie, und die Fassade konnte für energetische Zwecke nur minimal verbreitert werden. Glasfaserarmierter Beton ermöglichte es uns, Elemente mit reduziertem Querschnitt herzustellen. Dass das Material sich zudem schön formen lässt, nutzten wir als Chance, eine Fügung mittels Überlappung der Elemente zu realisieren. Dadurch konnten wir ein Fassadenbild ohne sichtbare Fugen erreichen. Füllungen verweben sich mit horizontalen und vertikalen Bändern und verleihen dem Gebäude einen textilen Ausdruck. Das Material war zudem Ausgangspunkt einer langen Materialrecherche zu Farbigkeit, Textur und Oberfläche.
Schwarzplan
1. Obergeschoss
2. Obergeschoss
4. Obergeschoss
Dachaufsicht
Schnitt
Axonometrie Fassade

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