Wasserhaus

Transformation und Identität

HILDEBRAND Blausee, Switzerland - 2017
14. Februar 2018
Bild: Erica Overmeer
HILDEBRAND haben am Blausee einen Pavillon gebaut, der die Poesie des Ortes aufnimmt und Low- mit Hightech verbindet.
Nutzung Veranstaltungsort, Wasser-Abfüllanlage, WC
Ort Blausee BE
Auftragsart Direktauftrag
Bauherrschaft Blausee AG
Architektur HILDEBRAND | Sarah Lechner (Projektleitung), Thomas Hildebrand, Kousaku Matsumoto
Fachplaner Pirmin Jung Ingenieure, Thun BE
Bauleitung Fritz Schneider, Reichenbach im Kandertal BE
Jahr der Fertigstellung 2017
Gesamtkosten BKP 1–9 CHF 0,3 Mio.
Gebäudevolumen ca. 220 m3 (SIA 116) bzw. ca. 120 m3 (SIA 416)
Massgeblich beteiligte Unternehmer Baumeister: Fritz Schneider, Reichenbach BE | Holzbau: Holzbau Lauener, Reichenbach BE | Schindeldach: Michael Beetschen, Kiental BE
Fotos Erica Overmeer | HILDEBRAND | Blausee AG
Bild: Blausee AG
Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die gewaltige Landschaft rund um den Blausee wurde vor 15’000 Jahren durch einen Felssturz geformt. Das mineralreiche Wasser verleiht dem See seine tiefblaue Farbe – und den Namen. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Blausee eine Tourismusdestination auf der Route ins Wallis.
Bild: Erica Overmeer
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die alten Berner Bauernhäuser und Scheunen mit ihren grossen, weit ausladenden Dächern, die fast bis zum Boden reichen. Das archaische Bild vom grossen schützenden Dach in der weiten Landschaft diente als Leitbild. Das Dach ist auch nach Fertigstellung des Gebäudes der Hauptdarsteller des Projektes geblieben. Es ist dreilagig in Schindeln gedeckt, die auch im Inneren sichtbar sind. Es hat keine Dachfenster und wird von keinem Sanitärrohr durchstossen. Zudem wurde auf eine Dachrinne verzichtet. An einem regnerischen Tag bildet sich entlang der Traufkante ein Vorhang aus Wassertropfen. Steht man unter dem Dach, befindet man sich wirklich in einem geschützten Raum.
Bild: Erica Overmeer
Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt? 
Der Ort hat das Gebäude auf allen Ebenen beeinflusst: materiell, formal und sozial. Wir haben zum Beispiel nur lokales Fichtenholz verwendet und ausschliesslich mit ortsansässigen Handwerkern gebaut. Das Schindeldach wurde von einem lokalen Schindelmacher in der vierten Generation ausgeführt. Er ist einer der letzten drei Schindelmacher im Berner Oberland. Aus konstruktiven Gründen hat er die «geschleifte Fribourger-Technik» empfohlen, die den Grat der Schindel nicht scharfkantig, sondern gebrochen artikuliert. Dies ist konstruktiv nachhaltiger und gibt dem Dach eine organische Erscheinung. Zudem hat er jede fünfte Schindel-Reihe in die entgegengesetzte Richtung verlegt, damit die Geschwindigkeit des fliessenden Wassers gebremst wird.
 
Die Auseinandersetzung mit dem lokalen handwerklichen Know-how hat aber nicht nur die Erscheinung des Baus beeinflusst, sondern auch die Teamarbeit und letztlich den emotionalen Bezug zur Aufgabe. Dies führte dazu, dass die lokale Bevölkerung sich mit dem Gebäude identifiziert.
Bild: HILDEBRAND
Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Unser Büro befindet sich in einer Transformationsphase, in der unsere Entwürfe spezifischer werden, und wir uns noch stärker mit dem Ort, dem Material und der Produktion von Architektur befassen wollen. Dies ist auch der Grund, warum wir dieses Jahr den Namenswechsel vom eher unspezifischen Blue Architects aus den Anfängen zu HILDEBRAND vollzogen haben.
 
Die Rolle der Architektur und ihre Wirkung auf die kulturelle Kontinuität ist eine zentrale Fragestellung unserer Zeit und stellt sich in dieser kleinen Bauaufgabe explizit: Wie verbindet man auf intelligente Art und Weise Hightech und Lowtech miteinander? Dieses Projekt gibt uns Erkenntnisse für komplexere Bauaufgaben – und die Verbindung von digital produzierten verleimten Holzträgern mit den von Hand gefertigten Schindeln finden wir einfach wunderbar.
 
Mit aller Faszination für die rasante Entwicklung der Technologie ist es immer wieder wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass mehr Technologie nicht zwingend gesellschaftlicher Fortschritt bedeutet. Wir glauben, dass es – gerade auch im Umgang mit modernster Technologie – das primäre Ziel sein muss, Gebäude zu planen die zum menschlichen Massstab passen und unsere Sinne ansprechen.
Bild: HILDEBRAND
Lageplan
Grundriss
Diagramm Dachbalken
Längsschnitt

Verwandte Artikel

Featured Projekt

Mecanoo

Eurojust (EU agency)

Andere Artikel in dieser Kategorie