Wohnüberbauung Schneebeliweg, Zürich-Altstetten

Wohnen im polygonalen Holzbau

Haltmeier Kister
31. Januar 2019
Die dörfliche Vergangenheit prägt die Umgebung mit. Bild: Lukas Schaffhuser

Haltmeier Kister haben im vergangenen Jahr in Zürich-Altstetten ein Wohnhaus realisiert. Liliane Haltmeier und Luise Kister beantworten unsere fünf Fragen.

Nutzung Wohnhaus mit 21 Genossenschaftswohnungen und einer Pflegewohnung für 12 Betagte
Ort Schneebeliweg 1 + 3, 8048 Zürich
Auftragsart Wettbewerb auf Einladung, 1. Rang
Bauherrschaft Baugenossenschaft Zurlinden
Architektur Haltmeier Kister Architektur GmbH, Zürich, Projektleiter Luise Kister, beteiligte Mitarbeiter Liliane Haltmeier, Debora Bühlmann, Marcel Fritz
Bauleitung Primobau AG, Zürich
Jahr der Fertigstellung 2018
Gesamtkosten BKP 1–9 16,9 Mio. CHF
Gebäudevolumen SIA 416 14'000 m3
Gesamtkosten BKP 1-9 16,9 Mio. CHF
Gebäudekosten BKP 2 15 Mio. CHF
Energiestandard 2000-Watt-Gesellschaft gemäss SIA Effizienzpfad Energie
Fotos Lukas Schaffhuser

Fast alle Wohnungen öffnen sich zum Gartenraum im Südwesten. Bild: Lukas Schaffhuser

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Die Ausgangslage ist einzigartig für die Stadt Zürich: Ein denkmalgeschütztes, 200-jähriges Bauernhaus spannt mit einem Ökonomiegebäude einen lebendigen Werkhof auf und wird von einer lauschigen, mit Obstbäumen bestandenen Wiese umgeben. Die Herausforderung lag darin, der bestehenden Situation und dem Wunsch der Bauherrschaft nach möglichst vielen Wohnungen gerecht zu werden. Dabei war es uns ein grosses Anliegen, einen eigenständigen, zeitgemässen Neubau mit spannenden Wohnungen zu entwickeln, welcher das bestehende Ensemble sensibel erweitert und die vorhandenen Qualitäten schärft.

Situation. Bild: Haltmeier Kister

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die Fassade des Neubaus orientiert sich am Vorbild alter Wohnhäuser in bäuerlichem Kontext, so auch am denkmalgeschützten Bauernhaus in direkter Nachbarschaft. Das neue Volumen erhebt sich über seinem muralen, dem Terrain folgenden Sockel und wird von einem hölzernen, dunklen Fassadenkleid umhüllt. Diese äussere Erscheinung spiegelt auch die innere, konstruktive Logik wider. Die erdberührenden Geschosse sind als Massivbau erstellt und bilden das Fundament für die darüberliegenden Geschosse in Holzbauweise.

Die Wohnungen werden über zwei Treppenhäuser erschlossen. Bild: Lukas Schaffhuser

Wie hat der Ort auf den Entwurf eingewirkt?
Die Volumetrie wurde massgeschneidert aus dem Ort und den baurechtlichen Rahmenbedingungen entwickelt. Der sanft geschwungene Baukörper fügt sich subtil in die von heterogenen Wohnbauten geprägte Situation ein. Durch die präzise gesetzten, feinen Knicke werden charaktervolle Aussenräume geschaffen, das Gebäude gegliedert und dessen Länge mehrfach gebrochen. Dem südlich gelegenen Bauernhaus räumt das neue Gebäude mit seiner ruhigen Gartenfassade maximalen Platz ein und stärkt gleichzeitig die bestehende Wiese mit ihren Obstbäumen als geschützten Ort - als Raum des Verweilens.
Die Logik der äusseren Form wird im Inneren in eine orthogonale Zimmerstruktur überführt. Die dadurch entstehenden, fliessenden und polygonalen Wohnräume ermöglichen Blickbezüge in unterschiedliche Himmelsrichtungen. Dem genossenschaftlichen Gedanken folgend, erhalten die auf geringer Fläche organisierten Wohnungen durch diese spannende Raumkomposition eine zeit- gemässe Grosszügigkeit.

Der polygonale Umriss des Volumens ist in den Wohnungen erlebbar. Bild: Lukas Schaffhuser

Inwiefern hat die Bauherrschaft den Entwurf beeinflusst?
Die Baugenossenschaft Zurlinden verfolgt mit ihren Neubauten seit Jahren die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft. Durch ihre langjährige Erfahrung hat sie diverse Systeme entwickelt, welche auch dieses Gebäude auf konstruktiver und technischer Ebene stark beeinflusst haben: So basiert der kompakt organisierte Holzbau auf dem System der «X-Floor»-Decke (Holz-Beton-Hybrid-Decken) und der «Top-Wall» (vertikal aufgestellte Holzbohlen). Der Bau wurde mit einer energieeffizienten Haustechnik ausgestattet, im Keller steht ein Wassertank, welcher die selbst gewonnene Energie speichert. Die vom Treppenhaus zugänglichen Medienschächte, die in Kanälen geführten Elektroleitungen und das dezentrale Fensterlüftungssystem zeugen von dem Wunsch, technische Funktionen voneinander zu trennen und das Einlegen von Leitungen zu umgehen. Dies sind alles Massnahmen, um den ambitionierten Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft gerecht zu werden.

Grundrisse Erdgeschoss und 2. Obergeschoss. Bild: Haltmeier Kister

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Das Gebäude ist der zweite fertiggestellte Neubau unseres noch jungen Büros – von einer Reihe an Bauten kann daher noch nicht die Rede sein. Durch die Einzigartigkeit des Ortes, der polygonalen Form und der speziellen Konstruktion und Gebäudetechnik wird der Neubau am Schneebeliweg für unser Büro aber auch längerfristig ein Prototyp in vielerlei Hinsicht sein.

Bild: Lukas Schaffhuser

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