Neubau Wohnhaus mit Yogaraum am historischen Dorfplatz Neu St. Johann, 2017

Wohnen und Yoga am historischen Dorfplatz

Jeannette Geissmann 
14. September 2017
Fassade West. Bild: Jürg Zürcher

Jeannette Geissmann Architekten haben kürzlich ein Einfamilienhaus mit Yogaraum fertiggestellt. Die Architektin Jeannette Geissmann stellt sich unseren Fragen.

Nutzung Einfamilienhaus mit Yogaraum und Einliegerwohnung
Ort Sidwaldstrasse 18, 9652 Neu St. Johann SG
Auftragsart privater Studienauftrag, 1.Rang
Bauherrschaft privat
Architektur Jeannette Geissmann Architektur GmbH, St. Gallen SG | Mitarbeit: Jeannette Geissmann, Sandra Soares, Ryan Neubauer
Fachplaner Lichtplanung: Luminati, Licht und Raumkonzepte, Trogen | Farbkonzept: Esther Rüthemann, St. Gallen | Ingenieur: Schällibaum AG, Wattwil SG | Planung HLK-S: Züllig + Rusch GmbH, Mosnang SG | Bauphysik: Baumann Akustik und Bauphysik AG, Dietfurt SG
Bauleitung Schällibaum AG, Wattwil SG
Jahr der Fertigstellung 2017
Gebäudevolumen 1860 m3 (SIA 116)
Massgeblich beteiligte Unternehmer Zimmermann: Abderhalden Holzbau AG, Wattwil SG
Fotos Jürg Zürcher Fotografie
Holzfassade mit Leistenschirm. Bild: Jürg Zürcher

Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Am historischen Viehmarktplatz in der Ortsbildschutzzone von Neu St. Johann zu bauen war für uns eine sehr schöne und herausfordernde Arbeit. Der historische Dorfplatz aus dem 16. Jahrhundert, gerahmt von zwei Gasthäusern, einem stattlichen Wohnhaus und dem Dorfbrunnen, der Blick vom Bauland auf die Churfirsten, zusammen mit dem Wunsch der Bauherrschaft ein Gefüge aus mehreren Gebäuden zu planen, sind das Besondere an dieser Bauaufgabe.
 

Wohnbereich und Hof. Bild: Jürg Zürcher

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Der Wunsch nach Integration des Gebäudes in den historischen Dorfplatz kombiniert mit individuellen Raumideen und dem Bedürfnis nach geborgenen Freiräumen mit viel Privatsphäre und Licht sind die Inspirationen, die hier zugrunde liegen.
 
Sonneneinstrahlung und Aussicht spielen ebenfalls eine grosse Rolle. Das Projekt, mit einem Privatwohnhaus, einer Einliegerwohnung und dem extern zugänglichen Yogaraum, besteht aus zwei aneinandergefügten Baukörpern, welche an ein natürlich gewachsenes Ensemble erinnern. Der Hauptbau orientiert sich zum historischen Dorfplatz. Durch die Setzung des Yogagebäudes auf die Südseite wandert das Licht im Innern des Wohnhauses ähnlich einer Sonnenuhr und schafft im Verlauf des Tages sehr unterschiedliche Lichtstimmungen. Das Zusammenfügen zweier Baukörper schafft kostbare Aussen- und Zwischenräume. Mitten im Dorfzentrum bieten die Innenräume verschiedene Ausblicke und Freiräume für individuellen Lebensraum.

Wohnbereich mit Sichtbezügen. Bild: Jürg Zürcher

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
​Die Bauherrschaft hatte grosses Vertrauen, war sehr offen und hatte zugleich ganz klare und sehr individuelle Vorstellungen zur Art und Weise wie Sie wohnen und bauen wollen. Während der Entwurfsphase hat die Bauherrschaft Ihr Raumprogramm und Ihre ganz speziellen Wünsche auf einer mehreren Metern langen Collage mit Bildern und farbigen Skizzen dargestellt.
                                       
Unsere Gespräche und Sitzungen haben wir oft in einem kleinen Restaurant im Kreis 5 in Zürich abgehalten. Die gesamte Zusammenarbeit war auf verschiedenen Ebenen sehr inspirierend. Natürlich hat der Wunsch der Bauherrschaft, mehrere Baukörper mit intimen Aussenräumen zu planen, den Entwurf massgebend beeinflusst.

Galeriegeschoss. Bild:Jürg Zürcher Fotografie

Wie gliedert sich das Gebäude in die Reihe der bestehenden Bauten des Büros ein?
Wohnhäuser gehören eher zu den Minderheiten unserer bereits ausgeführten Projekte. Das Haus am Dorfplatz reagiert auf seinen speziellen Ort und die einzigartige Lage mitten am Dorfplatz mit Sicht auf die Churfirsten.
 
Das Projekt wiederspiegelt unser Interesse an der Auseinandersetzung mit der Umgebung und dem Dialog mit der Bauherrschaft, welche die Grundlagen jeder Entwurfsarbeit bilden. Wir entwickeln jedes unserer Projekte von Grund auf neu und erachten es als inspirierend, uns immer neuen Nutzungen und Ansprüchen zu stellen. Mit einem klaren konzeptionellen Ansatz sollen Baukörper, Räume, Licht und Material erlebbar und zu einem gemeinsamen Kontext verwachsen.

Nasszelle. Bild: Jürg Zürcher

Welches Produkt oder Material hat zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Weisstannenholz ist das prägende Material, welches zum eigenständigen Charakter des Projekts beiträgt. Wir haben das Holz als Fassadenmaterial und auch als Innere Verkleidung der Gebäudehülle angewendet. Bis auf die Bodenplatte und die Umfassungswände im Sockelgeschoss wurde die gesamte Konstruktion in Holz ausgeführt. Die Fassade soll sich an die einfachen Wohnhäuser und Ställe im Toggenburg anlehnen.
                                            
Im Innern haben wir hauptsächlich rohe und natürliche Materialien angewendet. Die Böden wurden mit einem geschliffenen naturfarbenen Anhydrit-Estrich ausgeführt. Die Nasszellen sind mit farbigen Zementmosaikplatten gestaltet.

Dorfplatz und Churfirsten. Bild: Jürg Zürcher
Situation
Erdgeschoss
Querschnitt 1
Querschnitt 2

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