Ausgezeichnetes Engagement

John Hill, Katinka Corts
4. November 2020
Das Anandaloy-Gebäude im Bau (Foto: Stefano Mori)

Das Anandaloy-Gebäude von Anna Heringer in Bangladesch beherbergt ein Zentrum für Menschen mit Behinderung und ein Textilstudio, das insbesondere Frauen bessere Arbeitsmöglichkeiten bieten soll. Gebaut wurde das Haus von einheimischen Handwerker*innen aus Lehm und Bambus. Die Henrik Frode Obel Foundation hat das Projekt ausgezeichnet.

Anna Heringer aus dem bayerischen Rosenheim ist auf nachhaltiges Bauen spezialisiert. Für ihr zweistöckiges Anandaloy-Gebäude aus Lehm und Bambus hat sie nun verdient den Obel Award erhalten, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen wurde. Junya Ishigamis Water Garden im japanischen Tochigi wurde zuvor als erstes Projekt ausgezeichnet. Mit dem Preis werden hervorragende Bauten gewürdigt, die einen Beitrag leisten, benachteiligten Menschen und Regionen auf die Beine zu helfen. Auch Projekte, die Lösungen für drängende Probleme wie den Klimawandel oder die Zerstörung unserer Umwelt aufzeigen, sind Anwärter auf die Auszeichnung. Die heurige Siegerin erhält 100 000 Euro Preisgeld – und ein Kunstwerk von Tomás Saraceno.

Für europäische Augen mag die Formensprache des streng symmetrischen Lehmbaus ungewohnt wirken, doch fügt sie sich gut in die Umgebung ein und greift regionale Bautraditionen auf. (Foto: Kurt Hoerbst)

Die Obel Foundation legt für ihre Auszeichnung jedes Jahr ein besonderes Schwerpunktthema fest. 2020 lautet es «Mending – kreatives Ausbessern durch klimapositives Bauen oder Gestalten». Die Jury sieht im Anandaloy-Gebäude eine besonders gelungene, vielschichtige Antwort hierauf. Das Projekt verknüpfe nachhaltiges, soziales und architektonisch anspruchsvolles Design geschickt miteinander. Der Bau erinnert an Heringers Erstlingswerk: die mit dem Aga-Khan-Preis für Architektur ausgezeichnete Meti-Schule. Diese steht ebenfalls in Bangladesch und wurde gleichfalls von Einheimischen in Zusammenarbeit mit der Architektin entwickelt und gebaut.

Im ersten Obergeschoss spendet die Dachkonstruktion aus Bambus Schutz vor der Witterung. (Foto: Kurt Hoerbst)
Die Lehmarchitektur beinhaltet Höhlen; dort können Kinder spielen oder auch Ruhe finden. (Foto: Kurt Hoerbst)
Reiche Lehmarchitektur

Die markanten Lehmwände des Gebäudes «wölben sich und tanzen», wie die Architektin sagt, das Haus wartet mit einigen Überraschungen auf – zum Beispiel mit Höhlen, «die entweder einen Platz bieten, an dem es Spaß macht, sich zu bewegen, oder einen ruhigen Raum, wenn man sich einen Augenblick lang geschützt und umarmt fühlen möchte». Eine gewundene Rampe führt in den ersten Stock, wo die aussenliegenden Gänge durch ein grosszügiges, auf eine Konstruktion aus Bambus gestütztes Dach vor den Unbilden der Witterung geschützt sind. Im Erdgeschoss ist ein Therapiezentrum für Menschen mit Behinderung untergebracht, während im Obergeschoss das Studio Dipdii Textiles Platz gefunden hat, ein von Anna Heringer und Veronika Lang zusammen mit der NGO Dipshikha ins Leben gerufenes Projekt, dessen Ziel die Unterstützung der lokalen Textiltraditionen und die Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten von Frauen aus der Region ist.

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