Bewegliches Dach gewinnt

Susanna Koeberle
13. Juni 2019
Das siegreiche Projekt «Anthropomorphe Form» von EMI Architekten (Rendering: EMI Architekten)

Während der Art Basel wurden die Schweizer Kunstpreise verliehen. Unter den Preisträger*innen befindet sich das Zürcher Büro EMI Architekten. In den Bereichen Architektur und Kritik/Edition/Ausstellung gab es dabei eine wichtige Neuerung: Ein für die Kunstpreise entwickeltes Projekt konnte präsentiert und soll nächstes Jahr umgesetzt werden.

Die Schweizer Kunstpreise werden seit 1899 vergeben. Auf Empfehlung der Eidgenössischen Kunstkommission und eingeladener Experten zeichnet das Bundesamt für Kultur für die diesjährige Ausgabe neun Künstler*innen, ein Architekturbüro und eine Position im Bereich Kritik/Edition/Ausstellung aus. Mit dem Grand Prix Kunst/Prix Meret Oppenheim werden dieses Jahr die Architekten Marcel Meili (1953 – 2019) und Markus Peter, der Journalist und Kunstkritiker Samuel Schellenberg und die Künstlerin Shirana Shahbazi ausgezeichnet. Die Arbeiten der Preisträger*innen sowie der Teilnehmenden der zweiten Runde werden zurzeit an der Messe Basel in der Halle 3 ausgestellt. In den Bereichen Architektur und Kritik/Edition/Ausstellung wurde eine Neuerung umgesetzt, die sowohl in der Schweiz als auch international einmalig ist. So wurde den teilnehmenden Architekt*innen und Kurator*innen erstmals ermöglicht, ein für die Schweizer Kunstpreise entwickeltes Projekt zu präsentieren und umzusetzen. Damit wird ein Bezug zur Praxis hergestellt. 

Modell des Projekts von EMI Architekten, das zurzeit an der Messe Basel in der Halle 3 ausgestellt ist. (Foto: BAK)

Die Gewinner im Bereich Architektur, das Zürcher Büro Edelaar Mosayebi Inderbitzin (EMI) Architekten, werden nächstes Jahr das Dach der Ausstellungshalle bespielen. Als wesentliches konstruktives Prinzip ist das Dach zugleich ein eher stiefmütterlich behandeltes Element in der Architektur. Dass sie sich für dieses als Ort der Intervention entschieden, habe damit zu tun, dass man dadurch den Raum verändern könne, ohne ihn dabei wesentlich zu tangieren, erklärt Elli Mosayebi vor Ort. Die Installation «Anthropomorphe Form» nimmt die ganze Halle als Raum und Träger ein und wird so zu einem architektonischen Werk. Mit einem unter dem Dach aufgespannten beweglichen Textil wollen die drei Architekt*innen einen performativen Raum kreieren, der einen starken Bezug zum Menschen schafft. Schon länger interessieren sich Edelaar Mosayebi Inderbitzin für das Thema Wandelbarkeit in der Architektur, mit diesem Projekt gehen sie nun einen Schritt weiter. Die Form des hellgrauen, lichtdurchlässigen Textils (bewusst wurde auf eine Farbe verzichtet) wird sich laufend verändern, allerdings so langsam, dass die Bewegung kaum wahrnehmbar sein wird. Das sich stetig wandelnde Aussehen kann dabei ganz klassisch an die archetypische Form des Zeltes erinnern, doch je nachdem auch an eine Wolke. Durch das Spiel zwischen Chaos und Ordnung entsteht eine lebendige Gestalt, die quasi ein Eigenleben besitzt. Die Decke werde zum Organ, sagt Ron Edelaar. Diese Aussage macht deutlich, dass der Bezug zwischen Körper und Architektur kein selbstverständlicher ist. Der Motor, der für die Bewegung zuständig ist, wird durch einen Algorithmus gesteuert, welcher unterschiedliche Parameter der (menschlichen) Aktivität verarbeitet: den Geräuschpegel, die Anzahl der Besucher*innen oder die Geschwindigkeit ihrer Bewegungen. Dieser Mechanismus ist zugleich auch als Kommentar zu unserem fremdgesteuerten Alltag zu verstehen.

So erinnert das Textil an einen Baldachin. (Rendering: EMI Architekten)
Walbauchgefühl (Rendering: EMI Achitekten)
Die Intervention wird den Raum verändern, aber nicht tangieren. (Rendering: EMI Architekten)

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