Hoffnungsträger

Elias Baumgarten
30. Januar 2020
Von links nach rechts: Nico Rothenbühler, Scott Lloyd und Nemanja Zimonjić von TEN (Foto: Christian Santos)

Das Kollektiv TEN hat die aktuelle Auflage des «Foundation Award» gewonnen. Das interdisziplinäre Team konnte sich gegen ein starkes Teilnehmerfeld durchsetzen. Auf den Plätzen folgten die hoffnungsvollen Büros Ruumfabrigg und studio komaba. Beim «Generationengespräch» nach der Preisverleihung zeigte sich: Junge Gestalter*innen sind, obschon manche anderes behaupten, durchaus politisch. Bauen allein reicht einigen von ihnen nicht, sie engagieren sich darüber hinaus. Das macht Mut!

2010 wurde der «Foundation Award» erstmals verliehen. Gemeinsam möchten ComputerWorks, Hochparterre, der Online-Kultursender art-tv.ch, HP Hewlett Packard, das Schweizerische Architekturmuseum S AM, die Swissbau und Swiss-Architects.com mit dem Förderpreis Schweizer Nachwuchsarchitekt*innen unterstützen und ihnen helfen, durchzustarten. Dabei fällt die Bilanz nach einem Jahrzehnt überaus positiv aus und die bisher ausgezeichneten Talente sind mittlerweile wichtige Stimmen in der Schweizer Architekturszene, viele geben gar mit den Ton an. So zum Beispiel Fabio Felippi und Thomas Wyssen, die Sieger von 2011. An der diesjährigen Preisverleihung, die am 17. Januar im Rahmen der Swissbau in Basel stattfand, berichteten sie, wie es ihnen seit ihrem Triumph ergangen ist und sprachen über die Höhen und Tiefen der Arbeit als Architekten. Anschliessend wurden die Preise verliehen. 

1. Platz: TEN

Der Sieg ging an das Zürcher Kollektiv TEN. Warum hat das interdisziplinäre Team, das als Verein organisiert ist, sich durchgesetzt? Wie BSA-Generalsekretär Caspar Schärer in seiner Laudatio herausstrich, arbeitet TEN niemals an rein kommerziellen Projekten, denn das ist laut Vereinsstatuten verboten. Die jungen Gestalter*innen sehen sich als Betreiber*innen einer Forschungsplattform mit Architekturarm. Sie beschäftigen sich mit Materialien und Bautechniken genauso wie mit dem Auffinden von Restgrundstücken, die genossenschaftlich überbaut werden können.

Von links nach rechts: Bettina Marti, Nina Cattaneo, Pascal Marx von Ruumfabrigg mit Romana Castiglioni (Foto: Christian Santos)
2. Platz: Ruumfabrigg

Dass Architektur mehr bedeutet als «nur» zu entwerfen und zu bauen, teilen Nina Cattaneo, Pascal Marx und Bettina Marti von Ruumfabrigg. Die jungen Glarner engagieren sich sehr für eine hochstehende Baukultur in ihrem Heimatkanton, wie Romana Castiglioni (Studio Barrus) lobte. Gemeinsam mit der STW AG für Raumplanung aus Chur arbeiten sie an räumlichen Dorfbildern als Teil der Revision der Nutzungsplanung in Glarus-Nord. Die Analysen, die je als Büchlein publiziert und an öffentlichen Dorfspaziergängen mit der Bevölkerung besprochen werden, sollen allen an der Planung Beteiligten als Hilfe dienen und zugleich alle Menschen für den Wert qualitätsvoller Architektur sensibilisieren – auf dass weniger «beliebiger Einheitsbrei» entstehe.

Jana Hartmann und Dennis Häusler sind studio komaba. (Foto: Christian Santos)
 
3. Platz: studio komaba

Über den dritten Rang schliesslich durfte sich studio komaba freuen. Jana Hartmann und Dennis Häusler überzeugten die Jury zuvorderst mit dem Entwurf eines filigranen, leichten Theaterraums in Holz und Textil. Dieser kann demontiert werden und steht für verschiedenen Nutzungsszenarien offen. Denn das Duo ist überzeugt, dass Räume wandelbar sein müssen, weil weder ihre künftige Nutzung noch ihre Entwicklung genau vorhergesehen oder gar rigide durchgeplant werden können.

Mehr als Bauen

Nach der Preisverleihung entwickelte sich ein spannendes «Generationengespräch», moderiert von Hochparterre-Redaktor Palle Petersen. Dabei zeigten sich gemeinsame Positionen; zum Beispiel, dass Geniekult und Autorenbüros ausgedient haben. Auch stimmten die jungen Gestalter*innen darin überein, dass ihnen Bauen allein zu wenig ist. Man müsse auch politisch aktiv werden. Begründet wurde dieser Standpunkt unterschiedlich: mit dem Frust über die soziokulturelle und ökonomische Wirklichkeit, aber auch mit der Durchschnittlichkeit und Beliebigkeit grosser Teile der Bauproduktion der letzten Jahrzehnte. Es macht Mut, dass die junge Generation eben nicht unpolitisch ist, wie ihr ältere Semester gerne vorhalten. Und das ist auch nötig, zeichnen sich doch weltpolitische Umbrüche ab und sind grosse Herausforderungen zu bewältigen – neben der aktuell viel diskutierten Klimakrise etwa die soziokulturellen und sozioökonomischen Folgen der Digitalisierung.

Wir gratulieren allen Preisträger*innen und freuen uns auf die Bauten, in die ihre Überzeugungen in den nächsten Jahren münden werden.

Foto: Christian Santos

Die Jury bestand aus:

Elias Baumgarten, Chefredaktor Swiss-Architects.com
Palle Petersen, Redaktor Hochparterre
Caspar Schärer, Generalsekretär Bund Schweizer Architekten BSA
Annette Spiro, Architektin und Professorin an der ETH Zürich
Selina Walder, Architektin in Flims
Besa Zajmi, Architektin in Zürich (Studio Barrus, Gewinnerbüro 2019)

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