Signau House & Garden

 Jenny Keller
14. September 2018
Die Veranda. Bild: Michael Reinhard, Signau House & Garden
Wie man im Wettbewerb die richtigen Entscheidungen trifft und nicht nur das Haus, sondern auch den Garten in ein Sanierungskonzept miteinbezieht. Ein Beispiel aus Zürich beschrieben von Jenny Keller.
Im Zürcher Neumünsterquartier in einer ruhigen Seitenstrasse gesäumt von herrschaftlichen Villen befindet sich seit diesem Sommer ein kleines und sehr feines Bed & Breakfast. Eine ehemalige Heimatstil-Villa und ihr Garten wurde von Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten, kurz EMI Architekten, und vom Landschaftsarchitekten Daniel Ganz, zu einem Hotel umgebaut, das eigentlich gar keines sein möchte. So fassen die Besitzer die Stimmung und das Gefühl zusammen, das den Gästen in diesem «Guesthouse» mit neun individuellen Doppelzimmern vermittelt werden soll. Für den Umbau der Herrschaftsvilla von 1911, erbaut von den Architekten Pfleghard & Haefeli, in das «Signau House & Garden» wurde ein kleiner Wettbewerb veranstaltet, den EMI Architekten und Daniel Ganz für sich entscheiden konnten, indem sie den Garten mit in das Konzept genommen, also die Vorgaben des Wettbewerbs gegen aussen erweitert haben. Der Auftrag lautete, das als Wohnhaus erbaute und später zu einem Bürogebäude mit Privatkino im Untergeschoss umgenutzte Gebäude zu sanieren und den Bau einer Tiefgarage zu prüfen. Doch das sich für den Wettbewerb formierte Team hat mit der Wettbewerbseingabe einen Vorschlag für die Sanierung des Gartens miteingereicht. Dieser wurde in den 1960er-Jahren zu einem Parkplatz umgewandelt, doch die ursprünglichen Pläne gehen zurück auf den Gartenarchitekten Gustav Ammann und seine Zeit bei der Zürcher Gartenbaufirma Otto Froebels Erben.
Blick zum Gartenpavillon. Bild: Daniel Ganz
Wettbewerbsentscheidend
Theres Hollenstein, Projektleiterin des Umbaus bei EMI Architekten erklärt diesen strategisch klugen und somit wettbewerbsentscheidenden Schachzug damit, dass der Spielraum für den Umbau sowieso eingeschränkt war im Rahmen des Denkmalschutzes. So ist das Haus von aussen komplett geschützt, sind alle bauzeitlichen Teile und die Oberflächen im Erdgeschoss geschützt. In der ersten Etage stehen die Einbauten und die Parkettböden unter Schutz – und im Dachgeschoss konnten die grössten strukturellen Eingriffe vorgenommen werden.
 
Neben den neun Doppelzimmern auf zwei Etagen heissen ein Kaminzimmer, ein Speisezimmer, Salon und Veranda mit direktem Zugang zum Garten die Gäste willkommen. Man betritt als Gast quasi ein privates Stadtpalais mit grosser Aufenthaltsqualität, das einem in seiner ganzen Pracht für die Dauer seines Aufenthaltes zu Verfügung steht. Die Möblierung stammt zum Teil aus dem Fundus der Besitzer, besteht aus Designklassikern aus der Erbauungszeit, zum Beispiel den Wiener Werkstätten um Josef Hoffmann. Und die Betten und Nachttische in den Zimmern sind Eigenanfertigungen und das Design der Architekten. Die Farbgestaltung ist auch aus der Feder von EMI, die ein neues Farbkonzept anwenden konnten, weil keine eindeutigen Spuren gefunden wurden.
Die Eingfangshalle. Bild: Michael Reinhard, Signau House & Garden
Ein Möbelstück aus Familienbesitz mit neuem Bezug. Bild: Michael Reinhard, Signau House & Garden
Weil das als Herrschaftsvilla gebaute Haus ab den 1960er-Jahren die Büros von Universal beherbergte, befindet sich im Untergeschoss ein Kino mit separatem Eingang. Dieses wurde komplett erneuert, mit separatem Eingang versehen und macht das «Signau House & Garden» zu einem noch exklusiveren Ort. Im Untergeschoss herrscht indes eine eigene Welt, die nichts mit Pfleghard & Haefeli zu tun hat und inspiriert ist von alten Schwarz-Weiss-Filmen. Die Architekten haben für das Untergeschoss eigene Leuchten entworfen, die in ihrer floralen Anmutung einen Vorgeschmack auf den Garten geben, wenn man den Zugang via Tiefgarage wählt und durchs Foyer des Kinos nach oben gelangt.
 
Doch nicht nur das Kino stellt eine Besonderheit von «Signau House & Garden» dar: «Es war ein Glücksfall, dass wir dank den Originalplänen, die beim GTA lagen, so nah am Original entwerfen konnten, trotz der späteren Umbaumassnahmen», sagt Theres Hollenstein. Solche Besonderheiten wurden von EMI Architekten rekonstruiert, und gewisse Details wurden im Sinne der Erbauer weiterentworfen. Alle Schreinerarbeiten sind beispielsweise aus Fichte, keine Holzwerkstoffe wurden eingesetzt, die Türen sind gestemmt, und das ursprüngliche Handwerk wurde wieder aufgegriffen. Diese Herangehensweise habe aber nichts mit Nostalgie zu tun, sondern es ging darum, eine Einheit zu generieren. Die neuen Teile hätten sich sonst nicht in den Bestand eingeordnet, sagt Hollenstein. Dass der Umbau deswegen teurer geworden wäre, verneint sie, denn es sei grundsätzlich konventionell gebaut worden. In hohem Standard zwar, aber ohne technische Besonderheiten, abgesehen vom Lift vielleicht, der aufgrund des Hindernisfreien Bauens bei diesem öffentlichen Gebäude vorzusehen war.
Originalplan von Pfleghard & Haefeli.
Pflanzplan für die Staudenrabatte von Gustav Ammann für die Gartenbaufirma Otto Froebels Erben von 1912.
Im Geiste von Gustav Amman
Der ursprüngliche Garten fiel den Umbaumassnahmen in den 1960er-Jahren zum Opfer. Man setzte damals auf Parkplätze statt auf Grün und wo sich jetzt das Rasenparterre befindet, standen Autos. Die Originalpläne aus dem Archiv sind auch für die Arbeit des Landschaftsarchitekten zentral gewesen, denn damit und mit alten Fotos wurde ersichtlich, wie der Garten 1911 geplant worden ist – eine Arbeit von Pfleghard & Haefeli, die damit zum Büro Froebel respektive zu Gustav Amman gingen, um den Pflanzplan zu erstellen. Eine Rekonstruktion des alten Gartens war aber nicht möglich und auch nicht Intention des Entwurfs, viel mehr haben Daniel Ganz und sein Team zusammen mit den Architekten, die das räumliche Layout und den Gartenpavillon mitentworfen haben, im Geiste von Gustav Amman und dem Büro Froebel einen neuen Garten geplant. Der neue Gartenpavillon befindet sich beispielsweise am gleichen Ort, statt eines formalen Staudenbeets ist ihm aber eine Wasserfläche vorgelagert. Auch hat man die Bepflanzung an den Entwurf angepasst – heutzutage, wo Arbeitskräfte mehr kosten als damals, ist die Pflegeleichtigkeit eines Gartens zentral – und so stellt ein Irisbeet die Nähe zum Wasser dar, die Blattschwerter der robusten Pflanzen sind auch nach der Blüte expressive Eye-Catcher. Statt eines Kirschbaums lenkt nun eine Magnolie als Star im Frühling die Blicke auf sich.
Ein Garten im Geiste Ammanns. Bild: Daniel Ganz
Das Ammansche Blumenbeet wurde 1:1 wieder umgesetzt, jedoch an einem anderen Ort. Diese zwei Beete seien die Hauptakteure der Bepflanzung. Neu formt eine rechteckige Rasenfläche die Gartenmitte. Sie wird gefasst vom erwähnten Irisbeet und einer Staudenrabatte. Die Kunst bei der Bepflanzung eines Gartens liege darin, erklärt Ganz, dass er ganzjährig gut aussehen soll. Die Blüten blühen in blassen Farben, um sich gegenseitig und das Haus nicht zu konkurrieren, und die Rabatten um das Haus verfügen über wintergrünes Farn und Gräser, Pfingstrosen, Anemonen und Hortensien, die auch in verblühtem Zustand viel hergeben. Diese Randbepflanzung stamme eigentlich im Grossen und Ganze aus der Entstehungszeit. Das Dankbare an diesem Projekt sei es, dass atmosphärisch bereits sehr viel vorhanden war.
Das Bett ist ein Entwurf der Architekten. Bild: Michael Reinhard, Signau House & Garden
Die Möblierung ist ein eklektischer Mix. Bild: Michael Reinhard, Signau House & Garden
«Vieles war schon hier», sagt auch Theres Hollenstein, denn der Bestand im Haus war mehrheitlich noch in gutem Zustand, vieles wurde überdeckt und kam zwar nicht richtig zur Geltung, war aber nach kleinen Instandsetzungsarbeiten schon bald in tadellosem Zustand. Der grösste Eingriff war der Ersatz der Fenster, die man im Verlauf des Umbaus erst zu ersetzen beschloss, weil sie, neu verbaut in den 1960er-Jahren, atmosphärisch nicht gepasst hätten.
 
Nun passt alles hervorragend zusammen, entstanden ist ein Garten und ein Haus, das bestimmt zu einem unvergesslichen Gesamterlebnis führt, checkt man im «Signau House & Garden» ein.

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