Swissbau 2014

 Juho Nyberg,  Jenny Keller
23. Januar 2014
An der Swissbau kommt man diese Woche fast nicht vorbei. Auch, weil die alle zwei Jahre stattfindende Ausstellung der Bauwirtschaft in Basel ziemliche Dimensionen angenommen hat: In vier Hallen werden Produkte von 1200 Ausstellern gezeigt, die Standmieten bewegen sich in der Höhe der Kosten eines Kleinwagens, und an einem Tag wird man nie alles sehen können, was es zu sehen gäbe. Deshalb haben wir uns vorab einen kleinen Überblick verschafft und hier und dort etwas herausgepickt, das uns aufgefallen ist.
Diese Woche findet die Swissbau in Basel statt. Eine solche Messe ist nichts für die Augen – das kann auch der Design Award, der in Kooperation mit Hochparterre für den besten Stand vergeben wird, nicht ändern. Uns fiel auf, wie ein Wildwuchs an Ständen, verschieden farbige und typographisch unterschiedliche Logos und enge Verkehrsflächen die Hallen in ein nicht wirklich ästhetisches, bisweilen anstrengendes Gewusel transformieren. «Städtebaulich» also eine mittlere Katastrophe (und damit ist nicht die Halle 1 gemeint, die sich prominent über den einstmals grosszügigen Messeplatz walzt). Nichtsdestotrotz werden auch dieses Jahr wieder an die 100 000 Fachbesucher – die Männer sind tatsächlich in der grossen Überzahl – aus der ganzen Schweiz in Basel erwartet; vielleicht weil Messen auch im Zeitalter des Internets, das den persönlichen Kontakt mit dem Händler nicht ersetzten kann, tatsächlich ihren Stellenwert haben.

Vorab empfiehlt es sich auf jeden Fall, die Swissbau-App (s. rechte Spalte) zu installieren. Dann wird man sich wahrscheinlich in die Halle 2 – die Rundhofhalle aus den Fünfzigerjahren von Hans Hofmann mit der Uhr – begeben, um die Neuheiten für den Innenausbau, darunter Bad und Küche, zu erkunden.
Schwedisches Design: Nicht nur Ikea-Möbel, auch innovative Beläge kommen aus dem Norden. Alle Bilder: jn/jk
Die neue Oberflächlichkeit
In Halle 2 befinden sich auch Bodenbeläge- und Büromöbelhersteller. Eher unbekannt dürften Bodenbeläge sein, die aus Vinylfäden gewoben sind und damit eigentlich in die Kategorie der Teppiche fallen. Jedoch sind sie extrem widerstandsfähig und weitgehend unempfindlich gegenüber Wasser, was sie für den Einsatz etwa in Foyers oder anderen öffentlichen Räumen prädestiniert. Dass sie darüber hinaus auch ungeahnte Qualitäten zur Gestaltung von Böden – und wer mag, auch von Wänden – haben, zeigt der Hersteller Bolon am Stand von Xtender Design in Halle 2.0 C09. Mit der Form «The Wing» lassen sich schöne geometrische Kompositionen erstellen, die Farbpalette ist harmonisch abgestimmt, die einzelnen Farben lassen sich gut kombinieren.
Chaletstil überall? Rustikales Flair hält dieses Jahr im Standbau allenthalben Einzug.
Holz ist heimelig
Küchen und auch Bäder werden an der Messe auffällig oft in einer natürlichen Atmosphäre gezeigt. Induktionswoks und Waschbecken werden in Holz verkleidet, um ihnen das Technische zu nehmen und etwas Wärme zu verleihen. Ob dieser Trend auch allgemein im Innenausbau verfolgt wird, lässt sich beim Stand von Archithema in Halle 2.2 D12 überprüfen, wo am 23. Januar einmal mehr das «beste Einfamilienhaus» und der «beste Umbau» gekürt werden. Am Stand können die Projekte, die es bis ins Finale geschafft haben, auf grossen Postern begutachtet werden, und man hat als Besucher auch die Möglichkeit, über den Publikumspreis abzustimmen.
Alle zwei Jahre wieder: Zeitgleich zur Swissbau kürt der Archithema Verlag den «besten Umbau« und das «beste Einfamilienhaus».
Nass und trocken
Dyson stellt am Stand 2.2 E67 einen etwas holprigen Vergleich an: Wenn jeder Besucher der Swissbau die Toilette aufsuchte – sich danach die Hände wüsche und diese mit einem Papiertuch trocknete – dann würde ein Papierabfall von 66.7 Kilometern anfallen. Wie jetzt? Wenn man das Papier aneinaderreiht? Oder wenn man es zusammenknüllt und auftürmt? Und wie breit ist der Turm dann? Wie auch immer, die Innovation, die man an diesem Eckstand antrifft, sieht seltsam aus, könnte aber Erfolg haben, wenn man noch ein wenig am Design schraubt: Eine Armatur mit integrierten Trocknungsdüsen. Gegnern der Idee könnte aber nicht nur die Gestaltung des Hahnens misfallen, auch der Strom, der benötigt wird, muss schliesslich irgendwo und -wie hergestellt werden...
Dyson, die mit dem wahnsinnig starken Luftstrahl, kombinieren nun nass und trocken in einer einzigen Armatur.
Schmidlin, der Stahlbadewannen-Hersteller (ein Familienbetrieb aus der Innerschweiz), ist nicht zu übersehen, wenn man mit der Rolltreppe in die Halle 2.2. hochfährt: Der prominente Eckstand (E 18) ist ziemlich wuchtig dieses Jahr. Umso subtiler dann die einzelnen Neuerungen, die präsentiert werden. Wir staunen darüber, dass jede Wanne auf Mass erhältlich ist. Gerade für Umbauten sollte man sich diesen Hersteller merken, sind doch schiefe Winkel nicht selten in einem Altbau-Bad anzutreffen. Beim Besuch des Standes empfiehlt sich auch eine Kaffeepause einzulegen. Hier soll es den besten der ganzen Swissbau geben, denn der Chef hat eigens dafür zwei Cimbali-Maschinen mit nach Basel genommen. So viel Herzblut für guten Geschmack soll nicht unerwähnt bleiben!
Bei Schmidlin gibt es den besten Kaffee der Messe - und jede Email-Wanne auch als Massanfertigung. Wer erkennt hier den schiefen Winkel trotz der Perspektive des Photos?
Foundation Award
In der Halle 4 präsentiert sich im Kreis der CAD- und BIM-Anbieter der Preis für Jungarchitekten. Das Umfeld technischer Innovationen auf dem Gebiet der Planung und Gestaltung zieht viele Jungarchitekten an, und so kommt es beinahe im Minutentakt zu interessanten Begegnungen zwischen potenziellen Preisträgerinnen und den Repräsentanten des etablierten Jungarchitektenpreises. Dass der Preis bei den Siegern in guter Erinnerung geblieben ist, wurde offenbar beim zufälligen Zusammentreffen der zwei letztjährigen Preiseträger: Thomas Schlichting aus Lugano und Andreas Lamprecht vom Zürcher Büro Demuth Hagenmüller & Lamprecht. Der prominent gelegen Stand bietet auch Gelegenheit, ein Büro für den diesjährigen Foundation Award zu empfehlen. Ein extra dafür vorbereiteter Einwurfschlitz ist gleich neben der Rolltreppe zu finden.
Gipfeltreffen: Preisträger Andreas Lamprecht und Thomas Schlichting beim Gespräch am Foundation-Award-Stand.

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