Am Hang

Ulf Meyer
24. Februar 2021
Foto: Andreas Graber

Das Büro Gautschi Lenzin Schenker hat im Aargau ein Wohnhaus auf einem bestehenden Keller geplant. Die Architekten wissen mit ihrem einfachen, doch überzeugenden Holzbau die schöne Hanglage zu nutzen.

Wie wirkungsvoll man ein Wohnhaus auf einem Hanggrundstück inszenieren kann, ohne dabei strassenseitig unangenehm aufzutrumpfen, hat Ludwig Mies van der Rohe mit der Villa Tugendhat in Brünn Ende der 1920er-Jahren meisterhaft vorgemacht. Hundert Jahre später haben die jungen Architekten Andreas Gautschi, Dominik Lenzin und Philipp Schenker aus Aarau eine ähnliche Aufgabe bearbeitet. Und ihr moderner Holzbau, der ein bestehendes Wohnhaus ersetzt, vermag zu überzeugen.

Das Grundstück bietet einen schönen Blick auf Vordemwald im Kanton Aargau. Das dort befindliche Einfamilienhaus aus den 1970er-Jahren wurde oberhalb des Kellers abgerissen. Anschliessend wurde die alte Kellerdecke statisch ertüchtigt, bevor auf ihr ein eingeschossiger Neubau in vorfabrizierter Holzbauweise entstand. Er liegt kongruent über dem bestehenden Keller, um konstruktiv einfache Übergänge zwischen Alt und Neu zu erreichen. 

Foto: Andreas Graber
Foto: Andreas Graber

Der Wohnraum liegt leicht erhöht über dem Garten, wodurch im Inneren ein angenehm leichtes Raumgefühl entsteht. Überhaupt haben die Innenräume des kleinen Hauses Qualität. Jenes ist in drei wesentliche Teilbereiche gegliedert: die Eingangszone, einen Wohn- sowie einen Essbereich. Türen gibt es nicht, die Räume fliessen ineinander. Das Esszimmer, höher als die übrigen Teile des Baus, ist der zentrale Aufenthaltsort für die Familie. Dort bricht ein grosses Hebeschiebefenster die Grenze zwischen Innen- und Aussenraum auf – ein Stück weit werden sogar Erinnerungen wach an Mies van der Rohes Architektur. Im Wohnbereich wird durch ein langes Panoramafenster mit Festverglasung der Ausblick ins Tal inszeniert. Die Fensterbrüstung dient dabei als Sitzbank und Stauraum zugleich. 

Foto: Andreas Graber

Dem vergleichsweise engen Budget der Bauherrschaft trugen die Architekten Rechnung, indem sie auf alles Überflüssige verzichteten und die Bauweise möglichst einfach hielten. Der Neubau besteht aus nur drei Materialien: Tanne, Beton und Chromstahl. Diese Reduktion unterstütze den Wunsch der Bauherrenschaft nach einem roh anmutenden, atelierartigen Haus mit unbehandelten und natürlichen Oberflächen, sagen die Architekten. 

Foto: Andreas Graber
Pläne von oben nach unten: Grundriss und Schnitt

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