Anatomie eines Architektur-Juwels

Manuel Pestalozzi
18. Dezember 2019
Die Ostfassade mit Originalverglasung nach der Instandsetzung (Foto © Georg Aerni)

In diesem Frühling feierte Zürich die Wiedereröffnung des Pavillon Le Corbusier nach einer gründlichen Instandsetzung. Alle Bestandteile des 1967 fertiggestellten Werks wurden geprüft und nötigenfalls originalgetreu rekonstruiert. Jetzt berichtet ein schönes Buch über die Eingriffe. Wir haben es gelesen.

2015 fand im «alten» Pavillon noch der World Interiors Day statt. Beim Besuch damals konnte man den Eindruck gewinnen, das Gebäude sei eigentlich ganz gut in Schuss. Das Buch «Pavillon Le Corbusier Zürich. Restaurierung eines Architektur-Juwels» zeigt nun, dass dieser Eindruck doch recht getäuscht hat. Am ikonischen Bau nagte der Rost, die Neoprenprofile der Fenster litten. Die bauzeitliche Ölheizung galt zuletzt, obwohl anmutig rot gestrichen, nicht mehr als zeitgemäss. Es musste also Hand ans Werk gelegt werden – und zwar eine kundige Hand, gehört der Pavillon doch aufgrund seiner Architektur und seiner Konstruktion zum Weltkulturerbe.

Ansicht der Küche und des Essbereichs nach der Rekonstruktion des Zustands von 1967 (Foto © Georg Aerni)

Glücklicherweise gibt es für solche Fälle in der Schweiz eine bewährte Instanz: Das Duo Arthur Rüegg und Silvio Schmed nahm sich der über 50-jährigen Konstruktion an und machte sie fit für die nächsten Dekaden. Das Ziel: die selbe Frische, Eleganz und Farbigkeit wie bei der Eröffnung 1967. Aber eben, nicht nur oberflächlich. Das Konzept und die Umsetzung des ursprünglichen Entwurfs waren bis ins kleinste Detail zu erhalten, sodass die Nachwelt die Kreation nachvollziehen und begreifen kann. Der emeritierte ETH-Professor Arthur Rüegg und der Architekt Silvio Schmed haben sich mit Updates von Bestandsbauten unter Offenlegung und Bewahrung historischer Spuren einen Namen gemacht. Mit chirurgischer Präzision liessen sie mit den ausführenden Teams auch diesen Baukörper in neuem Glanz erstrahlen.

Nachbau des Beleuchtungsapparats «LC I», der Sitzbänke sowie der bodennahen Holzpaneele im Atelierbereich (Foto © Georg Aerni)

Der schmale, reich illustrierte Band erzählt von den Sanierungs- und Restaurierungsaktivitäten. Die Fotos zeigen nicht nur den Endzustand, sondern – mit ihrer eigenen, gewinnenden Ästhetik – die vormaligen Schadstellen, alle Eingriffe, die detailliert erläutert werden, und die alten und neuen Elemente, welche die Restauratoren mit Geschick kombinierten. Umfassendes Planmaterial gibt zusätzlich Auskunft über die konkreten Massnahmen. Das Buch ist jeder Architektin und jedem Architekten ans Herz zu legen, denn nicht nur, dass Le Corbusiers Gebäude eine Ikone ist, auch ist das Bauen im (historischen) Bestand eine wichtige Zukunftsaufgabe. Am berühmten Fallbeispiel wird eine technisch und kulturell interessante Herangehensweise umfassend dokumentiert.

«Pavillon Le Corbusier Zürich. Restaurierung eines Architektur-Juwels»

«Pavillon Le Corbusier Zürich. Restaurierung eines Architektur-Juwels»
Herausgegeben vom Amt für Hochbauten der Stadt Zürich, Silvio Schmed und Arthur Rüegg. Fotografien von Georg Aerni

230 x 280 mm
88 Seiten
104 Illustrationen
gebunden
ISBN 9783858814937
Scheidegger & Spiess
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