Anti-Architektur

 Susanna Koeberle
28. August 2018
Der «Barrel» von Tadashi Kawamata. Bild: Gian Marco Castelberg, © Tadashi Kawamata und Christophe Scheidegger
Der japanische Künstler Tadashi Kawamata hat im Garten eines privaten Apartmenthauses in Kilchberg bei Zürich eine begehbare Skulptur erbaut. Zum Kunstwerk erscheint nun eine Publikation.
Wie «Störfaktoren» manchmal belebend wirken können, zeigt eine Installation des Japaners Tadashi Kawamata in Kilchberg. Der international agierende Künstler hat neben helvetisch-diskreter Architektur einen irritierenden Fremdkörper platziert  – dies notabene auf Initiative der Architekten (Kyncl Schaller Architekten) und der Bauherrschaft (Prismag Bau AG). Was den Namen Barrel (Fass) trägt, erinnert eher an ein wundersames Pilzgebilde oder ein extraterrestrisches Vehikel. Oder an eine grosse, fragmentierte Seifenblase? An einen Kristall vielleicht? Wie auch immer: Die Kunstinstallation ist nicht nur eine schöne Ergänzung zum etwas nüchternen Bau, sie nimmt auf sehr (japanisch?) subtile Art Normen in der Architektur (vielleicht auch speziell in der Schweizer Architektur?) auf die Schippe. Der Pavillon besteht nämlich aus 36 weissen Standard-Fenster- und Fensterrahmen, die kuppelförmig übereinandergelegt wurden. Ursprünglich wollte Kawamata für sein «Fass» allerdings alte Fenster benutzen, das war aber aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Schliesslich ist die Kuppel ein komplexes statisches Konstrukt.
Das Innere des «Barrels». Bild: Gian Marco Castelberg, © Tadashi Kawamata und Christophe Scheidegger
Die Idee von Barrel ist ein Erlebnis ausserhalb des Gewöhnlichen: Ein Refugium. Ein Ort der Stille abseits des Alltagsstrudels, der aber zugleich ohne bestimmte Verwendung sein sollte. Den Bewohnern des Apartmenthauses steht es frei, ob sie darin meditieren oder Krach machen möchten. Dass der Zugang zur Installation unterirdisch erfolgt, hat an sich schon rituellen Charakter, man lässt die Aussenwelt hinter sich und taucht in ein von aussen unsichtbares, fremdes Universum. Unten angekommen eröffnet sich ein neuer Raum. Als erstes empfängt einen der angenehme Geruch der rohen Lärchenbretter. Absitzen, einatmen, in den Fensterhimmel schauen – so einfach geht manchmal abschalten. Wer neugierig geworden ist, dem sei die Buchvernissage am 6. September um 17.30 Uhr in der Buchhandlung Kunstgriff mit anschliessender Filmvorführung empfohlen. Der kurze Film zeigt die schrittweise Entstehung des Kunstwerkes, das von der Art Agency begleitet und dokumentiert worden ist.
Tadashi Kawamata und einige Mitarbeiter inspizieren den «Barrel» von innen. Bild: Gian Marco Castelberg, © Tadashi Kawamata and Christophe Scheidegger

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