Anti-Kollaps-Kollektiv

Manuel Pestalozzi
24. November 2019
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Deutschland ist dabei, bei der „worldwide collective Architects' Declaration on Climate Breakdown and Biodiversity Loss Emergency”. Eine ganze Reihe namhafter Büros hat das in den letzten Tagen mitgeteilt, mit der Aufforderung an die Kolleginnen und Kollegen, es ihnen gleich zu tun.

Kann das Klima kollabieren? Der Redaktor ist eher der Sprache zugewandt als den Naturwissenschaften, für ihn tönt das unmöglich. Es sei denn, die Sonne würde erlöschen. Das deutsche Architektinnen- und Architekten Kollektiv hinter dieser Initiative spricht trotzdem vom Klimakollaps und stuft ihn und den Verlust an Biodiversität als „die größten Probleme unserer Zeit“ ein. Schuld sind die CO₂-Emissionen. Gebäude und Bauvorgänge würden von ihnen ca. 40 % erzeugen, sagen sie. Die weltweite Initiative und ihr deutscher Ableger möchten das ändern. Die Erstuntzerzeichnerinnen und -unterzeichner des „German Wing“ sind ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory, BHL Building Health Lab, ENAH European Network Architecture for Health, GRAFT, HENN, ingenhoven architects, Kéré Architecture, kopvol, Max Dudler und Nickl & Partner Architekten.

Wie weiter? „Es bedarf eines Paradigmenwechsels, um die gesellschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, ohne dabei die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu verletzen“, schreibt das Kollektiv, „zusammen mit unseren Bauherren werden wir Gebäude, Städte und Infrastruktur entwerfen und realisieren müssen, die Bestandteile eines größeren, regenerativen Systems sind.“ Etwas stärker ins Konkrete deuten Hinweise auf die Evaluierung von Projekten „hinsichtlich der neuen Ziele“, die stärkere Berücksichtigung bestehender Bauten als CO₂-sparende Alternative zu Abriss und Neubau und der stärkere Einbezug der gesamten Lebensdauer von Bauten in die Planung. Diese Gedanken und Zielsetzungen sind nicht wirklich neu, sie stehen schon seit längerem im Raum. So bleibt den Architektinnen und Architekten eigentlich nicht weiteres, als sich stärker politisch zu engagieren – nicht für den Stillstand, der den CO₂-Ausstoß schlagartig stoppen würde, sondern für neue Wege und Ziele. Das wird trotz den Notstandserklärungen und Kollaps-Warnungen Zeit und Geduld brauchen.

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