Arbeiten in Pandemiezeiten: Stress und Ungerechtigkeit

Juho Nyberg
17. Mai 2021
Foto: Juho Nyberg

Eine englische Studie hat gezeigt, dass Architektinnen härter von den Auswirkungen der Corona-Krise auf das Arbeitsleben betroffen sind als ihre männlichen Kollegen. 

Die Baubranche, in der sich Veränderungen der Wirtschaftslage erst mit einem gewissen Zeitversatz bemerkbar machen, ist von der Corona-Pandemie bisher weniger betroffen als andere Wirtschaftszweige – der Tourismus etwa, die Gastronomie, die Veranstaltungsbranche oder auch der Kulturbereich. Und doch sind auch in Architekturbüros weltweit in unterschiedlichen Schattierungen Auswirkungen spürbar – ungeachtet dessen, dass hierzulande gerade viele nach Verstärkung suchen. Für die Mitarbeitenden der gebeutelten Büros bedeutet das häufig Massnahmen wie Kurzarbeit oder Beurlaubungen und – im allerschlimmsten Fall – sogar die Kündigungen aufgrund der verschlechterter Auftragslage. 

In Grossbritannien, wo das Virus besonders heftig grassiert, hat die NGO Women’s Budget Group eine Studie initiiert, die sich mit den Massnahmen auseinandergesetzt und beleuchtet hat, wer von ihnen betroffen ist. Die Untersuchung hat zutage gefördert, dass mehr als die Hälfte der Beurlaubten Frauen sind. Dieses Ergebnis wurde prompt von einer britischen Personalvermittlungsagentur bestätigt. Auch bei den durch die Krise arbeitslos gewordenen Architekt*innen überwiegt der Anteil an Frauen deutlich. Zugleich überdenken über ein Drittel der britischen Architektinnen derzeit ihre Karriere.

Home-Office: Fluch oder Segen?

Dass auch die Umstellung auf Home-Office zu Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern führen kann, wurde erneut bestätigt: Häufig wird demnach erwartet, dass die Frauen neben der Arbeitslast auch noch mehr oder weniger allein die Hausarbeit und die Kinderbetreuung erledigen. Insofern fehlt sogar der gerade auch für die mentale Gesundheit wichtige Ausgleich, es gibt kaum noch eine Möglichkeit, das Stresslevel wirksam zu senken. Die Flexibilisierung der Arbeitswelt führt eben nicht automatisch zu mehr Freiheit, sondern oft auch zu einer in vielerlei Hinsicht gefährlichen Verklumpung von Beruflichem und Privatem. Soziale Isolation, Verbote, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, berufliche und private Mehrfachbelastung und fehlende Rückzugs- und Entspannungsmöglichkeiten sind eine explosive Mischung für seelische und sonstige Probleme. Was bleibt, ist auf eine baldige Entspannung der Corona-Lage zu hoffen.

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